Die Mona de Pascua in einfacher Ausfertigung

Neues aus Spanien

Turespaña (genehmigt von Shutterstock)

März 2022

Von "Armen Rittern" und "Fasten-Blumen"

Spaniens Karwoche kulinarisch

Während in der Karwoche die Städte und Dörfer in den zahlreichen Prozessionen je nach Region in feierliche oder schwermütige Stimmung versinken, füllen sich Konditoreien und Patisserien mit den typischen Süßspeisen und Gebäckteilchen dieser Jahreszeit.

Die Karwoche in Spanien gehört sicherlich zu den meist ersehnten Zeiten im Jahreskalender. Und das nicht nur, weil der Frühling, der ja in zahlreichen südlichen Gegenden des Landes schon viel früher als bei uns Einzug hielt, endlich gekommen ist. Monatelang haben sich die Bruderschaften der Städte und Gemeinden Andalusiens, Kastiliens, Aragoniens, Murcias und nahezu überall in Spanien auf die Prozessionen der Karwoche vorbereitet, haben die kunstvollen Pasos mit den Heiligenbildern geschmückt, genäht und gestickt, die Musikgruppen, Trommler und Laienschauspieler haben geprobt und die Behörden der Gemeinden die Prozessionswege abgesteckt.

Karwochenprozession in Cuenca, Kastilien La Mancha
Turespaña

Und während in der Karwoche die Städte und Dörfer in den zahlreichen Prozessionen je nach Region in feierliche oder schwermütige Stimmung versinken, füllen sich Konditoreien und Patisserien mit den typischen Süßspeisen und Gebäckteilchen dieser Jahreszeit. Von Generation zu Generation überliefert, gehören die kulinarischen Traditionen genauso in die spanische Semana Santa und die Ostertage wie die religiösen Riten der Prozessionen.

Prozession während der Karwoche in Calanda in der Provinz Teruel, Aragón
Turespaña

Viel Deftiges mit Fisch und Gemüse

Aber auch Deftiges kommt in dieser Woche auf den Tisch. Zurückgehend auf das Fastengebot der katholischen Kirche im Mittelalter und insbesondere das daraus resultierende Verbot des Fleischkonsums, kommt auch in Spanien in der Karwoche den Süßspeisen, Fisch- und Gemüsegerichten eine besondere Bedeutung zu. So gibt es keine Semana Santa ohne den charakteristischen „Potaje“, ein Gemüse-Eintopf mit Hülsenfrüchten, Mangold oder Spinat, Kabeljau und gekochtem Ei, oft auch "Osternacht-Eintopf" genannt. Oder aber die „Sopa de Ajos“ oder "Sopa Castellana", die insbesondere in Kastilien und im Norden Spaniens zubereitet wird und vor allem früh am Karfreitagmorgen nach einer langen Prozessionsnacht gegessen wird.

Eine weitere typische herzhafte Spezialität sind die „Buñuelos de bacalao“, runde, mit Fisch gefüllte Teigtaschen aus Mehl, Wasser und Öl. Auch den „Bacalao al pil pil“, eine typische Kabeljau-Spezialität aus dem Baskenland, die allerdings nicht nur zur Karwoche, sondern ganzjährig Tradition hat, wird gerne in dieser besonderen Woche des Jahres zubereitet. In dieser Zeit gehört gerade der Kabeljau - Bacalao - zu den bevorzugten Speisefischen. Ganz ohne Fisch und Fleisch kommt das Kartoffelgericht „Patatas viudas“ – „Witwenkartoffeln“ aus. Es ähnelt dem Kartoffelgericht aus der Rioja „Patatas viudas“ a la Riojana, dort wird aber im Rest des Jahres noch die typische Paprikawurst, Chorizo dazugegeben.

Kabeljau ist besonders beliebt in der Karwoche
Turespaña

Von "Armen Rittern" zu "Fasten-Blumen"

Neben den deftigen Köstlichkeiten überwiegen aber zweifelsohne die typischen süßen Osternaschereien. Ein beliebtes Karfreitagsgericht sind die „Torrijas“, hier als „Arme Ritter“ bekannt. Sie stammen vermutlich aus den Klöstern in der Umgebung von Madrid und Toledo und waren ursprünglich zur Verwertung von trockenem Weißbrot, das man in Milch oder Honig tauchte, erdacht. Heute gehören sie zu den berühmtesten Gerichten der Karwoche. Die Weißbrotscheiben werden in Milch, Zucker und Ei getränkt, anschließend in heißem Olivenöl frittiert und dann mit Zimt und Zucker bestreut oder mit Honig beträufelt. Ebenso können Torrijas mit Sirup oder Wein zubereitet werden.

Torrijas aus Madrid
Álvaro López - Madrid Destino

Ebenfalls aus Madrid stammt eine weitere Osterköstlichkeit: Die „Bartolillos madrileños“ sind mit einer Zitronen-Buttercreme gefüllte, in heißem Öl frittierte Pastetchen. Ähnlich, aber meist mit Sahne gefüllt, sind die „Buñuelos de Viento“, Spritzkuchen, die aber mittlerweile auch ganzjährig auf den Tisch kommen. Vergleichbar sind sie mit den uns bekannten Windbeuteln.

Bartolillos aus Madrid
Turespaña

Weiter im Norden wird jetzt die ursprünglich aus Navarra stammende, aber heutzutage in ganz Spanien bekannte „leche frita“ – „frittierte Milch“ serviert. Ihre Hauptbestandteile sind Milch, Zucker, Kondensmilch, Zimt, Mehl, Zitrone und Ei.

Die berühmte "Leche Frita", ursprünglich aus Navarra, aber mittlerweile in ganz Spanien beliebt
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Im Süden, in Andalusien dagegen versüßt man sich die Dramatik der Karwochenprozessionen mit Pestiños, einer in Öl gebackenen Mehlteigmischung, die in Honig oder Zucker gerollt wird. Die Pestiños gehören zweifelsohne zu den ältesten Desserts, weiß man, dass sie bereits im 16. Jahrhundert zubereitet wurden. Vermutlich verwandt sind sie mit einem marokkanischen Süßgebäck, den "shebbakiyya marroquí".

 

Pestiños, beliebt während der Karwoche in Andalusien
Turespaña (genehmigt von Shutterstock)

In Andalusien bleibend, sind in Cádiz und vor allem in der Sierra de Grazalema die "Gañotes" beliebt. Und wer schon einmal auf einer der Prozessionen der Semana Santa in Andalusien dabei war, mag auch die "Roscos de Semana Santa", die „Osterkringel“ mit Anisgeschmack schon probiert haben. Sie gelten als Klassiker während der Osterprozessionen des spanischen Südens.

Keine Kringeln oder Kugeln, sondern kunstvoll gebackene „Blumen der Fastenzeit“, die „Flores de Cuaresma“ lieben die Menschen in der Extremadura, aber auch in Kastilien La Mancha und Kastilien León. Das knusprige Teiggebäck in Blumenform wird mit Schokolade oder Zucker garniert und passt sehr gut zu einer Tasse Kaffee.

Die "Flores de Cuaresma", "Blumen der Fastenzeit"
Turespaña

Ostern ist fast vorbei und wir begeben uns auf kulinarische Suche ans Mittelmeer. Schon Tage vor Ostern füllen sich die Schaufenster der Patisserien auf den Balearen, in Katalonien, Valencia und Murcia mit Monas de Pascua, der süßen Spezialität für den Ostermontag, der nur in Katalonien und Valencia ein Feiertag ist. Diesen runden, einst nur mit hartgekochten Eiern, aber heute meist reich geschmückten Osterkuchen bringt man mit zur Familie, um gemeinsam das Osterfest und die lange Fastenzeit zu beschließen. Buntbemalte Ostereier wird man in ganz Spanien schwerlich finden. Aber zur Dekoration der Mona de Pascua ist alles erlaubt, was aus Schokolade besteht: kleine phantasievolle Figuren aus Schokolade oder Schokoladeneier.

Monas de Pascua in ihrer einfachen Form
Turespaña (genehmigt von Shutterstock)

Und auf den Balearen darf man diesen Kuchen nicht unerwähnt lassen: Einst beliebt für den Ostertisch, jedoch heute ganzjährig genossen, wird vor allem auf Ibiza und Menorca der Flaó, ein leckerer Käsekuchen, der auf Ibiza häufig mit Kräutern, wie etwa Minze verfeinert wird.  

Selbst, wenn die buntbemalten Ostereier fehlen, man wird sie in Spanien nicht vermissen. Denn auch ohne sie bleiben die Karwoche und die Ostertage in Spanien ein Festgenuss für alle Sinne. 

Weitere Informationen zu den traditionellen Spezialitäten in der Karwoche und zu Ostern unter: www.spain.info/de/spanien-entdecken/suesswaren-gerichte-ostern/

Rezept: Arme Ritter

Und wer an Karfreitag in diesem Jahr wie in Madrid oder Toledo „Torrijas“ -  „Arme Ritter“ essen möchte, hier ein Rezept:

Zutaten für 4 Personen: 8 Scheiben Weißbrot mit dünner Kruste (2-3 Tage alt, evtl. Kastenweißbrot), 500 ml Milch, 150 g Zucker, 1 Vanilleschote, 6-8 Eier, 1 l Olivenöl.

Zum Garnieren: Honig, Zucker, evt. Zimt

Die Milch, Zucker und Vanilleschote in einem Topf aufkochen, durchziehen lassen und dann durchseihen.

Das Brot in dicke, rechteckige Scheiben schneiden, die Kruste entfernen. Die Brotscheiben auf einen Teller legen, mit einer Suppenkelle mit der Vanillemilch übergießen, damit sie ganz durchtränkt sind.

Die Eier verquirlen, jede Brotscheibe darin gut wenden.

In einer Pfanne das Olivenöl erhitzen und die Brotscheiben unter mehrmaligem Wenden darin braten bis sie goldgelb sind.

Die fertigen, noch heißen Torrijas mit Zimt und Zucker oder Honig süßen und warm servieren.