Der Mercado Central in Valencia

Neues aus Spanien

Turespaña

September 2020

Gastromärkte– Wo Gastronomie, Kultur und Architektur sich vereinen

Eine Reise zu den historischen Markthallen Spaniens

Auf eine Horchata in Valencia, auf ein paar Tapas in Madrid, Txakoli und Pintxos in Bilbao…. Auch das wird es irgendwann wieder geben. Und was gibt es Schöneres als eine kurze Pause in einer der altehrwürdigen Markthallen in Spaniens Städten einzulegen? Und beim Einkaufen und Beobachten des Markttreibens die Atmosphäre der jeweiligen Stadt zu genießen und ihre gastronomischen Besonderheiten kennenzulernen.

Nahezu jedes der spanischen Städteziele hat mittlerweile einen dieser Gourmettempel zu bieten. So machen wir uns heute einmal quer durch Spanien auf eine gastronomische und kulturelle Entdeckungsreise.

Angefangen im hohen Norden gehört der Mercado de la Ribera im baskischen Bilbao für Marktfans und Gourmets zu den festen Bestandteilen eines Besichtigungsprogramms, genauso wie das Guggenheim-Museum oder die gemütlichen Altstadtgassen der „Siete Calles“, die den historischen Kern Bilbaos bilden.

 

Bilbao: Ansicht Guggenheim Museum
Turespaña

Im Jahr 1928 im Art Déco Stil erbaut, ist die Markthalle mit ihren mächtigen Glasfenstern heute der größte überdachte Markt Europas. Ein Nachmittag auf der Terrasse des großartigen Theatercafés oder ein Bummel entlang der Stände mit Fischen und Meeresfrüchten, Gemüse- und Obstsorten, wo die Chefs der exquisiten baskischen Restaurants aus der Umgebung ihre täglichen Einkäufe machen, bleibt unvergesslich

Der Mercado de La Ribera in Bilbao
Óscar Martínez

Ein Sprung von der Biskaya ans Mittelmeer. Es gibt kaum einen Barcelonabesucher, der nicht schon einmal auf den Ramblas eine Stipp- oder ausgedehntere Visite im Mercat de Sant Josep, besser bekannt als „La Boquería“ aus dem 19. Jahrhundert gemacht hat. Schon von weitem sind die Eisenkonstruktion und die herrlichen buntbemalten Glasfenster der Fassade zu erkennen. 

Bisher noch etwas weniger bekannt ist die, ebenfalls in der Mitte des 19. Jahrhunderts im klassizistischen Stil erbaute, und 2005 renovierte Markthalle Santa Caterina im Riberaviertel, einem der In-Viertel der Stadt. Die Architekten Enric Miralles und Benedetta Tagliabue verpassten ihr ein gewelltes Dach mit bunten Keramikmosaiken, die Obst und Gemüse darstellen. Die Gourmet-Ecken zwischen den Läden und Marktständen bieten eine Menge mediterrane Köstlichkeiten, einiges für Asiafreunde und auch Vegetarier kommen voll auf ihre Kosten.

Barcelona: Mercado de Santa Caterina
Turespaña

Etwas weiter südlich am Mittelmeer kommt man auch in Valencia ganz sicher nicht an einer der beiden großen Markthallen vorbei. Mitten im Zentrum nahe der alten Seidenbörse La Lonja de la Seda liegt der Mercado Central. Allein das herrliche Gebäude im Jugendstil mit seiner beeindruckenden Glaskuppel ist ein Besuch wert. Ganz leicht lässt sich dort ein ganzer Morgen verbummeln, um hier einen Happen iberischen Schinken zu probieren, dort verschiedene Olivensorten zu verkosten und den vielleicht besten Café Solo Valencias zu trinken. Oder einfach nur zu schlendern: Entlang den über und über gefüllten Ständen mit Obst und Gemüse aus der umliegenden Huerta, den Gemüsegärten der Stadt, oder über den riesigen Fischmarkt und dazwischen eine Handvoll Mandeln oder Trockenfrüchte zu naschen.

Der Zentralmarkt, Mercado Central in Valencia
Turespaña

Ein wunderbarer Abschluss für den Nachmittag bietet dann eine der Horchaterías im Mercado Colón, wo es das erfrischende Getränk aus der Erdmandel in allen Variationen zubereitet, gibt. Schlanke Stützpfeiler und eine offene, helle Atmosphäre erwarten die Besucher, wenn sie die ehemalige Markthalle durch das große, nach oben spitz zulaufende Tor mit den Glasfenstern betreten. Hier befinden sich heute neben den Horchaterías, Bars und Cafeterías vor allem hervorragende Restaurants von Meisterköchen. So lässt sich hier auch der Abend mit einem leckeren mediterranen Abendmenü oder Tapas und einer anschließenden Caña, einem Fassbier oder einem Agua de Valencia, dem typischen Cocktail der Stadt mit frischem Orangensaft, Cava und Gin, genießen.

Ein Treffpunkt für tagsüber und abends: Der Mercado Colón in Valencia
VisitValencia

Am Mittelmeer entlang führt unsere Reise durch die angesagtesten Markthallen Spaniens an den Atlantik in eine der ältesten Städte Europas, nach Cádiz. In der Hafenstadt mit ihren charakteristischen Türmen, von denen man früher nach den Schiffen Ausschau hielt, der mächtigen goldenen Kuppel der Kathedrale und der stimmungsvollen Altstadt ist das, sie von drei Seiten umgebene Meer immer allgegenwärtig.

Das gilt auch für das Angebot der traditionellen Markhalle der Stadt, des Mercado Central de Abastos. An die 50 Fischhändler bieten alles, was das Herz begehrt, von Muscheln über Seeigel, von Oktopus bis zur Dorade. Einst auf dem ehemaligen Gelände des Gemüsemarktes des Barfüßler-Klosters erbaut, wird das Gebäude bis heute auch optisch seiner langen Historie gerecht. Eine Halle im Stil des Neoklassizismus, umgeben von Arkaden, unter denen Einheimische und Besucher gerne mit Tapas und allerlei Köstlichkeiten ihr Abendprogramm beginnen oder auch beschließen.

Gastro-Winkel in der alten Markthalle von Cádiz
Cádiz Turismo

Vom tiefen Süden des spanischen Festlandes folgt jetzt ein Flug über den Atlantik nach Las Palmas. Die Hauptstadt Gran Canarias hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Ziel gemausert, das auch als Städtereisen-Destination einiges zu bieten hat, sowohl in kultureller Hinsicht als auch als Shoppingziel, das sich herrlich mit einem Badeurlaub auf der Ganzjahres-Sonneninsel kombinieren lässt.

Sehenswertes Las Palmas: Los Riscos im Stadtteil San Nicolás
Turespaña

Unweit des beliebten Stadtstrandes Playa de las Canteras liegt der alte Lebensmittelmarkt von Las Palmas. Die Markthalle El Puerto im Art Nouveau-Stil wurde vom französischen Ingenieur Gustave Eiffel im 19. Jahrhundert entworfen und im Jahr 1994 restauriert. An den traditionellen Marktständen lässt sich das Picknick für den Strandbesuch zusammenstellen oder die Einkäufe für das Abendessen erledigen. Oder aber man genießt eine Runde Tapas in einer der Feinschmecker-Ecken des Marktes nach einem Bummel entlang der typischen kanarischen Häuser im Altstadtviertel La Vegueta oder dem Einkaufstrip in der Calle Mayor in Triana mit ihrer Jugendstilarchitektur.

Die Markthalle Mercado del Puerto in Las Palmas
Mercado del Puerto

Zurück auf dem spanischen Festland führt unsere Reise nun ins Hinterland der Küsten. Vermutlich ebenfalls von Gustave Eiffel wurde die Lonja del Barranco, die ehemalige Handelsbörse von Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens, entworfen. Hell und modern eingerichtet, bietet das sehenswerte Gebäude aus Schmiedeeisen, in dem sich von 1883 bis 1970 ein Fischgroßmarkt befand, heute an den mehr als 20 eleganten Ständen gastronomische Genüsse aller Art: Meeresfrüchte, frittierter Fisch „Pescaíto frito“, Pasteten, Käse, Sushi, Öle, Weine und vieles mehr. Nach einem Morgen im nahegelegenen Museum der Schönen Künste oder einem Bummel durch das ursprüngliche Triana-Viertel lädt der Gastro-Markt zu einer gemütlichen Pause mit Blick auf den Guadalquivir, die Lebensader der Stadt und ganz Andalusiens, ein.

Die Markthalle Lonja del Barranco in Sevilla
Turismo Andaluz

Córdoba und Toledo, beide oft als „Städte der Drei Kulturen“ bezeichnet, sind die nächsten Stationen auf unserer gastronomischen Reise. Córdoba, ein Inbegriff Andalusiens und seiner Architektur, Kultur und Geschichte, mit seiner wunderschönen Altstadt, dem ehemaligen jüdischen Viertel, seinen blumengeschmückten Innenhöfen und der märchenhaften Säulenhalle der Mezquita-Kathedrale gehört zweifelsohne zu den schönsten Städtezielen Spaniens. Etwas außerhalb lockt mit den Ruinen der ehemaligen Kalifenstadt Medina Azahara darüber hinaus ein weiteres Weltkulturerbe der UNESCO.

 

Die Säulenhalle der Mezquita in Córdoba
Turespaña

Aber nicht nur historisch und kulturell Interessierte kommen auf ihre Kosten. Zahlreiche Restaurants und der Mercado Victoria, der erste Gastro-Markt Andalusiens, bieten ein vielfältiges Angebot aus der andalusischen, spanischen und internationalen Gastronomie.

Bereits seit seiner Eröffnung im Jahr 1877 beheimatete das zwischen Palmen und viel Grün stehende Gebäude aus Schmiedeeisen kulturelle Veranstaltungen. Heute kann man an seinen Ständen den für Córdoba typischen Salmorejo probieren, eine dem Gazpacho ähnliche Kaltspeise, Tapas essen, begleitet von einem Glas Wein aus der nahen Weinregion Morilla-Moriles.

Der Mercado Victoria in Córdoba
Mercado Victoria

Auf dem Weg zum letzten Stopp unserer Reise, Madrid, darf Toledo nicht fehlen, die zweite Stadt Spaniens, die als „Stadt der Drei Kulturen“ über ein reiches kulturelles Erbe jüdischen, muslimischen und christlichen Ursprungs verfügt. Die Stadt El Grecos, die sich wie eine mittelalterliche Trutzburg, umgeben von der Schleife, die der Tajo hier zieht, über den Ebenen der Mancha erhebt, fasziniert schon durch ihre Lage. Ihr hat die Stadt zu verdanken, dass sie sich als nahezu abgeschlossenes Altstadt-Ensemble aus dem Mittelalter erhalten hat.

Stadtansicht von Toledo
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Ob beim Spaziergang durch die schmalen Gassen, dem Besuch der beiden Synagogen im ehemaligen Judenviertel, der Kathedrale, einem der größten Gotteshäuser der Welt, oder aber die Werke El Grecos, Toledo zieht jeden Besucher in seinen Bann und beschert eine authentische Reise durch die Vergangenheit.

Irgendwann gelangt jeder dann an den Hauptplatz der Stadt, die Plaza de Zocodover. Hier befindet sich mit der restaurierten Markthalle San Agustin seit dem Jahr 2014 ein Feinschmecker-Markt von besonderen Ausmaßen und ein sehr willkommener Platz für eine Ruhepause. Auf archäologischen Überresten erbaut, beinhaltet die Halle mit einer avantgardistischen Innendekoration ausgestattet, auf fünf Ebenen neben zahlreichen Restaurants, Feinschmecker-Ecken und Show-Cooking-Ständen, einen spektakulären Garten und eine einladende Terrasse, auf der sich die Besichtigungstour in Toledo gemütlich abrunden lässt.

An der Plaza del Zocodover in Toledo
Turespaña

Gut 70 km trennen die älteste Hauptstadt Spaniens, Toledo, von der heutigen Kapitale Madrid. Die Stadt, die den größten Fischmarkt Europas ihr Eigen nennt und in deren hervorragenden Restaurants sich die Gastronomie des ganzen Landes spiegelt, verfügt natürlich auch über eine Vielzahl von Gastro-Märkten und Markthallen. An dieser Stelle wollen wir drei von ihnen besuchen. 

Eine der ersten Anlaufstellen der meisten Besucher Madrids ist das Herz der Stadt, die lebhafte Puerta del Sol und unweit davon der alte Hauptplatz des Madrid der Habsburger – die Plaza Mayor mit ihren zahlreichen Geschäften, Bars und Restaurants, die sich unter den Arkaden rund um das Reiterstandbild Phillips III. angesiedelt haben. Direkt daneben, an der Plaza de San Miguel befindet sich die gleichnamige Markthalle mit ihrer typischen, gut erhaltenen Eisenarchitektur. Wer Lust hat auf Austern oder Kaviar, auf frischen Fisch oder Meeresfrüchte, wird hier an den Ständen, wo die ausgewählten Köstlichkeiten auch gleich zubereitet werden, fündig. Kulturell Interessierte finden in dieser Markthalle aber auch Ausstellungen und andere Events, Gastronomiefans Verkostungen oder Show-Cooking, sogar eine gastronomische Buchhandlung ist vorhanden. Und auch abends hat die Markthalle San Miguel noch Anteil an der vielbesungenen „movida“ Madrids, denn es geht überaus lebhaft zu an den zahlreichen Stehbars, Vinotheken und Tapas-Lokalen.

Der Innenbereich des Mercado de San Miguel in Madrid
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Eine Einkaufstour in Madrid lässt selten die Calle Fuencarral mit ihren Vintage-Läden und das Szeneviertel Chueca aus. Wer nicht schon in der Markthalle San Ildefonso in der Fuencarral einen gastronomischen Kurzstopp einlegt, macht das spätestens im Gastro-Markt San Antón. Erst im Mai 2011 wurde die vollständig renovierte und nach einem nachhaltigen Konzept modernisierte und betriebene Halle aus dem 19. Jahrhundert wiedereröffnet.

Besonders der Degustationsbereich auf der zweiten Etage lässt die Herzen von Gastronomiefans höherschlagen. Sie können sich hier durch die spanische und internationalen Küchen probieren oder Weine aus ganz Spanien verkosten. Ein herrlicher Abschluss des Einkaufsbummels in Chueca ist aber die Terrassenlounge auf der obersten Etage, wo man einen wunderbaren Rundblick auf das Szeneviertel genießt.

Lohnt unbedingt einen Besuch: Das Szeneviertel Chueca in Madrid
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Als das „größte Zentrum für gastronomischen Freizeitgenuss in Europa“ bezeichnet sich das 2014 eröffnete Platea Madrid an der Calle Colón im schicken Einkaufsviertel Salamanca. Auf 6.000 qm vereinen sich in dem ehemaligen Filmtheater Carlos III auf verschiedenen Ebenen, in den Logen, im Graben und auf den Rängen gastronomische und kulturelle Highlights. Ob es nun der „Patio“, der Innenhof, ist mit seinen Tapa- oder Stehbars, in denen man sich auf einen Vermut oder ein Bier oder im 2. Stock auf einen Cocktail trifft. Oder ob der erste Stock mit seinem exklusiven gastronomischen Angebot an mediterraner, asiatischer, italienischer oder lateinamerikanischer Küche und das Restaurant von Sternekoch Ricard Camareno vorgezogen wird. Oder aber ob man einem Konzert oder einer Flamencovorstellung auf der noch immer bestehenden großen Bühne lauscht, mit dem Platea verfügt Madrid über einen Ort mit einem ganz besonderen Flair für Einheimische und Besucher der Stadt, den man sich unbedingt bei einem Madridbesuch einmal anschauen sollte. 

 

Ein altes Filmtheater wiederbelebt als Gastro-Tempel: Das Platea Madrid
Platea Madrid

Informationen über die oben beschriebenen und weitere Markthallen und Gastromärkte unter: https://www.spain.info/de/spanien-entdecken/traditionelle-gastro-maerkte/