Jugendstil in Salamanca: die Casa Lis
Das Jugendstil- und Art-Déco-Museum in Salamanca ist im Wesentlichen ein Kunstgewerbemuseum, das eine Zeitspanne zwischen den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg abdeckt. Dieser Zeitraum von etwas mehr als sechzig Jahren zählt zweifelsohne zu den produktivsten in der Angewandten Kunst. Die meisten der im Museum ausgestellten Werke sind Gebrauchsgegenstände, die unter sorgfältigen ästhetischen Kriterien konzipiert wurden. Die Dualität als Dokument einer Epoche und eines Lebensstils erhöht noch die Bedeutung der Exponate und das Interesse an ihnen, zumal nur wenige Ausstellungsstücke aufgrund ihrer alltäglichen Verwendung die Zeit überdauert haben.

Während des gesamten 19. Jahrhunderts wurden kunstgewerbliche Objekte systematisch reproduziert; die Ausführungen zeichneten sich jedoch durch eine immer schlechterer Qualität aufgrund des Fehlens handwerklicher Fähigkeiten aus. Die neu eingeführten maschinellen Produktionssysteme gaben der Quantität Vorrang vor der Qualität. Diese Situation hatte zur Folge, dass die Arts & Crafts-Künstler nach neuen Ausdrucksmodellen und Kreativitätsformen suchten. Sie setzten sich für die Verbindung von dekorativer und bildender Kunst ein und legten dabei besonderes Augenmerk auf die Qualität der Details und die exquisite Verarbeitung. Dieses ästhetische Anliegen war die Keimzelle eines neuen Stils, des Jugendstils.
Der Rundgang durch die neunzehn Sammlungen des Museums zeigt dem Besucher die Produktion der europäischen Kunstgewerbewerkstätten von Art Nouveau und Art Déco. Schmuck von Masriera oder Fabergé, schillerndes Glas aus den Werkstätten von Loetz, Kralik, Pallme König oder der Schule von Nancy mit Stücken von Émile Gallé, den Brüdern Daum oder Paul Nicolas. Möbel von Homar, Majorelle, Busquets. Porzellan von Rosenthal, Royal Copenhagen, Mariano Benlliure, Gustave Guetant und Zuloaga.

Die Sammlungen der Casa Lis zeigen den Werdegang bedeutender Künstler wie Émile Gallé mit seinem geschichteten Glas und seinen exquisiten Möbeln oder die Entwicklung von René Lalique, der, ausgehend vom Jugendstilschmuck, seine Kreativität in den folgenden Jahrzehnten auf das Glasdesign richtete.
Ein weiterer Höhepunkt stellt die Sammlung französischer Porzellanpuppen aus dem 19. Jahrhundert dar, die von Fachleuten als die beste öffentlich ausgestellte Sammlung der Welt bezeichnet wird. Besonders beeindruckend ist auch die Ausstellung der Chryslephantinen von Demetre Chiparus und Ferdinand Preiss, kleine Skulpturen, die Metall für die Kleidung und Elfenbein für die nackten Körperteile wie das Gesicht oder die Hände kombinieren und zu Ikonen des Art déco geworden sind.
