Menorca - Eine Herbstreise für Genießer
Das Naturparadies und Biosphärenreservat Menorca ist Gastronomieregion Europas 2022 und verspricht ein Genuss für alle Sinne.
Türkisfarben schimmernd liegt die herrliche kleine Bucht zu unseren Füßen. Sanft schaukeln Boote auf dem Wasser. Es riecht nach Meer und Pinien. Fröhliche Stimmen von den Badegästen auf dem hellen feinen Sand dringen zu uns hinauf. Wir befinden uns oberhalb der Cala de Macarelleta, einer Erweiterung der ebenso schönen, aber etwas größeren Cala de Macarella, auf dem wohl berühmtesten Wanderweg Menorcas, dem „Pferdeweg“ oder „Camí de Cavalls“.

Es ist DER Weg, um Menorca in all seinen Facetten zu entdecken. Ein Weg, der die Geschichte der Insel abbildet, die herrlichen Naturlandschaften des Biosphärenreservats druchstreift, die von wilden Steilküsten mit einsamen Leuchttürmen über Feuchtgebiete mit Schilf und hölzernen Stegen, einsamen Schluchten mit dichter Vegetation und riesigen Höhlensystemen, sattgrünen Weiden und Wäldern bis zu traumhaften Buchten und langen von Dünen begrenzten Sandstränden reichen.

Und es ist ein Weg, der nicht zuletzt vom eisernen Willen der Menorquiner zeugt, die es in jahrelangem Kampf endlich erreichten, dass dieser jahrhundertealte Camí heute als Fernwanderweg GR223 wieder frei zugänglich für jeden ist. Er umrundet auf 185 Kilometern und in 20 Etappen das gesamte Eiland und macht dabei bekannt mit den ursprünglich gebliebenen Fischer- und Küstenorten, hübschen Städtchen wie Mercadal, Ciutadella oder der Hauptstadt Mahón und megalithischen Bauten und Plätzen aus der uralten Geschichte dieser Baleareninsel.

Wohl zurückgehend auf König Jaime II, der bereits im 14. Jahrhundert seinen Rittern die Küstenpatrouillen anordnete, um die Insel zu schützen, erhob ihn im 18. Jahrhundert der britische Gouverneur Richard Kane zum „königlichen Weg“, genauso wie einige Jahre später der französische Gouverneur Conde de Lannion seinen Ausbau anordnete. Seit Ende 2000 schließlich gibt es nach jahrelangen Forderungen der Menschen auf Menorca ein offizielles Gesetz des Camí de Cavalls, das diesen außerordentlichen Wanderweg tatsächlich für jedermann frei und kostenlos nutzbar machte.

Europäische Gastronomieregion 2022
Die wechselvolle Geschichte der Insel, ihre stolzen einfachen Bewohner und die Pflege der traumhaften, sauberen Natur- und Kulturlandschaften stehen auch für die Entwicklung der eigenständigen Gastronomie, die im Jahr 2022 international in den Fokus rückt, ist die Insel doch Europas Gastronomieregion dieses Jahres. Grund genug vielleicht für eine Aktiv- und Gastronomiereise im nahen Herbst auf die wunderbare Baleareninsel, die oft als die kleine und vielen noch immer unbekannte Schwester Mallorcas bezeichnet wird.
Gastronomierouten für jeden Geschmack
Als Inselvolk, umgeben von Wasser und jahrhundertelang darauf angewiesen, ihre eigenen Produkte zu erzeugen und die gastronomischen Kreationen von Generation auf Generation zu überliefern und stetig weiterzuentwickeln, hat sich auf Menorca eine sehr eigenständige, typische Küche entwickelt. In den letzten Jahrzehnten mit avantgardistischem Einschlag und raffinierter Verfeinerung, waren und sind die menorquinischen Köche aber stets darauf bedacht, die Traditionen zu wahren und die inseltypischen Produkte zu nutzen. Die Besucher der Insel können diese Küche heute nicht nur auf den Märkten und in den Restaurants, sondern auf verschiedenen Routen kennenlernen und probieren.

Bekannt über die Landesgrenzen: Der Käse aus Mahón
Das berühmteste Produkt Menorcas ist vielleicht der Mahón-Käse. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die Käseherstellung auf Menorca bis 2000 v. Chr. zurückgehen könnte. Streift man auf der Käseroute durch die Landschaften des Küstenhinterlandes kommt man unweigerlich an den vielen sattgrünen Weiden vorbei, auf denen die einheimischen schwarz-weißen Kühe weiden.

Auf den verstreut liegenden Bauernhöfen, den „Llocs“ wird der intensiv schmeckende Käse bis heute nach traditionellen Verfahren hergestellt. Man erhält ihn als „tierno“ (mild), semicurado (halbgereift) oder vollreif als curado. Besonders viel Spaß macht es, ihn an den Ständen auf den kleinen Dorfmärkten, wie auf der Plaza des malerischen Fischerdorf Fornells zu probieren und als nachhaltiges Souvenir und für den Genuss zu Hause mitzunehmen.

Die Getränkekarte Menorcas
Was passt besser zum Käse als ein Glas Wein? Auch darin hat die Insel eine lange Tradition. Wohl schon im 13. Jahrhundert wurde auf Menorca Wein erzeugt. Nach einer Glanzphase im 18. Jahrhundert und dem Aus im 19. Jahrhundert aufgrund der Reblaus, wurde in den vergangenen Jahrzehnten der Weinanbau erneut gefördert. Seit 2002 besitzen die Weine Menorcas ein geschütztes Gütesiegel „Vi de la Terra Illa de Menorca“ und die Weingüter, die man auf der Weinroute besuchen kann, produzieren sowohl beachtliche fruchtig schmeckende Rotweine als auch Weißweine.
Einen Besuch abstatten sollte man aber auch einmal einer der traditionsreichen Gin-Destillationsanlagen aus Kupfer, etwa im Hafen von Mahón, wo noch immer der Gin, der auf die britische Besatzung Menorcas zurückgeht, auf traditionelle Weise über Holzfeuer hergestellt wird. Und zum Abschluss vielleicht an einem heißen Tag eine erfrischende „Pomada“ oder „Gin amb limonada“ mit Zitronenlimonade genießen.
Womit unsere Reise durch die Getränkekarte Menorcas noch nicht beendet ist. Denn auch das vor allem in Ciutadella und Sant Climent in kleinen Familienbrauereien aus Getreide, Hopfen und Hefe gebraute Menorca-Bier ist eine Kostprobe wert. Vor allem zusammen mit einem deftigen Snack, etwa einer Empanada oder mit einer der typischen menorquinischen Wurstsorten, wie der Sobrasada oder der „cam i xulla“ (Fleisch und Speck) mundet es hervorragend.

So ein Stück Wurstspezialität schmeckt besonders gut auf dem typischen, vielleicht für den Besucher auch erstaunlichsten Produkt der Insel, dem herrlichen Weichweizenbrot. Hergestellt wird dieses ausgesprochen schmackhafte und gut verträgliche Brot aus einer der ältesten und am wenigsten durch Züchtung veränderten Weizensorte, einem einheimischen Getreide aus dem Neolithikum, das, wie Forscher vermuten, bereits von den Phöniziern nach Menorca gebracht wurde.
Ein Tipp für’s Inselfrühstück ist ein Stück dieses Brotes bestrichen mit dem inseleigenen Honig zu kosten, von dem bereits der römische Schriftsteller Plinius behauptet haben soll, dass es sich um den zweitbesten Honig der Welt handele. Der Honig findet auch selbst in typischen Inselrezepten mit Gemüse Verwendung, so etwa bei den köstlichen Auberginen mit Honig.
Die Früchte der Gärten im Inselinneren
Gemüse, Obst, Olivenöl, es gibt eigentlich kaum eine gastronomische Köstlichkeit, die die Einwohner der Insel nicht selbst produzieren. Beim Wandern beispielsweise haben wir uns nicht selten gerne eine der köstlichen, leicht sauren, aber überaus saftigen Mispeln schmecken lassen. Eine flüssigkeitsreiche und gesunde Erfrischung an warmen Tagen, die man auf den Märkten findet. Und im wunderbaren Gemüsegarten von Ágeta fallen uns die kleinen Landschildkröten auf, die hier auf Menorca ganz unbehelligt und frei ihr Dasein genießen. Ein echtes Naturparadies eben!

Die Gaben des Mittelmeeres
Was liegt gastronomisch auf einem vom Mittelmeer umgebenen Inselparadies näher als auf die Gaben dieses Meeres, die Fische und Meeresfrüchte als traditionelles Grundnahrungsmittel, das in den Rezepten der menorquinischen Küche in den letzten Jahrzehnten verfeinert wurde, zurückzugreifen. Berühmt ist vor allem der Langusteneintopf, die „caldereta de langosta“, die man natürlich auf der speziellen Route durch die maritime Gastronomie kosten sollte, auf der auch der Besuch des ein oder anderen Fischmarktes nicht fehlt.

Neben dem Fisch kommen aber auch Fleischliebhaber auf Menorca auf ihre Kosten. Wer die Insel besucht, dem wird neben den bereits erwähnten schwarz-weißen Milchkühen auch das rot-braune Vermella-Rind auffallen, eine Rinderrasse, die mindestens seit dem 10. Jahrhundert auf Menorca heimisch ist und von Wissenschaftlern als autochthon eingestuft wird.
Menorca ist tatsächlich mit allen Sinnen zu genießen und wer die Insel in diesem Jahr zum Genussziel erwählt, dem bieten sich das ganze Jahr über nicht nur die speziellen gastronomischen Routen, sondern auch zahlreiche Veranstaltungen mit Verköstigungen und gastronomischem Hintergrund.
https://menorcaregiongastronomica.com/en/events/
Informationen zu Menorca, den Wanderrouten, wie dem Camí de Cavalls (http://www.camidecavalls.com/portal.aspx?IDIOMA=4 ) oder Gastronomierouten unter: https://menorca.es/Contingut.aspx?IDIOMA=4&IdPub=9679 sowie unter https://www.spain.info/de/region/menorca-insel/.