Almonte

Neues aus Spanien

Turismo de Andalucía

Juli-August 2022

Die Freilassung der Stuten von Almonte

Die Freilassung der Stuten oder „Saca de las Yeguas“ stellt eine der touristischen Attraktionen des kleinen Ortes Almonte in der Provinz Huleva dar. Das traditionsreiche Ritual bietet den Besuchern jedes Jahr ein einzigartiges Spektakel, bei dem mehr als tausend Stuten und Fohlen durch die Sümpfe von Doñana stürmen. In dieser weltweit einzigartigen Umgebung grasen die Pferde in einem halbwilden Zustand, bis sie immer am 26. Juni zusammengetrieben werden, um in die Zivilisation zurückzukehren.

Andalusien
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Doñana

Die Saca de las Yeguas beginnt im Inneren der Doñana-Sümpfe. Dieses ökologische Kleinod im Süden Europa markiert die letzte Grenze von Halbfreiheit, bevor die Stuten  ins Stadtzentrum getrieben werden. Das uralte Ritual findet stets im Vorfeld der Messe von San Pedro stattfindet. Die Yeguerizos genannten Viehtreiber dringen auf die Weiden der Gutshöfe von Marismillas, Las Nuevas, Matochal, Rincón del Pescador, La Vera, La Rocina, Marisma Gallega und Playas del Rocío ein, durchkämmen jeden Zentimeter Land und zeigen ihre enorme Geschicklichkeit beim Zusammentreiben des Viehs und dem Zusammenstellen von kleinen Herden. Am nächsten Morgen dann werden die Stuten und ihre Fohlen nach Almonte gebracht.

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Das Heiligtum der Ntra. Sra. del Rocío

Die Saca de las Yeguas bezeugt die ethnologischen Eigenheit von Almonte. Den Betrachter erfüllt der Galopp tausender Tiere über die Sümpfe mit Erhabenheit, zumal der Nationale Verband der Marismeño-Rinderzüchter im Jahr 1997 beschloss, vor dem Heiligtum der Jungfrau von El Rocío vorbeizuziehen, um dort der Schutzpatronin von Almonte zu huldigen. Seitdem ist die ikonografische Verbindung mit dem Heiligtum verschmolzen und jedes Jahr strömen am 26. Juni Tausende von Besuchern in den Ort Dorf, um diese Wallfahrt mitzuerleben und mit ihren Kameras zu verewigen.

Der Weg der Los Llanos

Auf dem  15 Kilometer langen Sandweg „Camino de los Llanos“ zwischen Almonte und dem Dorf El Rocío setzen die Stuten ihren Wege in die Zivilisation fort. In der Staubwolke, die durch das Traben der Stuten und ihrer Fohlen aufgewirbelt wird, lässt sich die ansprechende Silhouette der Tiere erkennen, die eine neue Umgebung besiedeln und sich gleichzeitig von den Sümpfen entfernen, in denen sie geboren und aufgezogen wurden. Nach der Hälfte der Strecke machen die Pferde eine wohlverdiente Pause. Während dieser Ruhezeit werden die Stuten voneinander getrennt und bilden eine mehr oder weniger homogene Gruppe, die dann schließlich in Almonte einzieht.

Almonte

Am Ortseingang von Almonte vermischt sich die Schönheit der Natur mit der Stadtlandschaft. Der Ablauf  der  Prozession durch die Straßen spiegelt das Wesen dieser uralten Tradition wider. Einheimische und Besucher bevölkern die Bürgersteige und Balkone, um die Straßen für die Tiere freizugeben, die im anmutigen Trab die Straßen erobern und zu Herren und Meister des Asphalts werden.

 

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Doñana

Auf dem Weg zum Pferch paradieren die Fohlen vor dem Denkmal der "Saca de las Yeguas" am Ende des Parque del Chaparral, wo früher die Viehmesse stattfand. Das aus Bronze gefertigte Denkmal ist das Werk des Künstlers Moreno Cutando. Daneben befindet sich das Denkmal der Jungfrau Maria "Selige Erscheinung". El Rocío wäre ohne diese Verbindung mit der Welt der Pferde nicht in seiner Gesamtheit zu verstehen.

Der Pferch

Zwar hat die Tradition der Saca de las Yeguas im Verlauf der Zeit Veränderungen erfahren, doch werden die Tiere schon seit mehr als drei Jahrzehnten in das Viehgehege beim Rathaus von Almonte gebracht, wo die Stutenzüchter die sogenannte "Tuza"-Arbeit verrichten. Durch das Schneiden und Striegeln der Mähnen verlieren die Stuten und Fohlen ihre Wildheit, eine Maßnahme, die auch der Gesundheit der Tiere dient. Das Schwanzhaar wird in Form eines Besens geschnitten, wobei der obere Teil gestutzt wird, um die Abdeckung zu erleichtern. Die Spitze des Pferdeschwanzes wird in Höhe der Hufe abgeschnitten; bei den jüngsten Tieren hingegen wird er komplett abrasiert.

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Überzählige Tiere, die nicht in die Sümpfe zurückgebracht werden können, werden im Vorfeld der "Fiesta de San Pedro" zum Verkauf angeboten. Früher mussten die Pferde, die in der Gemeinde ankamen, in den Bodegas oder in den Häusern der Stadt untergebracht werden. Es wurde eine Matte auf den Boden gelegt, damit die Pferde nicht die Bodenplatten zerbrachen und in die Höfe der Häuser liefen. Da es keinen Stall gab, um das Tier ruhig zu halten, wurden die Pferde zu Boden geworfen, um sie brandmarken zu können und ihnen die Mähne zu schneiden. Dieser Brauch weist Parallelen zur "Rapada de las Bestias" auf, einer Tradition, die in der galicischen Gemeinde La Estrada, mit der Almonte vor Jahren eine Partnerschaft einging, gepflegt wird. In den nördlichen Regionen stürzen sich die Reiter auf die Pferde, um ihnen durch das Kürzen der Mähne das Symbol ihrer Wildheit und Ungezähmtheit zu nehmen, was gleichzeitig für die körperliche Überlegenheit des Menschen steht, mit dem er dem Tier die Zeichen der Freiheit nimmt.

Turismo de Almonte (auf Spanisch)