Die Pyrenäen Aragoniens im Sommer

Neues aus Spanien

Stelian Frentiu

Juni 2022

Spaniens Bergwelt im Sommer

Ein Eldorado für Naturliebhaber und Aktivtouristen

Sommerurlaub in Spanien. Da kommen den meisten die zahlreichen Strände am Mittelmeer, Kantabrischen Meer und Atlantik in den Sinn. Will heißen Sonne tanken, Wassersport betreiben und einfach nur Relaxen. Den wenigsten ist bekannt, dass das Sonnenland im Süden Europas gleich hinter der Schweiz zu den gebirgigsten Ländern unseres Kontinents zählt.

Die Hoch- und Mittelgebirgslandschaften ziehen sich über ganz Spanien hinweg, von Nord nach Süd und von West nach Ost. Die international bekanntesten Gebirgszüge – sowohl für Wintersport als auch für den Aktivtourismus im Sommer – sind neben der Sierra Nevada in Andalusien, vor allem die Pyrenäen, die sich im Norden des Landes zwischen dem Mittelmeer und dem Golf von Biskaya erstrecken. (https://www.spain.info/de/spanien-entdecken/pyrenaen/). Die spanische Seite der Pyrenäen, die „Sonnenseite“ dieses sowohl zu Frankreich als auch Spanien gehörenden Gebirges, umfasst die Autonomiegemeinschaften Navarra, Aragonien und Katalonien und läuft über das Baskenland nahe Irun aus. 

In Aragonien befinden sich die höchsten Gipfel des Bergmassivs, die Zentralpyrenäen im Naturpark Posets-Maladeta mit dem Aneto (3.404 m), und dem Posets (3.375 m). Hier regiert die Natur, das Wasser und die Felsen, die Wälder und Täler, riesige Steilhänge, auf denen Gämsen heimisch sind, gewaltige Granit- und Kalksteinformationen, schroffe Schluchten, Steilwände, kahle Berghänge, aber auch üppig bewachsene Bergwiesen, die im Sommer in allen Farben erstrahlen. In den hoch gelegenen Regionen finden sich schroffe gigantische Felsformationen und klare Bergseen. In den unteren Landstrichen dominieren Felder und Wiesen sowie ein reicher Baumbestand mit großen Buchen-, Tannen- und Kiefernwäldern und ausgedehnten Weiden. (https://www.spain.info/de/natur/naturpark-posets-maladeta/). 

Hier finden sich die höchsten Berge der Pyrenäen: Naturpark Posets-Maladeta
Stelian Frentiu

Besonders bekannt sind die zwei großen von der UNESCO als Naturerbe der Menschheit deklarierten Nationalparks. Der Nationalpark Ordesa y Monte Perdido in Aragonien mit seinen zahlreichen, steilaufragenden Gipfeln, dem legendären 3.000er Monte Perdido und seinen gewaltigen Schluchten wie dem Canyon de Añisclo mit senkrecht abfallenden Felswänden, zahlreichen Wasserfällen und herrlichen Wäldern, durch die gut ausgezeichnete Wanderwege hinaufführen in die schroffe und karge Bergwelt. Ausgangspunkt für Wanderungen in den Nationalpark ist das Bergdorf Torla, hinter dem dramatisch die senkrechten Wände der Berge von Ordesa aufragen. (https://www.spain.info/de/natur/nationalpark-ordesa-y-monte-perdido/).

Im Nationalpark Ordesa y Monte Perdido
C. Frentiu/Turespa

In den katalanischen Pyrenäen liegt der Nationalpark Äiguestortes i Estany de Sant Maurici mit zahlreichen Bergseen und Wasserfällen, sanften Hängen und Tälern, die einen reizvollen Kontrast bilden zu den gewaltigen Felsmassiven, die auch hier bis zu 3.000 m aufragen. Wanderungen durch diese beiden Nationalparks und Aufstiege zu den höchsten Gipfeln des Massivs gehören zu den beliebtesten Sommeraktivitäten in den Pyrenäen. 

Ein Schatz der Berge: Das Kulturerbe der Romanik

Hierbei lockt nicht nur die unverdorbene Natur, sondern auch die hübschen Bergdörfer und Gemeinden, von denen bereits ein Teil verlassen war und nun insbesondere für und von den Sommerfrischlern wiederbelebt wird. Nicht zu vergessen die Kulturschätze der Romanik, die viele der Bergdörfer bergen, wie die von der UNESCO als Kulturerbe ausgezeichneten romanischen Kirchen des Boí-Tals in Katalonien. (https://www.spain.info/de/natur/nationalpark-aiguestortes/).

Romanik im Val de Boí- Kirche Santa María de la Asunción (Coll)
Turespana

Fernwandern in den Pyrenäen

Einer der schönsten Fernwanderwege durch die Pyrenäen ist der GR-11, eine Route, die sich vom Cap de Higuer im baskischen Golf von Biskaya bis zum Cap de Creus an der Costa Brava am Mittelmeer über 800 km in 47 Etappen über die gesamte Gebirgsgruppe zieht. Längs des Weges liegen ausreichend Berghütten, in denen man übernachten und essen kann, sofern man nicht vorzieht in einem der zahlreichen kleinen Hotels, Pensionen oder Campingplätze am Weg Halt zu machen.

Zahlreiche Hütten empfangen die Wanderer in den Pyrenäen
Stelian Frentiu

Andere wichtige Fernwanderwege sind der GR-65 und der GR-65.3, die sich, dem Pilgerweg nach Santiago folgend, durch die Pyrenäen ziehen. Ersterer über den Ibaneta-Pass in Navarra, der zweite über den Somport-Pass in Aragonien.

Durch einen Teil der katalanischen Pyrenäen bis nach Frankreich führt die historisch interessante Route des Camí dels Bons Homs (GR 107) zwischen der Burg von Montsegur in Frankreich und dem Kloster von Queralt in Berga. Sie folgt auf diesen fast 200 km einem Weg, den die Kartharer im 12. und 13. Jahrhundert nahmen, um der Verfolgung von Seiten der Katholischen Kirche und der französischen Krone zu entgehen. Sie waren Bewohner von Okzitanien und Anhänger einer christlichen Religion, die sich vor allem auf den Humanismus und die Liebe zur Natur stützte. Sie lehnten das Alte Testament, die Katholische Kirche und vor allem das damalige Feudalsystem ab. Als im Jahr 1244 die Burg von Montsegur, ihr letzter Stützpunkt fiel, flohen sie über die französische Region Ariège in die katalanischen Gebiete von Cerdanya und Berguedà, wo sie bei reichen katalanischen Adelsfamilien aufgenommen wurden. (https://www.camidelsbonshomes.com/travessa/els-catars.htm). Diese Route wie auch der GR11 eignet sich auch für Mountainbiker.

Gósol am Camí dels Bons Homs (GR 107)
Turespana

Ebenfalls in Katalonien verläuft im Gebiet des Äiguestortes Nationalparks die Mehrtagesroute der Carros del Foc (Feuerwagen). Diese im Hochgebirge liegende Route von 65 km, die normalerweise an 5-7 Tagen zu schaffen sind, verbindet neun Berghütten in einer sehr reizvollen Landschaft mit zahlreichen Bergseen. Der höchste Punkt liegt auf 2.745 m, die durchschnittliche Höhe der Route beträgt 2.400 m. (https://www.carrosdefoc.com/en/).

Im Aigüestortes Nationalpark
Stelian Frentiu

Wer ursprüngliches Dorfleben, seine Kultur und Traditionen mit dem Naturerlebnis in den Bergen verbinden möchte, dem sei der Camin Reiau im Val d’Aran empfohlen. Die Route von 150 km und insgesamt 12.000 Höhenmetern verbindet die 33 Dörfer dieses reizvollen Pyrenäentals in 8 Etappen. Die täglich durchschnittlich 15 km sind in ca. 5 bis 6 Stunden machbar, sodass immer genügend Zeit bleibt, das Dorfleben und die örtliche Gastronomie zu genießen. (https://www.caminreiau.cat/en/).  

Bergseen im Val d'Aran
Stelian Frentiu

Tiefe Schluchten und steile Felswände für Canyoning- und Kletterfans

Neben dem Wandern und dem Mountainbike sind die Pyrenäen auch ganz besonders gefragt bei Freunden des Canyoning. Hier bietet sich insbesondere der Teil Aragoniens an, dessen Anteil am Gebirge wohl die meisten tief eingeschnittenen Täler und Schluchten besitzt. 

Ein besonderes Eldorado für Canyoning-Spezialisten und solche, die es werden wollen, ist die Sierra de Guara in der Nähe der Provinzhauptstadt Huesca. Dieses durch die Erosion gekennzeichnete Kalksteingebiet besitzt mehr als siebzig Canyons mit den verschiedensten Schwierigkeitsgraden. Die gesamte 81.350 ha große Region ist als Naturpark und Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Und das Gebiet ist rund um den kleinen Ort Rodellar und den Hauptort Alquézar ein international beliebtes und geschätztes Eldorado für Kletterer. (https://www.turismodearagon.com/en/ficha/parque-natural-de-la-sierra-y-canones-de-guara/).

Klettern in der Mascún Schlucht in Rodellar (Sierra de Guara)
Stelian Frentiu

Hoch in den Lüften und in reissenden Gewässern

Mit Castejón de Sos liegt darüber hinaus einer der wichtigsten spanischen Standorte für Gleitschirmflieger in den Pyrenäen Aragoniens. Zu den für diesen Sport idealen Aufwinden, die an den bis auf 2.500 m aufragenden Berghängen auftreten, kommen die guten Zufahrtsmöglichkeiten und zwei hervorragende Landeplätze am Ufer de Ésera hinzu.

 

Gleitschirmfliegen in Castejón de Sos
Turespaña

Für Rafting-Freunde geht es an den Fluss Noguera Pallaresa in der Provinz Lleida wieder nach Katalonien, der zu einem wahren Paradies für Anhänger dieser Abenteuersportart gehört. Besonders beliebt sind die Abschnitte zwischen Llavorsí und der Collegats-Klamm. Hier geht es im Schlauchboot, Kajak oder Hydrospeed durchs Wildwasser talwärts. Im Aran-Tal kann man Wildwassersport auf dem Oberlauf der Garonne und in der Region der Alta Ribagorca auf dem Fluss Noguera Ribargorcana betreiben. Ebenfalls beliebte Rafting-Plätze bieten die Flüsse Gállego und Ésera in Aragonien. Und in Navarra schließlich konzentriert sich das Rafting im Kajak auf einen Flussabschnitt des Bidasoa.

Rafting in den Katalanischen Pyrenäen
Turespaña

Diesem Fluss folgt in Navarra auch eine zum Radweg ausgebaute ehemalige Eisenbahnstrecke zwischen Doneztebe-Santesteban und Endarlatza. Eine weitere Via Verde, die durch herrliche Landschaften führt, ist die Via Verde von Plazaola. Die Route zwischen Pamplona und dem baskischen San Sebastián führt nicht nur durch traumhaft schöne Landschaften, sondern auch durch die idyllischen, typischen Dörfer in der sanften Pyrenäen- und Vorpyrenäenlandschaft Navarras und des Baskenlandes. 

https://www.viasverdes.com/en/itineraries/itinerario.asp?id=1

 

Gebirgserlebnisse in Küstennähe: Die Picos de Europa im Grünen Spanien

Westlich der Pyrenäen lockt ein weiterer beeindruckender Gebirgszug aus Kalkstein Aktivtouristen in den Sommermonaten. Das Gebirgsmassiv der Picos de Europa erstreckt sich im Hinterland des Kantabrischen Meeres über Kantabrien, Asturien bis nach Kastilien-León. Oft nur 20 km von der Küste entfernt, bietet die Region die perfekte Kombination von Bade- und Aktivtourismus.

Der Nationalpark der Picos de Europa war der erste Nationalpark Spaniens im Jahr 1918. Heute umfasst er nahezu 70.000 Hektar und ist seit 2003 auch Biosphärenreservat der UNESCO. Urige Dörfer, Bergseen, grüne Almen und mehr als 200 Berggipfel um die 2.500 m Höhe, von denen der wohl charakteristischste der Naranjo de Bulnes, auch Pico Urriellu genannt, mit seinen fast senkrechten Wänden ist. Sie machen den Park zu einem Paradies für Wanderer, Kletterer, Höhlenerkundungen, Kajak, Rafting oder Canyoning. Abenteuertouristen finden in diesem Gebirgszug im Grünen Spanien alles, was das Herz begehrt.

 

Einem der wichtigsten Kapitel der spanischen Geschichte folgt man auf der „Route der Reconquista“ in Asturien. Dieser 60 km lange, als GR202 bekannte Weg von Sotres, dem höchstgelegenen Dorf Asturiens, bis nach Covadonga verläuft in drei Etappen auf den Spuren der maurischen Truppen nach ihrer Niederlage in Covadonga mitten durch das Herz der reizvollen Berglandschaft. www.turismoasturias.es/de/cultura/itinerarios-culturales/ruta-reconquista).

Der Lago Ercina im Nationalpark Picos de Europa
Turespaña

Wenn man dem „Berg der Berge“ in den Picos, dem Naranjo del Bulnes möglichst nahekommen möchte, kann man ebenfalls von Sotres aus bis zum Refugio de Vega Uriello am Fuss des Berges wandern. Kletterer, die die Wände des Kolosses erklimmen möchten, übernachten meist dort und starten am frühen Morgen hinauf. Die Tagestour zurück nach Sotres dagegen nimmt 9 bis 10 Stunden in Anspruch. Eine weitere, unbedingt empfehlenswerte Wandertour und wohl eine der berühmtesten Routen dieser Bergregion führt durch die Cares-Schlucht von Kastilien-León bis nach Asturien. Durch Tunnel und Höhlen, über Brücken und entlang steiler Felswände immer am Fluss Cares entlang ist die Tour ein einmaliges und spektakuläres Bergerlebnis für jeden Naturfreund.

(https://www.spain.info/de/wanderrouten/ruta-del-cares-wandern-spanien/). 

Der charakteristische Berg Naranjo de Bulnes in den Picos de Europa
Turespaña mit freundlicher Genehmigung von Shutterstock

In Kantabrien lohnt sich die Fahrt mit der Seilbahn von Fuente De in drei Minuten hinauf zur Endstation „El Cable“. Die Blicke über die Bergwelt und das oft in Wolken getauchte Tal sind einfach unbeschreiblich und allein deshalb sollte man die Fahrt mit der Bahn einmal gemacht haben. Erst mal hier oben, führt eine wunderbare Wanderung durch die schroffe Bergwelt des Zentralmassivs der Picos auf fast 2.400 m Höhe zur silbernen Kugel des kleinen Refugios Cabaña Verónica, einer Nothütte aus Metall mit nur vier Schlafplätzen.

Fuente Dé - Nationalpark Picos de Europa
Turespaña

Eine herrliche Fernwanderroute vom Meer in die Berge folgt dem Pilgerweg Camino Lebaniego. Er startet im Küstenstädtchen San Vicente de la Barquera und führt über wunderschöne Bergdörfer durch die Natur der Picos de Europa bis ins, von mächtigen Bergen umgebene Kloster Santo Toribio de Liébana.

(https://www.turismodecantabria.com/disfrutala/naturaleza).

Camaleño (Picos de Europa) Sierra und Kreuz de la Viorna
Turespaña

Gipfel am Horizont der Hauptstadt - Der Nationalpark Sierra de Guadarrama

Vom ältesten Nationalpark Spaniens geht es nun für uns in einen der jüngsten, vom grünen Norden ins Zentrum des Landes. Unweit der Hauptstadt Madrid sind besonders beim Anflug im Winter die weißen Gipfel der Sierra de Guadarrama zu sehen. Knapp 34.000 ha umfasst der gleichnamige Nationalpark, ein Gebirgszug, dessen höchster Gipfel, der Pico Peñalara, 2.428 m erreicht. Der Gipfel gehört dem gleichnamigen Massiv an, das noch weitere vier Gipfel über 2.000 Meter zählt. Der Nationalpark Sierra de Guadarrama erstreckt sich über die Autonome Region Madrid in die kastilische Provinz Segovia. Ein ideales Ziel für Naturbegeisterte, die dazu die Hauptstadt oder einige der kulturhistorisch interessantesten Städte Zentralspaniens,wie beispielsweise Segovia erkunden wollen.

Kletterfans finden in der Sierra de Guadarrama mit dem Gebiet um La Pedriza ein Eldorado nahe der Hauptstadt. Mountainbike-Routen, die zu den interessantesten Ecken des Nationalparks führen, lassen das Herz von Radfans höher schlagen. Eine Vielzahl gut ausgewiesener Wanderwege läuft durch den Nationalpark. Ein Klassiker ist die familienfreundliche Route über den Camino Schmid zu den Siete Picos (Sieben Gipfel) vom Puerto de Navacerrada aus. Gleich am ersten Gipfel dieser Tour über die sieben Picos, der nur ein wenig Kraxelei nach oben erfordert, bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die Sierra de Guadarrama und die Gipfel, die noch vor einem liegen.

Rascafría in der Sierra de Guadarrama
Turespaña

Blicke auf den höchsten Gipfel, den Pico Peñalara erhascht man dagegen auf der Wanderung durch herrlichen Kiefernwald, durch den spektakulären engen Kanal de Pulmones  und dann hinauf zum Gipfel des Cabeza de Hierro Mayor auf 2.380 m.  

In insgesamt fünf Besucherzentren gibt es Informationen zu diesen und weiteren Wanderrouten sowie sämtlichen Aktivitäten im Nationalpark, der in den Sommermonaten ein relativ trockenes Klima mit gemäßigten Temperaturen aufweist. 

www.parquenacionalsierraguadarrama.com und www.spain.info/de/natur/nationalpark-sierra-guadarrama/

Noch mehr Ideen zu Abenteuersportarten und den idealen Orten dafür in Spanien für die kommenden Sommermonate unter: https://www.spain.info/de/top/beste-abenteuer-spanien/