Magische Nächte im Feuerschein, Dämonen, Tierprozessionen und Tänzer
Winterfeste in Spanien
Kaum sind die festlichen Weihnachtstage vorbei, die in Spanien ihren Höhepunkt mit der Feier und den Umzügen der Reyes Magos, der Heiligen Drei Könige am 6. Januar erreichen, bereitet man sich im andalusischen Jaén, auf Mallorca und in vielen anderen Orten des Landes auf das nächste festliche Highlight des Winters vor: Die Festtage rund um das Fest des Heiligen Antonius Abad. Zu seinem Gedenken werden Feuer entzündet, während Teufel und Dämonen durch die Straßen tanzen.
Die Riten um das Fest gehen auf Jahrhunderte, manchmal Jahrtausende alte Traditionen zur Wintersonnenwende zurück. So war es bereits bei den Kelten üblich, Tiere und Menschen durch das reinigende und schutzbringende Feuer springen zu lassen. Die alten Rituale vermischten sich mit dem Eintreffen des Christentums und vor allem seit dem Mittelalter besonders in den von Viehzucht und Hirtentum geprägten Regionen mit dem Fest des Heiligen Antonius Abad, der als Schutzpatron der Tiere gilt. Und so ist es bis heute in vielen Teilen Spaniens üblich, am Ehrentag des Heiligen die Haustiere zu segnen.
Noch erleuchtet der Weihnachtsschmuck die Straßen, da entzündet Jaén an die 30 Lagerfeuer zu Ehren des Heiligen Antonius, die Hogueras de San Antón in der Samstagnacht, die dem 17. Januar, dem eigentlichen Gedenktag des Heiligen, am nächsten liegt. Über jedem Lagerfeuer ist eine Stoffpuppe mit Feuerwerkskörpern angebracht, die sich in Berührung mit den Flammen entzünden.
Die Menschen tanzen um das Feuer und singen „Melenchones“, die typischen Volkslieder der Region. In den Festtagen, die sich vier bis fünf Tage bis zum 17. Januar erstrecken, gibt es Konzerte und Wettbewerbe und, ebenfalls in der Nacht von Samstag auf Sonntag die berühmte Carrera de San Antón.

Laufen im Lichterschein: Die Carrera de San Antón
Der mittlerweile internationale Volkslauf im Schein der Weihnachtsbeleuchtung und der Taschenlampen, mit denen die Zuschauer am Straßenrand den Läufern zuwinken, zieht Jahr für Jahr mehr begeisterte Teilnehmer an. Seit 1984 ist dieser Volkslauf, bei dem die Läufer zwischen Strecken von 4 und 10 Kilometer wählen können, fester Bestandteil des Festes, das in Jaén wohl bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht.

Früher feierte man die sogenannten „Lumbres de Jaén“ in der Stadt immer am Vorabend des Gedenktages, also am 16. Januar bis man sich entschied, das Fest und den Volkslauf zusammenzulegen auf das dem 17. Januar nächste Wochenende. Fester Bestandteil des Festes ist seit Jahrhunderten auch die Segnung der Tiere. So bringen Groß und Klein auch in Jaén ihre Haustiere in die Kirche zur feierlichen Segnung.
Nicht nur in der Provinzhauptstadt Jaén werden die „Hogueras“ entzündet. Auch in anderen Orten der Provinz erstrahlen Lagerfeuer die Nacht des 16. auf den 17. Januar, so wie beispielsweise im hübschen Renaissance-Städtchen Úbeda, wo man sich inmitten der herrlichen Altstadt mit ihren Adelspalästen trifft.

Tierliebe in der Hauptstadt
Eine der sehenswertesten Prozessionen mit Haustieren findet am 16/17. Januar in der spanischen Hauptstadt Madrid am Gedenktag des Heiligen Antón Abad statt. Mitten im Zentrum, im Chueca-Viertel, treffen sich Hunderte von Madrilenen mit ihren, nicht selten festlich ausstaffierten tierischen Freunden: Hunden, Katzen, Wellensittichen, Kanarienvögeln, Hamstern, Meerschweinchen, Papageien, und anderen Exoten auf der Plaza Chueca und ziehen durch die Straßen des Viertels.
Und dann wird sich am 17. Januar vor der Sant Antón Kirche in der Calle Hortaleza eingereiht zur feierlichen Segnung der Tiere. Und kaum jemand von ihnen vergisst es, sich mit Panecillos de San Antón, dem zu diesen Tagen typischen Gebäck, u.a. mit Zutaten aus Mehl, Butter und Zimt, das im Viertel verkauft wird, einzudecken. Alljährlich veranstaltet das Rathaus von Madrid darüber hinaus im Cibeles Palast eine Ausstellung zum Thema Tiere als Helfer für die Menschen.

Ein Schauspiel in mittelalterlichen Mauern
Im Hinterland von Valencia bis hinüber nach Aragonien erstreckt sich die nahezu unbekannte Region des Maestrazgo. Die rauhe Gebirgslandschaft mit herrlichen, fast vergessenen kleinen Dörfern und Städtchen wie Morella, Iglesuela del Cid, Castellote, Villarluengo oder Mirambel, nahezu alle überragt von mächtigen Burgen einstiger Ordensritter, wie den Templern, hat bis heute zahlreiche uralten Traditionen und Feste erhalten. So feiert man auch hier in dieser alten Region der Hirten und Viehzüchter seit Jahrhunderten den Gedenktag von San Antonio Abad als eines der wichtigsten Feste des Winters.
Besonders bedeutend ist die „Sanantonada“ in Mirambel. Alle vier Jahre, zuletzt im Januar 2023, spielen die Bewohner des Ortes Szenen aus dem Leben des Heiligen nach. Auch hier beginnt das Fest mit dem Aufbauen des Lagerfeuers im Ort. Dann wird deftiges Fleisch gegrillt, zur Stärkung für alle Einwohner, Schauspieler und Besucher. Das typische Süßgebäck, die „pasteles de alma“, „Plätzchen für die Seele“ werden verteilt.

Und dann beginnt das Schauspiel. Verschiedene Persönlichkeiten wie ein Clown, eine Dame, ein Engel, ein Hirte, die Botarga und die Agostera und natürlich der Heilige selbst begeben sich, begleitet von leuchtenden Fackeln von Haus zu Haus durch das mittelalterliche Dorf, Luzifer selbst und die Dämonen, die den Heiligen versuchen, nicht zu vergessen. Lautes Rufen erschallt: „Viva San Antón“ und „Viva Mirambel“.

Sobald sie an die Kirche kommen, erfolgt die Segnung der Tiere. Am Schluss kommt der Lichterzug an der Plaza an, wo San Antón allen Versuchungen widersteht und die Dämonen dem Feuer übergeben werden. 18 Einwohner des Ortes betätigen sich als Schauspieler und viele, viele Helfer im Hintergrund sind mitbeteiligt an einer Tradition, die bereits aus dem Jahr 1415 dokumentiert ist. Und jeder ist stolz darauf, einmal mit dabei sein zu können.

Spielzeug, Paella und ein Eintrag im Guinness Buch der Rekorde
Der sogenannte „Parells-Tag“ ist charakteristisch für das San Antoni Abad Fest in Canals, einer Ortschaft rund 60 Kilometer südlich von Valencia. Der Ort feiert das Fest seines Schutzpatrons zwischen dem 16. und 18. Januar.
Schon Anfang Dezember beginnen die Bewohner des Ortes mit der Aufschichtung eines überdimensionalen Lagerfeuers, das seinen Platz im Guinness-Buch der Rekorde gefunden hat. Am letzten Tag des Festes, dem „Parells-Tag“ werden Spielzeuge verteilt von Reitern, die durch das Dorf ziehen und man genießt das typische Gebäck des Festes und eine riesige Paella.

Der Umzug der Dämonen in Forcalls
„Eine Explosion aus Feuer und Dämonen“ erleuchtet die Nächte um den 17. Januar zu Ehren von San Antoní Abad auch in Forcall, einem weiteren Ort im Hinterland der valencianischen Küste, in der Provinz Castellón. Seit 2012 trägt das Fest den Titel eines Immateriellen Kulturguts (BIC) der Autonomieregion.
Neben zahlreichen Aktivitäten während des Festes, wie auch hier die Tiersegnung, die Darstellung des Lebens von San Antón, das Aufstellen des Hauptbaums, um den dann das Brennholz für das Lagerfeuer aufgeschichtet wird, ist der bedeutendste Teil des Festes in Forcalls die Santantonà, der Umzug der, schon vom ihrem Anblick her furchteinflößenden Dämonen, die hier „botargues“ genannt werden.

Begleitet werden sie bei ihren wilden Tänzen und Feuersprüngen von zahlreichen, weiteren Figuren, wie dem „Despullat“, der „filoseta“ oder den „Cremallers“. Natürlich darf auch der Heilige Antonius nicht fehlen, der hier in Forcall noch dazu vom Heiligen Paulus flankiert wird.

Der Tanz der Feuerteufel auf Mallorca
Besonders magisch geht es an den Festtagen des Heiligen des Antoní Abad in den Dörfern Mallorcas zu. Dörfer wie Sa Pobla, Muro, Artà, Pollenca oder Manacor, aber auch Palma de Mallorca verdienen in diesen Tagen unbedingt einen Besuch, erlebt man hier ein Fest, das an die bäuerlichen Ursprünge der Insel erinnert.
Am 16. Januar beginnt das Fest mit dem Anzünden der Lagerfeuer und den Prozessionen der Dämonen, Schrecken einflößende Gestalten mit roten Masken und schwarzen Hörner, die den zum Tanz der mallorquinischen Feuerteufel umherspringen und auch den ein oder anderen Sprung durch die Feuersglut wagen.
Sie jagen den Heiligen Antonius, der von einem Mann in Mönchsgewand mit Maske dargestellt wird. Als Synonym für die Sünde und alles Schlechte erinnern sie an die Versuchungen, die der Legende nach den Heiligen Antonius als Einsiedler in seiner Einsamkeit quälten.

In einigen der Dörfer gibt es Umzüge mit Wagen, die Szenen aus dem ländlichen Mallorca und dem Leben des Heiligen darstellen. Am Abend brennen überall die Foguerons, die riesigen Lagerfeuer, an denen man sich nach einer feierlichen Messe, den sogenannten Completes, zum gemeinsamen Sobrassada-Essen, zu Botifarrons, den typischen mallorquinischen Wurstspezialitäten oder gefüllten Teigtaschen, den Espinagades, trifft. Die Ximbombes, eine Art tönerner Trommeln und volkstümliche Lieder erklingen in diesen magischen Winternächten Mallorcas.

Und natürlich ist eines der Hauptspektakel auch hier die Tiersegnung, die sogenannten Benëides, zu denen auch Schafe, Ziegen und andere Nutztiere vor die Kirchen getrieben und dort gesegnet werden, während die Menschen mit ihren Haustieren zahlreich in die Kirchen strömen
Wer eine der beeindruckenden Tiersegnungen miterleben will, dem sei geraten, sich an die Kathedrale von Palma zu begeben, wo sich der Vorplatz mit zahllosen Menschen mit ihren Haustieren füllt.
Der Feiertag San Antonio: die Wärme der Tradition | illesbalears.travel
Die traditionsreichen Feste um San Antón Abad bieten eine wunderbare Gelegenheit, ein Stück ländliches Spanien und seine noch immer lebendigen Traditionen unweit der Mittelmeerküsten mit ihren angenehmen Temperaturen auch mitten im Winter kennenzulernen.