Via Verde del Aceite. Auf dem Grünen Weg des Olivenöls

Neues Aus Spanien

FFE-Vías Verdes. www.viasverdes.com

April 2023

30 Jahre Vias Verdes

Per Fahrrad oder zu Fuß auf alten Eisenbahnwegen durch Spanien

Nachhaltigkeit, das Wort ist in aller Munde, auch im Tourismussektor. Unbestritten gibt es kaum eine Art der Fortbewegung, die nachhaltiger und umweltschonender sein könnte als Schusters Rappen oder das Fahrrad. Nicht zuletzt deshalb sind die Grünen Wege ein Erfolgskonzept mit Zukunft, das in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert.

1993 gab es in Spanien mehr als 7.600 Kilometer an stillgelegten Eisenbahnstrecken. Bis heute wurden in diesen vergangenen Jahren davon an die 3.300 der einstigen Schienenkilometer in Grüne Wege, Vias Verdes umgewandelt. Von Nord nach Süd, von Ost nach West, finden sich mittlerweile in ganz Spanien 135 Grüne Wege, für jeden und jede, ob zu Fuß oder per Rad machbar. (Info: Welcome to Spanish Greenways web (viasverdes.com).

Und alle erinnern sie noch an ihre ehemalige Funktion als Eisenbahnlinien. So geht es durch Tunnel, über Brücken und Viadukte, an alten Bahnhöfen vorbei, von denen 125 bis heute in Cafés, Restaurants, ländliche Unterkünfte, kleine Museen oder Servicestationen und Infopunkte verwandelt wurden, die zu einem Halt einladen und immer ein wenig Nostalgie versprühen. Da meist keine schwierigen Strecken zu bewältigen sind, kann man sich gemütlich mit seinen Mitfahrern unterhalten oder einfach genussvoll in die umliegenden Landschaften eintauchen.

Verteilen sich auf ganz Spanien: Die Vías Verdes,  Grünen Wege
FFE-Vías Verdes. www.viasverdes.com

„Via Verde“ spricht heute als eine Qualitätsmarke für sich, seit 30 Jahren geführt und geschützt von der Stiftung der spanischen Eisenbahnen. Gerade im ländlichen Umfeld tragen sie zu einer nachhaltigen touristischen Entwicklung der Regionen bei. Wer auf den Vias Verdes Spanien entdeckt, kommt seinen Landschaften, Menschen und Traditionen ganz nahe. 

Von den 135 Grünen Wegen, die es mittlerweile im Land gibt, stellen wir heute vier in verschiedenen Regionen stellvertretend für alle vor.

Die Grünen Wege in Spanien feiern 2023 ihren 30. Geburtstag
FFE-Vías Verdes. www.viasverdes.com

Von den Bergen bis ans Meer: Camí del Ferro, Carrilet y Girona-Costa Brava

Wir beginnen unsere Reise zu den Vias Verdes im Nordosten Spaniens, in der Provinz Girona. Drei Vias Verdes, die wir miteinander verbinden, führen uns von den Bergen der Vorpyrenäen bis hinunter an die Costa Brava.

 

In Ripoll in den Vorpyrenäen Kataloniens steigen wir aufs Rad, bewundern die romanischen Klöster Santa María und San Joan de Abedesses und die wunderschöne romanische Brücke gleich zu Beginn der Via Verde del Ferrò i del Carbó. Vom Cami del Ferro geht es danach über die Via Verde del Carrilet auf über 50 Kilometern durch die herrlichen Vulkanlandschaften der Garrotxa. Ende der 60er Jahre wurde die Schmalspurbahn dieser Region geschlossen, die von Olot, dem Hauptort der Region über 14 Brücken und durch mehrere Tunnel nach Girona führte.

Die Vía Verde del Ferro i del Carbó in der Provinz Girona
FFE-Vías Verdes

30 der charakteristischen Vulkankegel, herrliche Dörfer wie Rupit, das hoch auf Felsen thront, oder das idyllische Amer locken immer wieder zu einem Halt, bis schließlich Girona, die Provinzhauptstadt unbedingt einen Ausflug wert ist. Das jüdische Viertel ist eines der bedeutendensten in Spanien mit einem hochinteressanten Museum zur jüdischen Geschichte der Stadt. Oder die arabischen Bäder, die Kathedrale mit ihrem Stilmix aus Romanik, Gotik und Barock, die Stadtmauer, an der entlang wir einen wunderbaren Spaziergang machen, die Brücke von Gustav Eiffel über den Fluss Onyar, von der wir die aufgereihte bunte Häuserfront entlang des Flusses betrachten und natürlich die tollen Cafés und Restaurants in der herrlichen Altstadt, wo es sich stundenlang bummeln lässt.

Girona am Fluss Onyar
Turespaña

Nach einem genussvollen Kurzaufenthalt in der Stadt geht es schließlich auf die dritte Vía Verde, den Grünen Weg Girona-Costa Brava, der durch die mediterrane Landschaft und Vegetation bis San Feliu de Guixols an die herrlichen Buchten der „wilden Küste“ führt. In Font Picant, einem der alten restaurierten Bahnhöfe, wo man heute ein kleines Restaurant findet, kommt eine kurze Stärkung, ehe wir Castell d’Aro erreichen. Puppenfreunde sollten hier einen Blick ins alte, liebevoll eingerichtete Puppenmuseum werfen.

Einer der alten Bahnhöfe an der Vía Verde del Ferro i del Carbó auf der Fahrt durch die Provinz Girona
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Und dann ist das Meer erreicht, die Felsen und malerischen Buchten der Costa Brava. Es riecht nach Pinien und die Luft schmeckt nach Salz, man hört die Möwen und die Wellen, die mit Wucht an die schroffen Felsen schlagen. Eine herrliche Reise liegt hinter uns von den Vorpyrenäen bis hier an die wunderbare Küstenlandschaft, die so manchen Künstler inspirierte und wo die Hobbymaler noch immer ihre Staffeleien aufgereiht haben.

Info: https://www.viesverdes.cat/en/

 

Die herrlichen Buchten der Costa Brava warten am Ende des Grünen Wegs
Turespaña

Auf dem Bärenpfad durch das Naturparadies Asturien

Szenenwechsel vom Mittelmeer in die sattgrünen Landschaften Nordspaniens nach Asturien. Der einstigen Minentätigkeit verdankte die Region ihre beiden Eisenbahnlinien. Die erste datiert auf das Jahr 1874. Sie verband die Eisen- und Kohlenminen des Quirós-Tals mit dem Bahnhof von Trubia auf 30 Kilometern. Ein weiterer Schienenstrang von Caranga de Abajo kommend führte zu den Minen von Teverga, die der Route eine Y-Form verlieh, die der Streckenführung der heutigen Via Verde noch immer entspricht. Nach ersten Planungen sollte die Linie bis in die Region des Bierzo in der Provinz León ausgebaut werden, wozu es jedoch nie gekommen ist.

 

Heute führt hier, begleitet vom rauschenden Wasser der Flüsse Trubia, Teverga und Quirós die Via Verde Senda del Oso, der Bärenpfad durch ein gutes Stück unbekanntes Grünes Spanien. Mal entlang steiler Felswände in den Bergen im Zentrum Asturiens, mal von grünen Weiden und dichten Wäldern geht es vorbei an kleinen Kapellen, mittelalterlichen Türmen und Palästen und hübschen Kirchlein aus der Präromanik.

Durch die herrliche grüne Natur Asturiens führt die Vía Verde Senda del Oso, der Bärenpfad
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Die Via Verde durchquert in ihrem Verlauf mehrere geschützte Naturregionen, wie den Parque Natural de las Ubiñas – La Mesa mit seinen ausgedehnten Buchen- und Birkenwäldern, die in den höheren Regionen sattgrünen Weiden, Eiben- und Stechpalmenhainen weichen. Es geht durch mächtige Schluchten entlang steil aufragender Felswände, über Brücken, Viadukte und durch Tunnel in einer zweifellos spektakulären Landschaft, die jedem Naturliebhaber das Herz höher schlagen lässt.

Auf der Vía Verde Senda del Oso
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Eine davon ist der Desfiladero de las Xanas, eine schmale, tief eingeschnittene Schlucht, in der Raubvögel ihre majestätischen Runden drehen. Ein geradezu magisches Naturdenkmal ist die tausendjährige Eibe in Bermiego mit ihren sieben Metern Durchmesser und 13 Metern Höhe. Inmitten der herrlichen grünen Naturlandschaften, die die Via Verde Senda del Oso durchquert, ist der Mäander des Río Nora ein weiteres Naturschauspiel, dass uns verweilen und staunen lässt. Naturliebhabern sei dieser Weg, der im wahrsten Sinne des Wortes ein „Grüner“ Weg ist, unbedingt ans Herz gelegt.

 (Infos: https://www.turismoasturias.es/de/descubre/naturaleza/rutas/senderismo/senda-del-oso )

Der Mäander des Río Nora liegt an der Vía Verde Senda del Oso
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Kultur und Natur entlang dem Silberweg der Römer

Von Astorga in der Provinz León bis Plasencia in der Extremadura führte die „Eisenbahnlinie der Via de la Plata“ (Ferrocarril de la Via de la Plata), der heute die Via Verde Ruta de la Plata, der Grüne Weg der Silberroute auf 65,6 Kilometern von Plasencia nach Béjar folgt. Auch entlang dieser Strecke ist noch der alte Zweck erkennbar, sind doch einige Merkmale der alten Eisenbahnlinie erhalten: Signale, Ampeln, Weichensstell-Anlagen und drei ehemalige Bahnhöfe mit touristischen Einrichtungen. Die Via Verde ist heute überdies ein Teilstück der europäischen Fernroute Eurovelo1 vom Nordkap in Norwegen bis an die portugiesische Algarve.

Die Strecke, die einst in der Nähe von Casas del Monte begann, wurde um 22,6 km erweitert bis Plasencia. Hier in der Stadt am Ufer des Jerte sollte man unbedingt einen Aufenthalt einlegen. Die historische Stadt an der alten Silberstraße der Römer verfügt über ein einmaliges Monumentalensemble mit Palästen, Adelshäusern, Klöstern, der mächtigen Kathedrale und Kirchen. Romanik, Gotik, Renaissance geben sich ein Stelldichein in der extremenischen Stadt nördlich von Cáceres (https://www.spain.info/de/reiseziel/plasencia/).

Die Kathedrale von Plasencia eines der sehenswerte Monumente der Stadt an der Vía de la Plata
Turespaña

Nach diesem Citybreak heißt es, sich aufs Rad zu schwingen und es geht entlang von Olivenhainen, Dehesas, mit Kork- und Steineichen besetzten Weiden, über die Brücke Puente de la Garganta nach Seguro de Toro. Bei einem kurzen Abstecher im Ort gibt es einen präromanischen Stier zu bewundern, der die Plaza beherrst. Bei Aldeanueva del Camino findet man noch ein originales Stück Pflaster der alten Römerstraße Vía de la Plata. Hervás wiederum lockt mit seinem hübschen, einst bedeutenden jüdischen Viertel zu einem Stopp, den wir im alten Bahnhof, heute eine ländliche Unterkunft mit Café und Museum beginnen.

Hervás, ein idyllischer Ort zum Verweilen
Turespaña

Kurz danach wird die alte eiserne Brücke „Puente del Hierro“ über dem Río Ambroz überquert. Der Stausee von Baños de Montemar lockt zu einem Sonnenbad und im Ort selbst die Ruinen der römischen Thermen sowie ein Informationszentrum zur Silberstraße. In der Sierra de Béjar, vorbei an Ahorn-, Haselnuss-, Kastanienbäumen und Eichen geht es durch einen Tunnel, ehe wir bereits Kastilien-León und die Provinz Salamanca erreichen, wo wir am restaurierten Bahnhof von Puerto de Béjar noch einen Halt einlegen, um schließlich beim Passieren der Nationalstraße N630 wieder ein Stück der originalen gepflasterten römischen Silberstraße zu bewundern.

Ein Teil des alten Silberweges der Römer
Turespaña

Schon bald geht es vorbei an einem Naturmonument, einer mehr als 20 Meter hohen Zeder, dem Cedro de la Francesa, der man ein Alter von mehr als 150 Jahren zurechnet. Das mittelalterliche Béjar und Navalmoral de Béjar schließlich bedeuten den Endpunkt einer wunderbaren Tour, die herrliche Natur und historisches Erbe miteinander verbindet.

(Infos: https://www.viasverdes.com/en/itineraries/itinerario.asp?id=160)

Auf dem Grünen Weg des Olivenöls in Andalusien

Das gleißende Licht Andalusiens, die weiten Olivenhaine der Provinzen von Córdoba und Jaén und das ein oder andere kulturhistorische Highlight charakterisieren eine Fahrt oder Wanderung auf der 128 Kilometer langen Via Verde del Aceite, dem Grünen Weg des Olivenöls, der noch dazu über nicht weniger als 13 beeindruckende Viadukte aus dem 19. Jahrhundert führt.

Die längste Route Andalusiens beginnt in der Provinzhauptstadt Jaén, gekrönt von der mittelalterlichen Burg, die heute ein Paradorhotel ist. Schon bald nach dem Verlassen der Stadt grüßt an beiden Seiten des Weges die wie gekämmt wirkende typischen Landschaft der Olivenhaine dieser Provinz.

Die Landschaft wirkt wie gekämmt. Entlang der Olivenhaine auf der Vía Verde del Aceite
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Es geht durch Tunnel und die tatsächlich wie ein Adler in der Luft schwebenden Brücke Piedra de Aguila. Wir passieren Torredonjimeno und bei Martos heißt es, den mit 650 Metern höchsten Punkt der Via Verde zu erklimmen, um dann bis zum Río Guadajoz und an die Provinzgrenze bergab zu radeln oder zu wandern. Vorher geht es vorbei am einsam gelegenen Bahnhof Vado-Jaén und über einen weiteren stählernen Viadukt.

13 beeindruckende Viadukte liegen an der Vía Verde del Aceite
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Bald grüßt uns die alte Burg von Alcaudete und kurz darauf wechseln die Olivenhaine mit der mediterranen Vegetation der Reserva Natural Laguna Honda. Über den Río Guadajoz schließlich geht es hinüber in die Nachbarprovinz Córdoba. Über den Collado de las Arcas bereits in der Region der Subbética sehen wir schon bald die Reste einer alten Haltestelle und eines ehemaligen Mineralienverladeplatzes. Und dann erreichen wir die Lagune del Salobral, eine der reizvollsten Landschaften dieser Strecke. Besonders jetzt im Frühling der ideale Ort zur Vogelbeobachtung.

Die Lagunen an der Strecke laden ein zur Vogelbeobachtung
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Am alten Bahnhof von Luque, heute Restaurant und Museum, lohnt sich ein Halt und danach der Besuch der attraktiven weißen Dörfer und Städtchen der Umgebung: Baena, Luque und Zuheros. Das alles wird abgerundet durch die wunderschöne Landschaft des Geo- und Naturparks der Sierras Subbéticas. Das Informationszentrum zu dieser Naturregion befindet sich in Doña Mencia.

 

Über weitere Viadukte, von denen einer den seltsamen Namen „Los dientes de la vieja“, „Die Zähne der Alten“ trägt, erreichen wir schließlich Cabra und Lucena, ehe uns im alten Bahnhof von Moriles-Horcajo das Enogastronomische Zentrum der Weinroute Montilla-Moriles erwartet. Entlang Pinien, Olivenbäumen und Rosmarinbüschen, und später Steineichen und Mandelbäumen führen die letzten Kilometer schließlich bis Puente Genil, wo die Fahrt oder Wanderung über den Grünen Weg des Olivenöls endet.

(Info: https://www.viasverdes.com/en/itineraries/itinerario.asp?id=67 )

Ein Glas Wein aus Montilla-Moriles auf die Vía Verde del Aceite. ¡Salud!
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