Blick auf die Pyrenäen. Geopark Sobrarbe-Pirineos, Aragón

Neues aus Spanien

Turespaña; Foto: Stelian Frentiu

Mai 2021

Naturnähe und Nachhaltigkeit

Tourismus mit Zukunft in Spanien

In diesen langen Monaten der Pandemie ist vielen von uns die Bedeutung der Natur noch um vieles bewusster geworden.  Welche Wohltat, in die Stille eines Waldes einzutauchen, an einem plätschernden Bach spazieren zu gehen, den Wind über wogende Getreidefelder streichen zu sehen, den Wellen zuzuhören, die an einem See oder am Meer auf die Ufer schlagen. Experten gehen davon aus, dass sich diese Erfahrungen auch auf die künftige Art zu reisen auswirken werden, hin zu mehr Naturbewusstsein und Nachhaltigkeit.

Diese Art des naturnahen und nachhaltigen Reisens fördert bereits seit 2010 der Verband für Ökotourismus in Spanien (Club de Ecoturismo en España). Unter dem Namen Club Ecoturismo haben sich zahlreiche geschützte Regionen, wie Biosphärenreservate, Natur- und Nationalparks sowie touristische Anbieter mit dem Ziel der Förderung eines umweltbewussten, schonenden und nachhaltigen Tourismus zusammengeschlossen (ecotouristinspain.com).

Club Ecoturismo en España

Einige dieser Regionen sollen heute hier beispielhaft für die große Anzahl an geschützten Gebieten in Spanien vorgestellt werden.

Am Fuß der Pyrenäen - Ein offenes Buch der Erdgeschichte

Am Fuße der spanischen Pyrenäen in der Provinz Huesca in Aragón erstreckt sich eine Landschaft, die geprägt ist von Weinfeldern, Olivenhainen, kleinen Dörfern, und kargen, Garrigue-bewachsenen, schroffen Hügelketten. Eine stille Landschaft, deren Dramatik sich erst erschließt an zahlreichen Aussichtspunkten oder beim spektakulären Abstieg in die tief eingeschnittenen Canyons und Schluchten, die die Sierra de Guara vor allem für Abenteuertouristen wie Canyoningfans und Kletterer bekannt gemacht hat.

Vier Hauptflüsse haben hier über Jahrmillionen ein in Europa einmaliges Netz an tiefen beeindruckenden Schluchten gegraben. Viele Zeitalter nachdem das einst von einem Urmeer bedeckte Gebiet durch die Auffaltung der Alpen und Pyrenäen angehoben worden war. Vor allem Canyoningfans und Kletterer erschließen sich diese faszinierende Schluchtenwelt, aber auch Wanderer finden hier besonders in den nicht so heißen Frühlings- und Herbstmonaten eine beeindruckende Landschaftsvielfalt vor, die von den Schluchten und kargen Höhenzügen weiter im Norden der Region übergeht in herrliche, von Felsen durchsetzte Pinienwälder mit rauschenden Flüssen und Wasserbecken, die zum Bad in freier Natur einladen.

Kletterer über der Schlucht des Mascún
Turespaña; Foto: Stelian Frentiu

Aber zurück in den Süden, nach Alquézar, dem mittelalterlich anmutenden Hauptort der Sierra de Guara, wo ein abenteuerlicher Wanderweg auf einem Steig entlang der schroffen Felswände über dem mal ruhig, mal wild zwischen mächtigen Felsbrocken rauschenden Río Vero  einen Teil der Schlucht durchläuft. Oder in das kleine, von seiner hübschen romanischen Kirche überragte Dörfchen Rodellar, und von dort steil hinab in die Schlucht des Mascún. Hunderte von Kletterern erproben ihr Können an den steilen Felswänden und schwindelerregenden Überhängen.

Blick auf Alquézar
Turespaña; Foto: Stelian Frentiu

Für Wanderer lohnt sich der Weg durch die Schlucht allemal, wartet hier nicht nur ein historischer Dolmen, sondern auch die beiden inmitten der Einsamkeit liegenden verlassenen Dörfchen Nasarre und Otín, von denen aus die 3000er Gipfel der Pyrenäen fast zum Greifen nah am Horizont zu erblicken sind. Auf dem Weg durch die spektakuläre Felsenwelt werden die Wanderer immer begleitet von den zahlreichen Raubvögeln, die in den Felswänden nisten.

Wandern durch die Mascún Schlucht
Turespaña, Foto: Stelian Frentiu

Faszinierende Ausflüge und Kurzwanderungen führen für Kulturinteressierte darüber hinaus in der Schluchtenwelt zu prähistorischen Felsenmalereien, die man in versteckten Einbuchtungen und unter schützenden Felsendächern entdecken kann. Oberhalb dem kleinen Ort Lecina liegt ein Teil dieser beeindruckenden Zeugnisse unserer Vorfahren an den steilen Wänden der Rio Vero-Schlucht, die man auf verschlungenen Pfaden oberhalb der eindrucksvollen Canyons in schwindelerregender Höhe erreicht. 

Colungo - Höhle Tozal de Mallata - Felszeichnungen
Turespaña

Die Schluchtenwelt der Sierra de Guara nahe der Provinzhauptstadt Huesca ist nur der südlichste Teil des UNESCO-Geoparks Sobrarbe Pirineos. Von den Schluchten hier bis zu den höchsten Gipfeln der Pyrenäen im Ordesa Monte Perdido Nationalpark und dem, den Aneto als mit 3.404 m höchsten Gipfel umschließenden Naturpark Posets-Maladeta erschließt sich hier ein gewaltiges Stück Erdgeschichte, das sich sowohl zu Fuß beim Wandern als auch per Mountainbike auf speziell ausgezeichneten Geo-Routen entdecken lässt. Alles Wissenswerte über den gesamten Geopark Sobrarbe-Pirineos findet man im Informationszentrum auf dem Platz der ehemaligen Festung in Ainsa.

Einsame Dörfer und grandiose Landschaften im Geopark Sobrarbe-Pirineos
Turespaña; Foto: Stelian Frentiu

Zur Bärenbeobachtung nach Asturien

Von den Pyrenäen reisen wir ans Kantabrische Meer über die Picos de Europa ins Hinterland von Asturien. Dieses Naturparadies im Grünen Spanien beherbergt eine große Anzahl an geschützten Gebieten.

Eines davon ist das Biosphärenreservat Muniellos – Fuentes de Narcea, ein Waldkomplex, der als wichtigster, vielfältigster und hinsichtlich seiner Fauna reichster des gesamten Kantabrischen Raumes gilt. Berühmt ist das Waldgebiet vor allem dafür, dass es den größten Anteil an den sogenannten Trauben- oder auch Wintereichen des westlichen Europa besitzt. Neben großartigen Eichenhainen beherbergt die Region aber auch andere Arten von Laub- und Atlantikgebirgswäldern wie Buchen, Birken oder Stechpalmen, um nur einige zu nennen. Naturfreunden, denen in der Stille und Weite von unendlich scheinenden Wäldern das Herz aufgeht, sind in diesem Teil Asturiens am richtigen Fleck.

Turespaña

Neben dem Waldreichtum und der artenreichen Flora ist das Gebiet Heimat einer der größten Populationen der Kantabrischen Braunbären, des Auerhahns und Wolfs. Auch sind hier in diesem westlichsten Zipfel des Kantabrischen Gebirges zahlreiche Gämsen heimisch. Ein unvergessliches Erlebnis in dieser dichten Waldregion ist es daher mit einem Bärenexperten aufzubrechen und mit etwas Glück einen der kantabrischen Braunbären beobachten zu können

Kantabrischer Braunbär; Fuentes de Narcea, Asturien
Turismo Asturias

Dieses Glück ist uns gleich an einem der ersten Nachmittage unserer Reise hold. Von Tablado, einem der zahlreichen kleinen Dörfer der einsamen Region begeben wir uns auf die Spuren der Bären und unser Führer zeigt uns Stellen, wo etwa an Bäumen durch den Abrieb ein Stück der Rinde fehlt. An anderer Stelle deutet er auf den Boden. Dort hat wohl einer der braunen Gesellen nach Ameisen gewühlt.

Suche nach Bärenspuren an einem Baumstamm
Turespaña; Foto: Carmen Frentiu

Der Frühling und Herbst sind die besten Jahreszeiten dafür, dass die Bären das Dickicht der geschützten Wälder und ihre Höhlen verlassen, um wie jetzt am späten Nachmittag zur Futtersuche auf die Bergwiesen zu kommen. Wir sind noch nicht lange an unserem Beobachtungsplatz, als unser Führer, der bereits sein Fernrohr auf dem Stativ aufgebaut und eine Zeitlang den gegenüberliegenden Berghang intensiv betrachtet hat, uns herbeiwinkt. Und tatsächlich macht sich dort drüben einer der von hier aus  putzig aussehenden Bärengesellen an den Büschen zu schaffen, um die Beeren zu pflücken. Dabei lässt er sich so ausgiebig Zeit und wir alle können unsere Freude kaum in Zaun halten darüber, dass wir so schnell das Glück hatten, einen Kantabrischen Braunbären, den Oso Pardo in freier Wildbahn zu sehen.

Bärenbeobachtung in Asturien
Turismo Asturias

Hier in diesem abgeschiedenen Naturschutzgebiet haben sich auch traditionelle Handwerksarten, wie das Cunqueiro, jahrhundertealte Holzschnitzkunst, oder die Herstellung der Ceramica Negra, Schwarze Keramik, erhalten und die Kunsthandwerker in den nur noch wenige Einwohner fassenden Dörfern lassen gerne die Besucher zusehen, wie die Arbeiten entstehen. Wer hierher kommt, kann gewiss sein, dass er als Gast tief eintauchen darf in die Welt der Natur und das Leben der Menschen vor Ort.

Infos: Naturpark Fuentes del Narcea Degaña e Ibias; Naturpark Fuentes del Narcea e Ibias (Spain.info)Biosphärenreservat von Muniellos; Fuentes del Narcea Tourism.

Die Herstellung der "Ceramica Negra" in Asturien
Turismo Asturias

Dem Ruf des Waldes folgen in Jaén

So manchen Tierfreund, der im Frühling den Spuren der Kantabrischen Bären folgt, zieht es vielleicht im Herbst nach Andalusien zu einem anderen Naturspektakel. In Jaén, der andalusischen Provinz, die vornehmlich für ihre Millionen von Olivenbäumen und ihr exzellentes Olivenöl sowie die schönsten Renaissancestädtchen Spaniens bekannt ist, liegt eines der waldreichsten Gebiete des spanischen Südens mit dem von der UNESCO deklarierten, fast 200.000 ha umfassenden Biosphärenreservat der Sierras de Cazorla, Segura y las Villas.

Das größte der Naturschutzgebiete Spaniens im Nordwesten der Provinz bietet eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt mit vielen autochthonen Arten wie etwa dem jetzt zu bewundernden Cazorla-Veilchen, der Laricio-Pinie oder auch der Valverde-Eidechse. Mit Gipfeln von mehr als 2.000 Metern Höhe, großartigen dichten, duftenden Pinienwäldern, mediterranen Wäldern mit Macchien, aber auch Laubwäldern aus Eiben, Bergeichen und Ahorn stellt die Region zweifelsohne eines der faszinierendsten Waldgebiete Europas dar.

Naturpark Sierras de Cazorla, Segura y Las Villas
Turespaña

Hierher, wo die Lebensader Andalusiens, der Guadalquivir entspringt, lockt im Herbst der „Ruf des Waldes“ die Naturfreunde zur Hirschbrunft. Über die zahlreichen Höhenzüge, wie den Nava del Espino und Nava de San Pedro geht es im Jeep durch Pinienwälder hinauf bis zum Poyo Manquillo, wo bei klarem Wetter die Blicke bis zur Sierra Nevada reichen. Besonders schön ist es hier oben am späten Nachmittag, wenn die Sonne sich senkt und nur die Ruhe und die Laute der Natur uns umgeben. Atemlose Stille und Gänsehaut, wenn dann das laute Röhren von mehreren Stellen aus den Wäldern rings unter uns ertönt.

Lauschen und Schauen im Naturpark Sierras de Cazorla, Segura y Las Villas
Turespaña; Foto: Carmen Frentiu

Ganz anders zeigt sich die Landschaft wieder unten im Tal, wo knorrige Steineichen, bizarre Felsformationen und Wasserläufe den Weg säumen. Hinein geht es dort etwa in die enge Schlucht des Barranco del Guadalentin oder auf den abenteuerlich am Fels entlang laufenden Steigs auf der Route der Cerrada de Elías in der Schlucht des Río Borosa.

Wandern in der Schlucht der Cerrada de Elías; Jaén
Diputación Provincial de Jaèn

An den Ufern des langgezogenen Stausees Pantano del Tranco wartet die Route von Félix Rodriguez, einem der bekanntesten Tierfilmer des Landes, mit zahlreichen Aussichtspunkten und Tierbeobachtungsstationen zum Verharren, Lauschen und Schauen. Ein beeindruckendes Erlebnis erwartet uns mit einer Bootsfahrt auf dem Stausee am Abend, wenn die Rehe zum Trinken ans Ufer kommen und das Röhren der liebestollen Hirsche immer lauter zu werden scheint.

Eine stille Landschaft am Stausee Pantano del Tranco
Turespaña; Foto: Carmen Frentiu

Es sind unvergessliche kleine und große Glücksmomente, die einem die Natur hier beschert. Und selbst, wenn man bis zum Schluss keinen der stolzen Hirsche zu Gesicht bekommt oder vielleicht nur einen Blick auf eines der Tiere in der Ferne zwischen den dicht stehenden Bäumen erhascht, ihr lautes Röhren von allen Seiten weit über den stillen Wald zu erlauschen ist ein Erlebnis, das sich tief ins Gedächtnis einprägt.

Informationen: Naturpark Sierra de Cazorla, Segura y las Villas Tourism; Natupark Sierra de Cazorla, Segura y las Villas (Spain.info); Junta de Andalucía.

Hirschbeobachtung in der Sierra de Cazorla
Diputación Provincial de Jaén

Gastronomie, Traditionen und einsame Strände am Ebro-Delta

Von den Schluchten und Bergen Aragóns und den faszinierenden Begegnungen mit der Fauna in den Wäldern Asturiens und Andalusiens führt uns der letzte Teil unserer Reise an die Mittelmeerküste nach Katalonien.

Soweit das Auge reicht erstreckt sich hier ein Meer von Reisfeldern im Mündungsdelta des Ebro. 910 km durchfließt der zweitgrößte Fluss Spaniens das Land von seiner Quelle im Kantabrischen Gebirge aus, ehe er in einem riesigen Delta von 320 qkm ins Mittelmeer mündet.

Dieses zweitgrößte Feuchtgebiet des Landes nach dem andalusischen Nationalpark Coto de Doñana ist eine faszinierende Landschaft, die im Lauf der Jahreszeiten ihr Gesicht verändert.

Reisfelder im Ebro-Delta
Turespaña; Foto: Stelian Frentiu

Vor allem in den Sommermonaten, wenn die Reisfelder sich als grüne wogende Teppiche präsentieren, zieht es zahlreiche Menschen an die herrlich weiten geschützten Dünenstrände des Deltas. Aufgrund der wenigen ruhigen Siedlungen, von denen der Hauptort Deltebre trotz seiner rund 10.000 Einwohner fast verschlafen wirkt, sind selbst im Hochsommer diese Strände nie überlaufen. Stundenlange Strandspaziergänge sind hier möglich.

Die Nachmittage und Abende lassen sich abschließen an den vielen Vogelbeobachtungspunkten. Während des gesamten Jahres kommen Ornithologen hier voll auf ihre Kosten mit mehr als 340 vorkommenden Vogelarten. Aber auch Hobby-Beobachter haben ihre Freude an den Tausenden von Flamingos oder der riesigen Möwen- und Seeschwalbenpopulation, den zahlreichen Stelzvögeln, Enten, Kormoranen oder Reihern.

Llacuna del Garxal. Ebro-Delta
Patronat de Turisme Terres de l'Ebre

Die ebenen und weiten Landschaften des Deltas mit seinen Salzgärten, Lagunen, Inseln und Halbinseln, Kanälen und dem Ebro selbst lassen sich am besten mit dem Fahrrad erkunden. Nicht versäumen sollte man, sich zu Beginn des Besuchs im hochinteressanten Eco-Museum in Deltebre über die Natur, Flora, Fauna und die jahrhundertealten Traditionen der Menschen zu informieren. Nicht von ungefähr wurde die Gegend aufgrund ihres Engagements als nachhaltiges Reiseziel von der Europäischen Kommission als „European Destination of Excellence“ ausgezeichnet.

Das Ebro-Delta lässt sich am besten per Fahrrad erkunden
Patronat de Turisme Terres de l'Ebre

Spaß haben nicht nur Kinder bei einer Bootsfahrt durch die mit mannshohen Schilf und Röhricht bewachsenen Kanäle und Lagunen. Am schönsten und ausgesprochen unterhaltsam ist, wenn man dabei den Kahn selbst stakend durch die Kanäle steuert. Allerdings heißt es still zu werden, wenn man auch den ein oder anderen Wasservogel beobachten will. Perxar, so heißt hier in Katalonien die Aktivität des Stakens.

Eine Bootsfahrt durch die Kanäle des Ebro-Deltas
Patronat de Turisme Terres de l'Ebre

Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch auf einer der Fincas an den herrlichen Lagunen, um einen tieferen Einblick in die Traditionen und den Alltag der Menschen im Delta zu gewinnen. Wer will kann Interessantes lernen. So erlebt man den kleinen Kurs zum Reisanbau und macht die faszinierende Erfahrung inmitten eines dieser weiten Reisfelder zu stehen.

Reisfelder im Ebro-Delta
Turespaña

Oder wie wäre es mit einem Besuch in den Salzgärten und oder eine der traditionellen Fischerei-Arten einmal selbst auszuprobieren. Mit diesem Wissen im Hintergrund wird dann das typische Mittag- oder Abendessen mit den lokalen Spezialitäten zum besonderen Genuss.

Ein Urlaub im Ebro Delta ist niemals nur Sonne und Strand inmitten einer herrlichen, unvergleichlichen Landschaft. Er wird erst richtig zum Erlebnis mit dem Eintauchen in eine einmalige Landschaft voller Naturerlebnisse und Traditionen.

Mehr Informationen: Naturpark Delta de l'Ebre; Terres de l'Ebre Tourism; Delta de l'Ebre Ecotourism.

Traditioneller Fischfang im Ebro-Delta
Turespaña