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Neues Aus Spanien

Mit freundlicher Genehmigung von ©Turgalicia

Februar 2023

Kamelien statt Kamellen, Generäle und Schelme statt Samba

Galicien im Februar: Blühende Kamelienbäume und außergewöhnliche, traditionsreiche Karnevalsspektakel

Der Februar ist ein farbenfroher, bunter Monat voller Lebensfreude, dank der vielen fantasievollen Kostüme, der Ausgelassenheit und dem Frohsinn des Karnevalstreibens. Aber in einem Winkel Galiciens sorgt daneben auch die Natur für ein erstes farbenfrohes Bild, stehen doch die Kamelienbäume jetzt in den Städten und herrlichen Parkanlagen an den Rías Baixas in voller Blüte und locken zu einer Reise auf die Kamelienroute.

Wie schön, dass sie vor mehr als 300 Jahren aus China und Japan auch nach Europa kam, die „Winterblume“, die Kamelie, die gerade in den grauen Monaten ihr schönstes Kleid anzieht und in farbenfroher Blüte steht. Unsere Reise im Karnevalsmonat führt nach Galicien auf die Kamelienroute an die Rías Baixas und macht Abstecher zu traditionsreichen und außergewöhnlichen Faschingsspektakeln im Hinterland.

 

Erfreuen wintermüde Augen: Farbenfrohe Kamelienblüten
C.Frentiu/Turespaña

Auf der Kamelienroute

Von den Portugiesen wurde die Kamelie einst nach Galicien eingeführt. Heute kann man die herrlichen Bäume in den zahlreichen Garten- und Parkanlagen der Pazos, der ehemaligen Herrenhäuser und auch in den Parks oder auf den Plätzen von Städten wie Santiago, Vigo oder Ourense bewundern. Mehr als 8.000 Sorten begegnen einem auf der Kamelienroute, die sich ausschließlich dieser herrlichen Pflanze widmet, die Chanel als Emblem wählte.

Kamelien-Allee im Garten des Pazo de Rubianes
Mit freundlicher Genehmigung ©Turgalicia

Schon in Santiago de Compostela fallen sie hier und da auf, die buntblühenden Bäume, die dem Winter im Westen Spaniens herrliche natürliche Farbklekse verleihen. Neben dem Besuch der berühmten Kathedrale von Santiago, dem Endziel aller Jakobspilger, sollten „Pilger“ auf der Kamelienroute als erstes einen Spaziergang durch den Lieblingspark Alameda der Einwohner einplanen, entlang seiner Wege und Alleen. Insbesondere auf dem Paseo de Ferradura trifft man auf zahlreiche Exemplare der Kameliensorte Japonica, und immer wieder gibt es herrliche Blicke auf die Stadt und die Kathedrale. In strahlendem Weiß, kräftigen Rosatönen oder leuchtendem Rot erfreuen die Blüten das wintermüde Auge.

Von Santiago geht es hinaus Richtung Ourense nach Vedra und an den Río Ulla. Hier erreichen wir in kurzer Zeit den Pazo de Santa Cruz de Ribadulla mit seinem traumhaften Gartenanlagen. In herrlichen Allen aus Kamelien- und Magnolienbäumen, Barockbrunnen und einer Allee aus uralten knorrigen Olivenbäumen vermeint man in eine andere Welt zu versinken.

(Information: http://www.pazoderivadulla.com/en/)

Traumhaft: Allee aus alten Olivenbäumen am Pazo de Santa Cruz de Ribadulla
Mit freundlicher Genehmigung ©Turgalicia

Weit entfernt von der Realität wähnt man sich auch im Park des nächsten Herrensitzes, im Pazo de Oca bei A Estrada. Das als kunsthistorische Denkmal klassifizierte Anwesen befindet sich im Besitz der Herzöge von Medinacelli. Alte Buchsbaumhecken und Zitrushaine säumen die geometrischen Gärten mit Kamelien, Magnolien und herrlichen Exemplaren von Mammutbäumen und Eiben. Einen Hauch von Romantik und Nostalgie versprüht der von einer geschwungenen Brücke überspannte Teich, an dem sich ein Bootssteg und eine Mühle befinden.

(https://www.turismo.gal/que-facer/ruta-da-camelia/pazos-e-xardins/pazo-de-oca?langId=de_DE)

Romantik und Nostalgie im Pazo de Oca in Galicien
Mit freundlicher Genehmigung von ©Turgalicia

Ein Besuch bei den "Generälen von Ulla"

Unweit von A Estrada kommt man auf dem Rückweg Richtung Santiago de Compostela an Cacheiras vorbei. Hier in der Region des Río Ulla erwartet uns das erste Karnevalsspektakel mit den „Xeneraís do Ulla“, den „Generälen von Ulla“. In neun Ortschaften ziehen reich geschmückte „Generäle“ hoch zu Pferde durch die Orte und entfachen regelrechte Wortgefechte untereinander. Man imitiert lokale oder auch nationale und internationale Größen, vor allem Politiker, die sich wortreich und sehr zum Spaß der Zuschauer „duellieren“.

 

Die Idee dieses Karnevals, „Entroido“ in Galicien genannt, der bereits seit 1870 schriftlich erwähnt ist, liegt in der Verspottung des Krieges. Sein historischer Ursprung geht zurück auf die Kämpfe, die, verursacht durch die Invasion der Truppen Napoleons, die Karlistenkriege und als Echo der Revolutionen von 1848, in der Region des Flusses Ulla stattfanden. Eine Woche lang wird diese Tradition in den verschiedenen Gemeinden gefeiert mit Umzügen, Tänzen und Musik und jenen Rededuellen zwischen den Generälen und ihren Truppen, die sich in tollen filmreifen Kostümen hoch zu Pferd gegenüberstehen und die Zuhörer und Zuschauer zu Begeisterungsstürmen verlocken. 

Filmreif gekleidet: Die Generäle von Ulla
Mit freundlicher Genehmigung von ©Turgalicia

Nach diesem Karnevalsintermezzo am Río Ulla, geht unsere Reise weiter, zurück auf die Kamelienroute. Der Name des Ortes Padrón ist Feinschmeckern besonders durch die leckeren, oft sehr scharfen, gegrillten „Pimientos de Padrón“  bekannt. Aber in dem Städtchen unweit von Santiago de Compostela kommen Garten- und Pflanzenfreunde nicht minder auf ihre Kosten im herrlichen Botanischen Garten. Durch ein schmiedeisernes Gitter gelangt man in die Anlage, die nach französischen Vorbildern errichtet wurde, an denen sich viele der galicischen Landgüter einst orientierten. Auf nur einem Hektar finden sich hier mehr als dreihundert Pflanzenarten, darunter ein jetzt im Winter farbiges Blütenmeer von Kamelien, ein riesiger Mammutbaum, der für das schattige Dach im Sommer sorgt, und Palmen, die die nötige Exotik vermitteln und deren Zweige am Palmsonntag durch den Ort getragen werden.

Ein weiterer, ausgesprochen reizvoller Garten gehört auf der anderen Flussseite zum Pazo de Lestrove oder, mit Hinweis auf die zugehörige Kapelle, auch Pazo del Ángel de Guardia genannt. In dem wunderschönen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert ist, wie in einigen dieser ehemaligen großartigen Herrenhäusern, ein Hotel untergebracht.

 

Kamelien, Wein und Meeresfrüchte an den Rías Baixas

So auch in Cambados an den Rías Baixas und am Meer gelegen, wo der Pazo de Bazán heute ein sehr reizvolles Paradorhotel beherbergt. Von hier aus lassen sich die weiteren Gartenanlagen und Paläste der Kamelienroute besuchen. Mitten in Cambados liegt der prächtige große Pazo de Fefiñáns, gleichzeitig ein Weingut, in dem man die herrlichen Albariño-Weine, den typischen Weißwein der Rías Baixas probieren kann. Dazu passen natürlich besonders gut die Meeresfrüchte und Fische aus der Bucht in der Ría de Arousa.

Die Weinberge für den berühmten Albariño Wein prägen die Landschaften der Rías Baixas
Turespaña

Von Vilagarcía de Arousa aus gelangen wir zu einem der vielleicht schönsten Pazos der Region, dem Pazo de Rubianes. Das Innere des Herrenhauses, der Weinkeller und auch die kleine Kapelle sind unbedingt sehenswert. Aber ganz besonders sind zweifelsohne die herrlichen Gartenanlagen dieses Landsitzes von an die 40 Hektar Fläche mit mehr als 100 verschiedenen Pflanzenarten, darunter zahlreiche wunderbare Kamelien.

Blick auf das Herrenhaus Pazo de Rubianes
Mit freundlicher Genehmigung von ©Turgalicia

Nicht von ungefähr wurde der Garten 2014 mit dem Titel „Kameliengarten von Internationaler Exzellenz“ ausgezeichnet. Hier kann man tatsächlich zwischen blühenden Kamelien und Weinbergen spazieren gehen und jenes Landschaftsbild erleben, das diesen Teil Galiciens so prägt. Aus den Kamelien werden hier ätherische Öle gewonnen, das die Nonnen des nahen Klosters von Armenteira in San Vicente de Meis zur Seifenherstellung nutzen, mit denen wir uns im Pazo als Souvenir für Zuhause reichlich eindecken.

(Informationen: https://www.pazoderubianes.com/en/).

Herrliche Garten- und Parkanlagen umrunden den Pazo de Rubianes
Mit freundlicher Genehmigung von ©Turgalicia

San Vicente de Meis selbst ist einen weiteren Abstecher wert und dort das Grundstück von A Saleta mit einem Garten, der von der englischen Landschaftsarchitektin Brenda Colvin entworfen worden. Der Garten rund um das Landhaus verfügt über herrliche Kamelienbäume, die jetzt im Winter mit einem rauschenden Farbenspiel von rosa, rot, weiß und violett kokettieren. Dazwischen finden sich ein Meer an Rhododendron, Azaleen und Myrthen. Und immer wieder sieht man die für Galicien so charakteristischen Eukalyptusbäume.

Als erster „Kameliengarten von Internationaler Exzellenz“ ausgezeichnet wurde 2012 der letzte Garten, den wir heute besuchen, die Gartenanlagen des Schlosses von Soutomaior, gut eine halbe Stunde von Pontevedra entfernt gelegen. Hier finden Kamelienfreunde die wohl ältesten Kamelienbäume Galiciens mit einem Alter von mehreren hundert Jahren. Auch befindet sich zwischen all den Orangen- und Eukalyptusbäumen, zwischen Magnolien und Palmen, Eichen und Kastanien ein Kamelienbaum mit insgesamt 18 Stämmen, dessen einzige Krone weit ausladend die Landschaft beherrscht. Auch das Schloss aus dem 12. Jahrhundert, halb mittelalterliche Festung, halb Palast, kann man besichtigen. Auffallend ist der wunderbare, gemeißelte neogotische Säulengang der „Galería de las Damas“. (https://www.castelodesoutomaior.com/en/o-castelo ).

Das herrliche Schloss von Sotomaior
Turespaña

Zum elegantesten Karneval Galiciens

Die Damen sind das Stichwort für unseren nächsten Abstecher zum Karneval der „Madamas e Galáns“ von Vilaboa, Cobres nahe der Ría von Vigo. Der „Entroido de Cobres“ ist zweifelsohne der eleganteste Karneval Galiciens. Die aus dem 18. Jahrhundert stammende Karnevalstradition erinnert an höfische Zeremonien, an denen sich das gesamte Dorf mit Begeisterung beteiligt. Die Kostüme, die Position bei den Tänzen und Umzügen repräsentieren die verschiedenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schichten. 

Am elegantesten gekleidet ganz in weiß, mit bunten Bändern und Schmuck behängt, mit auffallenden kunstvollen Hüten, die bei den Frauen bis zu 7 kg wiegen können, sind die Madamas und Galáns. Sie repräsentieren dadurch die gehobene Schicht. Die Mehrheit und Ende des sozialen Gefüges stellen die Dorfbewohner dar. 

Eleganz und prachtvolle Kostüme tragen die Madamas und Galáns in Cobres
C.Frentiu/Turespaña

Die „Madamas“ und „Galáns“ besuchen an den Karnevalstagen in Begleitung eines Orchesters die verschiedenen Dörfer des Gemeindebezirks und tanzen den „Danza de Cobres“. Der Faschingsdienstag ist der ausgelassenste Tag, den besonders die jugendlichen Einwohner feiern mit ausgelassenen Spielen, wie der „corrida de gallo“ mit symbolträchtigen Ritualen, wie dem „Hahn im Fluss“ oder dem „Hahn am Stock“ und weiteren wichtigen Persönlichkeiten dieses Karnevals, wie den Aufpassern des Hahns, „,los lloronas“ – den „Heulsusen“ oder dem Prediger. Ein herrlicher Karneval voller Tradition und ein echtes Highlight für Augen und Ohren.

Die Madamas und Galáns beim "Entroido de Cobres"
Mit freundlicher Genehmigung von ©Turgalicia

Im magischen Dreieck des galicischen Karnevals

Von der Küste der Rías Baixas wenden wir uns für ein weiteres besonderes Karnevalserlebnis ins Landesinnere in die Provinz Ourense. Der Ort Laza gehört gemeinsam mit Xinzo de Limia und Verin zum „magischen Dreieck“ des galicischen Karnevals. Das Spektakel beginnt hier schon Wochen vor dem eigentlichen Karneval mit den vier Freitagen der Folions. Dabei handelt es sich um Gruppen, die nachts durch die Straßen streifen und mit verschiedenen Gegenständen trommeln und klopfen, um die bösen Geister zu vertreiben: Ein buntes Treiben, das bis in die Morgenstunden andauert. Am Karnevalssonntag dann übernehmen die “Peliqueiros” das Regiment über die folgenden Tage. Sie sind die charakteristischen Figuren des Karnevals von Laza, ähnlich wie die „Cigarrons“ von Verín.

Die Peliqueiros zeigen sich in einem sehr originellen Outfit, einem Kostüm mit kunstvollen Masken und riesigen Dreispitzhüten, die meist von einer Tierfigur geschmückt werden. Sie tragen "chocas", Kuhglocken als Gürtel, eine Jacke und eine Peitsche, die jene zu spüren bekommen, die es wagen, an diesen Tagen ohne Kostüm auszugehen. Die Cigarrons und Peliqueiros dürfen nicht berührt werden, wohl aber beleidigt. Sie haben am Faschingssonntag ihren großen Auftritt und weit mehr als 100 von ihnen versammeln sich zur „Estrea do Peliqueiro". Dann laufen sie durch die Straßen, treiben den ein oder anderen Schabernack mit den Zuschauern am Straßenrand und laden im Anschluss Nachbarn und Besucher zur typischen Bica, einem Kuchen ein.

 

Ein herrliches Outfit - Die Peliqueiros von Laza
C.Frentiu/Turespaña

Ein weiterer großer Tag in Laza ist der "Luns de Entroido", der Faschingsmontag, mit Ritualen wie A Farrapada, einem Gefecht mit in Schlamm getauchten Lappen, einer Xitanada, was eine Prozession mit Eseln ist oder A Baixada da Morena, bei der eine Art Satyr mit dem Kopf einer Kuh die Frauen jagd, während sein Gefolge Mehl und lebende Ameisen auf die Menge regnen lässt.  

In Verín ist der “Jueves de las Comadres” bekannt und beliebt. Am Donnerstag vor Fasching begehen die Frauen des Ortes eine Lichterprozession und kündigen so den Karneval an. Und am Karnevalsdienstag gibt es die Fariñadas, lustige Mehlschlachten, die allen einen ganz besonderen Spaß bereiten.

 

Die Peliqueiros kommen. Faschingssonntag in Laza
Mit freundlicher Genehmigung von ©Turgalicia