Zum Jahresende nach Sanlúcar de Barrameda
Spaniens Gastronomiehauptstadt 2022
Im Süden Spaniens, wo der Guadalquivir in den Atlantik mündet, liegt Sanlúcar de Barrameda, ein Schlemmerparadies und Spaniens Gastronomiehauptstadt 2022.
Ganz langsam versinkt der rotglühende Ball der Sonne nach unten, eher er am Horizont im Meer verschwindet. Es ist der letzte Sonnenuntergang des Jahres und wir erleben ihn im Südwesten Andalusiens am langen Strand von Sanlúcar de Barrameda. Auf der anderen Seite der Mündung des Guadalquvir, der wichtigen Lebensader der Region, der hier die Provinz Cádiz von der Provinz Huelva trennt, fällt der Blick auf den Doñana Nationalpark, zu dem man von Sanlúcar aus mit dem Boot gelangt. „Hierher komme ich jetzt immer am Jahresende, weil es so schön ist““, tönt unser Sohn und stürmt ausgelassen den Strand entlang. Einige Strandspaziergänger sind noch hier und genießen wie wir das ausklingende Tageslicht dieses 31. Dezember.

Rings um uns die Restaurants von Bajo de Guia, die sich in Kürze füllen werden mit Feinschmeckern, die das alte Jahr genussvoll bei einem Glas Manzanilla und sicher auch mit einigen der berühmten „Langostinos“, den Garnelen der Region abschließen. Die Restaurants hier unten sind berühmt für ihre Fisch- und Meeresfrüchtespezialitäten. Allen voran die altehrwürdige Casa Bigote, wo viele Berühmtheiten der spanischen Politik und Kultur schon geschlemmt haben. Egal, ob hier oder anderswo, in wenigen Stunden werden wir alle die traditionellen zwölf Weintrauben bei jedem Schlag der Uhr um Mitternacht essen, die Glück bringen sollen für das Neue Jahr.

Ein ganz besonderes Jahr für Sanlúcar de Barrameda, wird die Stadt doch die spanische Kapitale der Gastronomie 2022 sein. Eine Stadt, in der man seit 2019 und noch bis 2022 der ersten Weltumsegelung durch den Seefahrer Magellan gedenkt, der von hier mit seinen Schiffen in sein großes Abenteuer startete. Sanlúcar atmet Geschichte und hat nicht nur dank ihr und aufgrund ihrer Lage am Atlantik für Gourmets eine Menge zu bieten. Zahlreiche Völker brachten im Laufe der Geschichte ihre Produkte in die Stadt. Ob Phönizier, Römer oder Araber, sie alle trugen zur heutigen Vielfalt der Küche dieser Region bei. Später wurde sie zu einem der wichtigsten Häfen für den Handel mit der Neuen Welt und Amerika, was ihr allerlei Früchte und Gemüsesorten, wie Tomaten, Paprika und auch die Kartoffel bescherten, die von hier in die gesamte Alte Welt gelangten. Hinzu kommt der natürliche Fischreichtum der Atlantikstadt. So stützt sich die Küche von Sanlúcar seit vielen Jahrhunderten auf drei wichtige Pfeiler: Die Produkte seiner Gärten, der huertas im Hinterland, die Weine und den Reichtum aus dem Meer.
Die Top-Spezialitäten von Sanlúcar
Weit über ihre Grenzen hinweg ist die Stadt bekannt für ihre Gerichte aus Meeresfrüchten, insbesondere für die Garnelen und Fischsorten wie Seeteufel und viele andere. Besonders in den Restaurants hier direkt im Viertel von Bajo de Guia kann man die großartigen Fisch- und Meeresfrüchtespezialitäten probieren. Penaeus Kerathurus ist der wissenschaftliche Name für die berühmte Garnele aus Sanlúcar de Barrameda, das Vorzeigeprodukt der Stadt schlechthin. Dazu kommen die leckeren frittierten Fische und Meeresfrüchte, wie die „chocos fritos“, kleine ganze Tintenfische, die „Acadías fritos“ oder die pijotas, eine Schellfischart. Oder auch die „Chovas“, kleine Thunfische. Am besten schmecken die leckeren frittierten Fische und Meeresfrüchte, wenn man sie direkt aus der Hand genießt.

Dann sind da die berühmten Kartoffeln aus Sanlúcar, allen voran jene aus den Gärten von La Algaída, aus denen man Gerichte und Beilagen wie die „papas aliñas“ zaubert. Nicht vergessen werden dürfen die „guisos“ und „potajes“, Eintöpfe, wie der „Veranillo“ mit Tomaten, Paprika, Knoblauch, Zwiebeln und Lorbeer. Oder die „Guisos marineros“, Fischeintöpfe, die die Restaurants in Bajo de Guia besonders lecker zubereiten.

Hinzu kommen die hervorragenden Weine, gehört Sanlúcar unweit von Cádiz doch zum berühmten Sherry-Dreieck, gemeinsam mit Jerez de la Frontera und El Puerto de Santa María. Auf den Weinfeldern rings um die Stadt wachsen die Palomino-Trauben für den Manzanilla-Wein, die ureigene Weinsorte der Stadt, die sich insbesondere durch ihren milden und samtenen Geschmack auszeichnet. So darf bei einem Besuch in der Stadt die Besichtigung einer der zahlreichen Bodegas mit anschließender Weinprobe natürlich nicht fehlen.

Jeder Monat des Jahres im Zeichen eines gastronomischen Produkts im kulturhistorischen Kontext
Der wichtigste Markt in Sanlúcar de Barrameda ist die altehrwürdige Markhalle des Mercado de Abastos. Sie wird neben dem Auditorium Sitz der Gastronomiehauptstadt des nächsten Jahres.
Hier in der Halle aus dem 18. Jahrhundert, zu deren Errichtung einst der Herzog von Medina-Sidonia einen Teil seines Gartens abtrat und zu dem heute auch noch die gotischen Stände der ehemaligen Lonja, Börse gehören, quellen auf 1.392 Quadratmetern tagtäglich die Marktstände über von Früchten, Gemüsesorten, Käse, Fleisch und vor allem den zahlreichen Meeresfrüchten und Fischprodukten der Region. Hinzu kommen Stände zum Schlemmern und Genießen. Eine jener Hallen, in denen man sich trifft zum Einkaufen und dabei ein Schwätzchen bei einer Tapa, einem "pescaíto frito" und natürlich einem Manzanilla oder einem Kaffee zu halten.

Inmitten des historischen Zentrums wird der Mercado de Abastos und das gastronomische Jahr in Sanlúcar 2022 jeden Monat des kommenden Jahres ins Zeichen eines Produktes oder Gerichtes stellen, das eng verbunden ist mit der Geschichte und dem Kulturerbe der Stadt. Während der Januar so noch dem Beginn des gastronomischen Hauptstadjahres gewidmet ist, wird der Februar zum „Gastronomischen Karneval“. Im März werden die „Sabores de Cádiz“, die „Aromen der Provinz“, in den Mittelpunkt gestellt. Der April und die Osterzeit mit ihren Karwochenprozessionen läuft unter dem Thema „Procesión de Sabores“, „ „Prozession der Aromen“. Im Mai stehen die „Produkte der sandigen Erde“, insbesondere die berühmten Kartoffelsorten im Mittelpunkt. Der Juni widmet sich der „Hauptstadt des Manzanilla“, der Juli dem „Rey de los Bigotes“, „König der Schnurrbärte und anderer Wunder des Meeres“, womit in Sanlúcar die berühmten Garnelen und Fischspezialitäten gemeint sind. Im August finden in Sanlúcar de Barrameda die mittlerweile weltbekannten Pferderennen am Strand statt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass dieser Monat unter dem Motto „Sanlúcar im Galopp“ steht. Im September gedenkt man der langen Geschichte der Stadt, in der vor 500 Jahren die erste Weltumsegelung durch Magellan startete und „500 Jahren Gastronomiegeschichte und mehr“. Der Oktober sieht nach der Traubenernte das Motto „Der Ursprung unserer Weine“ vor. Der November gedenkt ebenfalls der Seefahrertradition der Stadt am Atlantik unter dem Motto „Zu den Galeeren ....zum Genießen“. Und im Dezember schließlich soll das Jahr abgeschlossen werden unter dem Motto „Sanlúcar wird immer Hauptstadt bleiben“.
Ein Spaziergang durch Sanlúcar: Viel Kultur und eine herrliche Naturumgebung
Bei der Schlemmertour durch Sanlúcar geht es aber nicht nur zu den Bodegas und zahlreichen hervorragenden Restaurants der Stadt, sondern auch vorbei an den vielen kulturellen Highlights und und historischen Gebäude, die die Stadt mit dem lebensfrohen andalusischen Ambiente zu bieten hat.

Und natürlich nicht zu vergessen die wunderbare Naturumgebung. Allen voran der Ausflug per Boot zum Doñana-Nationalpark mit seinen Dünen, Pinienwäldern und Marschland. Einst ein wichtiges königliches Jagdrevier ist dieses wunderbare Naturparadies mit seinen verschiedenen Ökosystemen und der artenreichen Tierwelt heute in Geländewagentouren und per Bus zu entdecken. Ausgangspunkt für die Touren und das Informationszentrum in Sanlúcar ist die ehemalige Eisfabrik, Fábrica del Hielo in einem kleinen Jugendstilgebäude.

Noch befinden wir uns im Barrio Bajo, dem sogenannten unteren Stadtviertel von Sánlucar de Barrameda. Das Viertel mit seinen zahlreichen Palästen, Herrenhäusern, Klöstern und Kirchen entwickelte sich vor allem im 16. Jahrhundert, als Sanlúcar einer der wichtigsten Häfen für die Neue Welt war. Hier siedelten sich damals die zahlreichen religiösen Orden an, um ihre Mitglieder von hier in die Kolonien zu entsenden. Auffallend ist das herrliche Renaissancegebäude des Klosters von Santo Domingo.

Das sogenannte Barrio Alto, die Oberstadt war mit dem Castillo de Santiago der befestigte Teil der Stadt an der Guadalquivirmündung. Heute befinden sich im Inneren der Burgfestung das Trachten- und das Waffenmuseum. Auch den Palast der Herzöge von Medina Sidonia kann man besuchen. Er birgt den Sitz der Stiftung Medina Sidonia und eine bedeutende Gemälde- und Kunstsammlung, das antike Mobiliar, herrliche Innenhöfe und den Garten aus dem 16. Jahrhundert.

Ein wunderbares Gebäude und ebenfalls ein Sitz der Gastronomiehauptstadt 2022 ist das Auditorium de La Merced aus dem 17. Jahrhundert. Ehemals eine Kirche wurde sie in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts umgewandelt. Die berühmte „Duquesa Roja“, Rote Herzogin, Isabel Álvarez de Toledo übergab die Kirche an das Rathaus von Sanlúcar, das es in das heutige Auditorium verwandelte. Ein weitere Sehenswürdigkeit ist das heutige Rathaus im ehemaligen Palacio de los Orleans und Bourbon mit seiner einzigartigen Gartenanlage.
Und nicht zu vergessen schließlich ist das, womit wir diesen Bericht begonnen haben, die wunderbaren Strände von Sanlúcar de Barrameda, die Bajo de Guia, La Calzado, wo es einst ein Balneario, ein Kurhaus gab, das die Sommerfrischler empfing und wo 1845 zum ersten Mal die berühmten Pferderennen organisiert wurden, die es bis heute immer im August gibt. Und schließlich die Playa de la Pileta, wo die berühmten Rennen enden.
Sanlúcar de Barrameda ist immer eine Reise wert, aber im Jahr 2022 als Gastronomiehauptstadt Spaniens noch ein wenig mehr.
Informationen zu der Stadt und dem Programm (ab Januar 2022) unter: https://www.sanlucarturismo.com/en/ oder unter www.spain.info sowie: https://capitalespanoladelagastronomia.es/