Das jüdische Viertel von ZaragozA
Die Stadt Zaragoza hat einen neuen Führer herausgebracht, der sich mit der jüdischen Vergangenheit der aragonesischen Hauptstadt beschäftigt. Er stellt ein neues unverzichtbares Instrument dar, um eines der weniger bekannten Gesichter der Stadt kennen zu lernen. Mithilfe des Führers lassen sich der Grundriss der alten Stadt, die Tore, Synagogen und öffentlichen Gebäude wie auch die Verwaltung des jüdischen Zaragozas entdecken. Der Führer "La Judería de Zaragoza" von Álvaro López Asensio stellt eine Reise in die Vergangenheit dar, auf der sich mannigfaltige Schätze der jüdischen Stadtgeschichte in Form von kulturellen und künstlerischen Hinterlassenschaften aufspüren lassen. So kann man beispielsweise in jedem Tympanon der Fenster der Casa de los Morlanes ein Bild entdecken, das den Juden huldigt, die im römischen Caesaraugusta im Untergrund lebten.
Die heutige Kirche San Carlos war einst die Hauptsynagoge von Zaragoza, in der alle Juden Tefillah, das Gebet mit reinem Herzen, verrichteten. Daneben existierten sechs weitere Synagogen, die über die ganze Stadt verstreut waren. Die kleinste befand sich im Haupttheater, die Frauensynagoge oder Mikvé zwischen der Kirche San Carlos und der Stadtmauer.

Der Führer liefert auch Informationen über die sechs Tore, durch die man das jüdische Viertel von Zaragoza betreten konnte: angefangen beim Ferriza-Tor in Santo Dominguito de Val bis zu den Toren der drei Callizos, die sich außerhalb der Mauern des Viertels San Miguel befanden. Im 12. Jahrhundert wurden diese Tore nachts geschlossen, um die dort lebenden Juden zu schützen. Die Tore führten zu wichtigen Orten des jüdischen Viertels wie dem Schloss, den Häusern des Talmuds (der Grund- und Mittelschule), dem Gefängnis und den jüdischen Bädern.
Ein Rundgang durch die jüdischen Viertel von Zaragoza, von La Magdalena bis zum Viertel San Lorenzo, San Andrés, Calle de los Torneros oder außerhalb der Mauern von San Miguel und dem Coso Bajo, vervollständigt den vorgeschlagenen Stadtrundgang. Darüber hinaus gibt der Führer Auskunft darüber, wie das jüdische Rechtssystem funktionierte, was es mit dem Schabbat, Jom Kipur und anderen traditionellen Festen auf sich hat und wie das jüdische Volk im Jahr 1492 vertrieben wurde.
Die jüdische Präsenz in Saragossa geht wahrscheinlich auf das römische Caesaraugusta in der Spätzeit zurück, wo der jüdischen Bevölkerung kein eigener Raum zur Verfügung stand, sondern sie verstreut in der Stadt lebte. Es scheint, als habe auch die hispano-westgotische Stadt den Juden kein bestimmtes Gebiet zugewiesen, da sie immer noch eine Minderheit darstellten.

Obwohl Bischof San Braulio von Saragossa sie in seinen Hirtenbriefen und Schriften nicht ausdrücklich erwähnt, weist er jedoch auf die Anwesenheit der Juden in einem Schreiben an Papst Honorius aus dem Jahr 632 hin. Er lehnte die restriktiven Maßnahmen, die gegen sie ergriffen wurden, ab und setzte sich für Lehre und Predigt als wirksamste Methode zur Förderung ihrer Bekehrung ein.
Der sozialer Status der jüdischen Bevölkerung verbesserte sich erst in der Zeit des muslimischen Saraqusta. Die Muslime wiesen den Juden in einem Klima des Verständnisses und der Zusammenarbeit den südöstlichen Quadranten der ummauerten Anlage zu, was ihre Autonomie und ihr demografisches Wachstum begünstigte. Das jüdische Viertel war nur ein weiterer Teil der Stadt, ohne innere Trennmauern.

Mit der christlichen Eroberung von Zaragoza im 12. Jahrhundert wurden die Juden gezwungen, von den Christen getrennt zu leben, was eine Abgrenzung ihres Wohngebiets erforderlich machte. Die aragonesischen Könige standen unter dem Einfluss der Kirche und ihrer Synoden, die für die Einhaltung dieser segregationistischen Maßnahmen sorgten. Im Jahr 1291 genehmigte König Jakob II. die Errichtung von Toren an den Eingängen der inneren Stadtmauer, die das jüdische Viertel von der Stadt trennte, um gewalttätige Übergriffe von Christen zu verhindern.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zählte die Volkszählung mehr als 300 Häuser und etwa 1.200 Einwohner, weshalb zwei neue Durchgänge im Bereich des San-Miguel-Viertels errichtet wurden. Nach der Disputation von Tortosa (1412-1414) ließ sich eine große Zahl von Juden taufen und konvertierte zum Christentum, wodurch sich die Zahl der Juden in der Stadt allmählich reduzierte.
