Ein Novemberspaziergang über die bedeutenden Friedhöfe Spaniens
Welcher andere Monat als der November, an dem die katholischen Feiertage Allerheiligen und Allerseelen gefeiert werden, würde sich besser zu einem Spaziergang über kunstvoll angelegte Friedhöfe eignen?
Gleich eine ganze Reihe von bedeutenden Friedhöfen mit ihrem unverwechselbaren künstlerischen und historischen Erbe in Spanien gehören zur Europäischen Friedhofsroute, die dazu einlädt, nicht nur die Gräber zahlreicher berühmter Persönlichkeiten, sondern auch Pantheons, Skulpturen und Grabmäler von überraschender Kunstfertigkeit zu besichtigen. Die Route wurde vom Welttourismusverband für die Innovation bei der Verbreitung und Interpretation des europäischen Kulturerbes ausgezeichnet.
In den autonomen Regionen Asturien, Kantabrien, Baskenland, Katalonien, Valencia und Andalusien konzentrieren sich die meisten der bedeutenden Friedhöfe Spaniens.

Asturien:
In der ehemaligen Bergbau – und Industriestatdt Avilés, deren harmonische Stimmung zwischen Tradition und Avantgarde, lokaler Gastronomie und Autorenküche große Cineasten wie Woody Allen oder Kevin Spacey inspiriert haben, befindet sich der städtische Friedhof La Carriona. Er stammt aus dem späten 19. Jahrhundert und besticht durch eine Reihe von Statuen mit allegorischen Themen von hohem künstlerischen Wert.
Kantabrien:
Der Friedhof von Ciriego in Santander gilt als schönes Beispiel für die Tendenzen der Grabkunst des späten 19. Jahrhunderts. An seinem Bau waren viele der besten Architekten und Marmorarbeiter der Region beteiligt.
Baskenland:
Der Friedhof von Bilbao beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen von Grabmalen in Spanien aus dem goldenen Zeitalter der Kunst im Baskenland zwischen dem späten 19. und frühen 20. Auf dem Friedhof von Polloe in San Sebastián hat eine der wichtigsten Verfechterinnen der Frauenrechte in Spanien, Clara Campoamor, ihre letzte Ruhestätte gefunden.


Katalonien:
Gleich neun bedeutende Friedhöfe, acht allein in der Provinz Barcelona, befinden sich in Katalonien. Besonders sehenswert ist der städtische Friedhof von Vilanova i la Geltrú, mit seinen zahlreichen Grabmäler im modernistischen Stil. Dort wie auch auf dem Friedhof von Sant Sebastià in Sitges beeindrucken die Friedhofsgänger die großen, von bekannten Grabmalgestaltern geschaffenen Pantheons der "Indianos", wie die Auswanderer genannt werden, die in Amerika zu Reichtum gelangt, dann aber nach Spanien zurückgekehrt waren. Auch der modernistische Friedhof von Arenys de Mar lohnt einen Abstecher in die Provinz..
Der neue Friedhof von Igualada hingegen weicht von der traditionellen Vorstellung eines Friedhofs gänzlich ab. Er wurde in einen Park umgewandelt, in dem sich die Gräber selbst harmonisch in das Gesamtbild einfügen. Für seine Originalität wurde er 1992 mit dem Architekturpreis des FAD ausgezeichnet. Die ersten Bestattungen des Friedhofs Los Capuchinos in Mataró auf dem Gelände eines Kapuzinerklosters, das mehrere imposante Pantheons beherbergt, gehen auf das Jahr 1817 zurück. Ebenfalls von den Kapuzinern wurde der Friedhof von Vilafranca del Penedés im Jahr 1839 angelegt. Auch er fasziniert durch verschiedene bemerkenswerte Bauwerke Der Friedhof von Lloret de Mar in der Provinz Girona stellt ein weiteres, schönes Beispiel für die sensible Arbeit der Bildhauer und Architekten der modernistischen Schule der Grabmalkunst dar.
In Barcelona lohnen gleich zwei bedeutende Friedhöfe einen Besuch: der 1775 eröffnete Hauptfriedhof Poble Nou und der Friedhof von Montjuïc, die zusammen genommen einen praktisch unbekannten Teil des künstlerischen Erbes der Stadt ausmachen.



Region Valencia:
Der alte, Anfang des 19. Jahrhunderts angelegte Friedhof von Elche überrascht durch die Koexistenz von verschiedenen Stilen wie Neoklassizismus, Neomudéjar, Neoromanik und Neugotik, in denen die Pantheons errichtet wurden, wie auch durch Beispiele für modernistische und Art-déco-Skulpturen im später erweiterten Teil.
Andalusien:
Auf dem Friedhof von Monturque in der Provinz Córdoba befinden sich mehrere unterirdische römische Zisternen. Dieses bedeutende Bauwerk, das über tausend Jahre lang verborgen bleib, kann heute besichtigt werden. Der Friedhof Nuestra Señora de la Salud in der Stadt Córdoba selbst zeichnet sich durch seine neoklassizistische Fassade und verschiedene eklektische Pantheons aus. Er ist auch die letzte Ruhestätte mehrerer berühmter Stierkämpfer wie Manuel Rodríguez Sánchez, bekannt als "Manolete".
Ein weiterer sehenswerter Friedhof ist schließlich der städtische Friedhof von Granada, der einen Teil des Alhambra-Denkmals ausmacht. Ganz in der Nähe des Eingangs zu den Nasridenpalästen gelegen enthält er die archäologischen Überreste des arabischen Palastes von Alixares (13. und 14. Jahrhundert), eine kleine Festung und ein Kanalsystem aus dem frühen 19. Jahrhundert.

