Die Iberische Route durch die Provinz Lleida
Die Iberische Halbinsel hat ihren Namen von dem Volksstamm der Iberer erhalten, die im 6. Jahrhundert vor Chr. den Osten und Süden des heutigen Spaniens bevölkerten. Sie beherrschten die östliche Hälfte Spaniens bis zur Ankunft der Römer. Wer tiefer in die iberische Kulturgeschichte eindringen und sich ein Bild von den Bräuchen und der Lebensweise dieser alten Bewohner der Halbinsel möchte, kann sich auf der Route der Iberer durch verschiedene Gebiete und Regionen des Landes zu iberischen Siedlungen
In der Provinz Lleida wird eigens ein „Iberische Wochenende“ veranstaltet, da diese Region wichtige und herausragende Exponate aufweist. Dazu gehören die Festung der Vilars de Arbeca in Les Garrigues, der Molí de l'Espígol de Tornabous, die Estinclells de Verdú oder die von Almenara de Agramunt. Geschichtsinteressierte Besucher haben am ersten Oktoberwochenende die Gelegenheit, herauszufinden, wie die Menschen in Spanien vor 2.200 Jahren gelebt und miteinander kommuniziert haben. Die diesjährige 22. Ausgabe beschäftigt sich insbesondere mit dem rätselhaften Phänomen der iberischen Sprache und Schrift, die sich ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. entwickelt hat. Sie ist zwar zu lesen, aber man weiß nicht, was ihre Worte bedeuten.

Das Festival erweckt die Überreste von vor mehr als 2.200 Jahren wieder zum Leben und monografischen Museen dieser Epoche begeben. und bietet ein breites Spektrum an Aktivitäten rund um die iberische Kultur: Führungen, dramatisierte Besichtigungen, Workshops, historische Rekonstruktionen, Verkostungen von Speisen und Getränken..., eine Vielzahl von Möglichkeiten für jeden Geschmack und jedes Publikum.
Festung der Vilars de Arbeca
In der Gegend von Les Garrigues, in der Nähe des kleinen Olivendorfes Arbeca, wurde eine kleine, interessante prähistorische Siedlung gefunden, deren Besiedlung auf das 8. Jahrhundert v. Chr. bis 325 v. Chr. zurückgeht - ein Besuch, den sich Liebhaber von Burgen und Archäologie nicht entgehen lassen sollten.
Die Festung Els Vilars de Arbeca scheint von einem modernen Militäringenieur entworfen worden zu sein, denn eine fünf Meter breite und fünf Meter hohe kreisförmige Mauer wurde von 12 großen, halbkreisförmigen Türmen flankiert. Sie wurden um eine Wasserzisterne gruppiert, die das Zentrum eines Platzes einnimmt, an den rechteckige Wohnhäuser angrenzen.

Außerdem umgab ein 15 Meter breiter und vier Meter tiefer überfluteter Graben die Burg. Diese Verteidigungsmerkmale machten die Anlage zu einer nahezu uneinnehmbaren Festung. Der Bereich zwischen der Mauer und dem Graben war mit versetzt aneinander genagelten Steinen (den so genannten "Friesenpferden") ausgekleidet, um es einem Angreifer unmöglich zu machen, über den Graben zu gelangen.
Am Samstag, den 2. Oktober, bieten Archäologen in der Festung von Vilars werden, fachkundige Führungen an. Am Folgetag informieren außerdem Mitglieder des Forschungsteam über die iberischen Siedler. Komplettiert wird das Angebot durch einen Besuch der Ausstellung "Die westkatalanische Ebene in der Urgeschichte: ein Kreuzungspunkt".
Molí de l'Espígol
Die iberische Stadt Molí d'Espígol ist eine der bemerkenswertesten Überreste des iberischen Stammes der Ilergetes. Die ältesten Strukturen stammen aus der frühen Eisenzeit, zu Beginn des 7. Jahrhunderts v. Chr., als eine Festung errichtet wurde und sich zu einer großen Stadt entwickelte. Auf einer sanften Anhöhe in der Ebene des Urgell-Gebietes, in der heutigen Gemeinde Tornabous, gelegen, nahm sie ein großes Areal ein, von dem heute etwa ein Drittel des Stadtkerns ausgegraben ist.

Die Ausgrabungen haben ein komplexes und organisiertes städtisches Gefüge offenbart, das einer Gemeinschaft entsprach, die intensive politische, wirtschaftliche und soziale Aktivitäten ausübte. Die Stadt war von einer mächtigen Mauer umgeben und verfügte über ein geordnetes Stadtsystem mit gepflasterten Straßen, Plätzen, Wasserkontrollstrukturen, Häusern verschiedener Art und sogar einem Produktionsviertel und einem Silofeld.
Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Wirtschaft der Stadt auf einer bedeutenden Landwirtschaft und Viehzucht basierte. Diese Beweise lassen vermuten, dass Molí d'Espígol zu einer Bezugsstadt für den Stamm der Ilergetes wurde. Die auf einer Länge von 40 Metern ausgegrabene Mauer ist etwa 2,10 Meter dick, hat glatte Außenwände und ist an einigen Stellen fast 5 Meter hoch. Es wurden auch zwei Türme und Verteidigungsanlagen freigelegt. Unter den ausgegrabenen Strukturen sticht ein großes Gebäude mit einer 10 Meter hohen Fassade hervor, das mit einer Art kultischer Aktivität oder politischer Funktion in Verbindung gebracht werden könnte.
In Tornabous wurde die spezielle für Familien konzipierte Aktivität "Ein Tag auf dem Markt" organisiert, um die Entwicklung der Märkte in der Frühzeit und die Beziehungen zwischen den verschiedenen iberischen Siedlungen nachvollziehen und verstehen zu können. Die Besucher können selbst ein lokalen Produkt herstellen und sogar das sogenannte „Iberika-Bier“ probieren, dessen Herstellung auf den vor Ort gefunden archäologischen und historischen Zeugnissen basiert.
Estinclells und Almenara
Das fast vollständig ausgegrabene iberische Dorf Estinclells befindet sich in Verdú, in l'Urgell, Die Siedlung aus dem dritten Jahrhundert v. Chr. wurde bereits um das Jahr 200 v. Chr. wieder aufgegeben. Dank des Zentrums für experimentelle Archäologie (CEP) können die Besucher der Augrabungsstätte einen Eindruck davon gewinnen, wie die Ilergets in der Stadt lebten. Mithilfe von Nachbildungen der Materialien und Werkzeuge, die die Ilergets in ihrem täglichen Leben verwendeten, Können sie sich ein Bild von ihrem Alltagsleben machen. In die Anlage wurde sogar einen architektonischen Bereich integriert, in dem zwei Estinclells-Häuser rekonstruiert wurden. In einem dieser Häuser, das dank eines Brandes, der durch die römische Besatzung verursacht wurde, wurde eine iberische Presswerkstatt gefunden, die zu den am besten erhaltenen Beispielen auf der Halbinsel zählt.

Almenara-Nekropole (Agramunt)
Ber der am Fuße des Südhangs der Serra d'Almenara gelegenen voriberischne Nekropole von Almenara (Agramunt, Urgell) handelt es sich um eine Grabhügelnekropole aus der frühen Eisenzeit, die zwischen dem VIII. und VII. Jahrhundert v. Chr. datiert wird. Die Stätte wurde erst 1968 zufällig bei Erdarbeiten entdeckt, die für landwirtschaftliche Arbeiten durchgeführt wurden. Die archäologischen Arbeiten ermöglichten es, acht Hügel zu dokumentieren und die Überreste von zwei Aschenurnen und mehreren Metallgegenständen zu bergen. Die leicht über dem Boden erhöhten Begräbnisbauten mit rundem Grundriss werden durch eine variable Anzahl von Steinringen begrenzt, in denen die eingeäscherten Überreste nach ihrer Deponierung im Inneren einer Keramikurne im zentralen Raum der Hügel deponiert wurden.
In Estinclells und Almenara werden Führungen von den an den Ausgrabungen beteiligten Archäologen und Experten organisiert, um die neuesten Entwicklungen ihrer Arbeit zu erläutern.
Weitere Informationen unter:
