Feuerlauf, Fackeln und Freudenfeuer – Der Juni in Spanien
Spanien feiert die Sommersonnenwende am Meer und in den Bergen mit ausgelassenen Freudenfeuern und Fackelläufen.“
Magische Nächte, die vom Feuer, von tanzenden Fackeln und vom Widerschein prächtiger Lagerfeuer geprägt sind, markieren den Beginn des Sommers am Meer und in den Bergen Spaniens.
In ganz Spanien finden sich die Riten zum Johannisfest um den 23. Juni. Die Feuer werden wie in vielen Regionen Europas als Symbol für die Kraft des Lichtes und der Sonne entfacht. Schon bei unseren heidnischen Vorfahren sollte es böse Geister vertreiben, wurde später von den Christen für den Festtag von Johannes, dem Täufer übernommen, der die Ankunft des lichtbringenden Messias verkündet hatte.
Feuermagie in den Bergen
Hunderte von Menschen haben sich auf dem Hausberg des kleinen Pyrenäenortes Bonansa in Aragonien zum gemeinsamen abendlichen Picknick versammelt. Die Stimmung ist ausgelassen. Auf dem höchsten Punkt des Berges warten mehrere größere Scheiterhaufen darauf, entzündet zu werden. An den Wänden einer Hütte aus Stein lehnen die zahlreichen, aus Haselnuss und Buchenholz geschnitzten „Fallas“, Fackeln, die später nach Anbruch der Dunkelheit an dem großen Feuer angezündet werden.
Gesang und Musik aus alten volkstümlichen Weisen werden angestimmt, als das Lagerfeuer entfacht wird. Bei Einbruch der Nacht kommt einer nach dem anderen mit seiner Fackel, sie wird ins Lagerfeuer gehalten bis sie brennt und dann wird sich eingereiht. In der Dunkelheit der Nacht dient jede Fackel jeweils dem Hintermann als einzige Lichtquelle.

Denn nun heißt es, eine riesige Schlange aus Fackeln zu formen, die sich den Berg hinunter bewegt und die Nacht erleuchtet. Kurz vor dem Eingang ins Dorf beginnen alle unter dem Jubel der am Straßenrand stehenden Zuschauer zu rennen, um ihre Fackel schließlich dem Lagerfeuer zu übergeben, das den Dorplatz erleuchtet, und dann folgt eine ausgelassene Party bis zum Morgengrauen.

In zahlreichen Dörfern der Pyrenäen, in Aragonien, Katalonien, aber auch Frankreich und Andorra werden die „Fallas del Pirineo“ gefeiert, die mittlerweile zum Immateriellen Kulturgut der Menschheit deklariert wurden.
Information: https://www.spain.info/de/kalender/feuerfest-sommersonnenwende-pyrenaeen/; http://fallasdelpirineo.com/

Tanz auf den Feuersgluten
Ganz anders wird der Sommer in San Pedro Manrique, einem Ort in der Provinz Soria in Kastilien León begrüßt. Ein speziell aus Eichenholz angezündetes Lagerfeuer wird hier am Abend des 23. Juni am Fuß der Kapelle der Virgen de la Peña vorbereitet. Das Feuer wird herunterbrennen lassen und kurz vor Mitternacht wird die Glut zu einem Teppich ausgebreitet. Gebannt blicken die Zuschauer gegen Mitternacht auf diesen glühenden Teppich, über den an die zehn junge Männer des Dorfes dann todesmutig unter dem Beifall der Bewohner und Besucher des Ortes mit nackten Füßen schreiten. Keiner verbrennt sich dabei. Allerdings erzählt man sich, dass nur die jungen Männer aus dem Dorf heilen Fusses das Feuer überschreiten können. Einige von ihnen tragen während dem Feuerlauf eine weitere Person auf den Schultern, um ganz fest auf der heißen Glut auftreten zu können.
Am nächsten Tag sind es drei junge Mädchen des Dorfes, die sogenannten Móndidas, die die Aufmerksamkeit auf sich lenken. In langen weißen Kleidern mit einem Hut in Form eines Korbes, gefüllt mit Brotblumen und langen Stangen aus Brotteig mit Safran führen sie eine feierliche Prozession durch den Ort an. Ein Fest, von dem manche behaupten, es gehe zurück auf uralte Riten der Danksagungen und Opfergaben an die Götter oder Göttinnen der Landwirtschaft, andere meinen, es entstamme der Tradition der keltischen Priesterinnen. Wie auch immer, die jungen Mädchen ziehen an diesem Tag zur Kapelle der Virgen de la Peña und opfern dort feierlich während einer Messe ihre Gaben aus dem Korb. Zurück im Dorf endet das uralte Fest mit dem Volkstanz der Region, der Jota.
Information: https://www.spain.info/de/kalender/feuerlauf-mondidas/

Feuernächte an den Stränden von Alicante, A Coruña und Málaga
Szenenwechsel in den Südosten Spaniens, wo Alicante seine jährlichen „Fallas“ feiert. Wie in der Autonomen Region Valencias üblich, dürfen hier die „Máscletas“, die ohrenbetäubenden Schießpulver-Spektakel, und die Ninots, die riesigen Figuren aus Pappmaché, die in der Johannisnacht verbrannt werden, nicht fehlen.
Bereits am 13. Juni beginnen die nächtlichen Máscletas. Ab dem 18. Juni sorgen die täglichen Schießpulver-Spektakel jeweils um 14.00 Uhr auf der Plaza de Luceros für das nicht zu überhörende Leben in der Stadt. Am 20. Juni werden die satirischen Figuren aufgestellt. An den beiden darauffolgenden Tagen legen die in wunderschöne Trachten gekleideten „Falleras“ aus den verschiedenen Gemeinden der Provinz Alicante ihre Blumenspenden an der Plaza Abad Penalva vor dem Bildnis der Schutzpatron Virgen del Remedio ab. Am 23. Juni folgt ein sehenswerter Umzug mit Wagen, Tanz- und Musikgruppen und ab Mitternacht auf den 24. Juni werden schließlich unter großem Jubel die Figuren entzündet. Das Feuerspektakel endet mit der „Banya“, dem Wasserbad, für das die örtliche Feuerwehr zuständig ist.

Die darauffolgenden Tage bis zum 29. Juni sind markiert durch ein „Feuerfest“ mit Feuerwerken am Strand und einem fröhlichen mittelalterlichen Markt.
Information: https://www.spain.info/de/kalender/johannisfeuer-alicante/

Ganz im Nordwesten Spaniens füllen sich die Strände von A Coruña, vor allem die von Riazor und Orzán, am 23. Juni um Mitternacht mit Tausenden von Menschen. Die Coruñeses feiern ihr größtes Stadtfest in diesen Tagen und vor allem in dieser Nacht mit hunderten von Lagerfeuern und den traditionellen „Sardiñadas“. In allen Stadtvierteln und abends an den Stränden werden gebratene Sardinen zubereitet. Viele Menschen nehmen in dieser besonderen Nacht des Jahres ein Bad im Meer, tauchen in das Wasser als Symbol für ein altes Reinigungsritual ein. Auf den Wellen des Kantabrischen Meeres spiegelt sich in dieser Feuernacht „noite da quema“ der Schein der zahlreichen Feuer.

Schon Tage zuvor lebt A Coruña im Zeichens des Johannisfestes mit zahlreichen Veranstaltungen, wie Konzerten oder Sportevents, Umzügen der Riesen und Schwellköpfe, begleitet vom Klang der traditionellen Dudelsäcke, die hier in Galicien Gaitas heißen.
Information: https://www.spain.info/de/kalender/johannisfeuer-a-coruna/
Das Feuer und das Wasser sind auch in Málaga im Süden Spaniens die Protagonisten der Johannisnacht. Besonders die Playa de la Magueta füllt sich am 23. Juni mit Live-Musik-Konzerten und mit Lagerfeuern, in denen ab Mitternacht die „Júas“, Puppen aus alten Lumpen, gefüllt mit Sägemehl und Papier, verbrannt werden.
Und alle baden im Meer oder waschen sich symbolisch ihr Gesicht mit Meerwasser, was nach altem Volksglauben die Gesundheit und Schönheit erhalten soll.
Information: https://visita.malaga.eu/es/agenda/noche-de-san-juan-p105835

Strohpuppen, eine Flamme aus den Bergen, spektakuläre Pferderennen und Botschaften auf Papier
In vielen weiteren Küstenorten leuchtet das Meer in dieser Nacht vom Widerspiegeln der Johannisfeuer. So auch in Torre del Mar, wo ebenfalls der Brauch des Gesichtwaschens mit Meerwasser besteht und sogar ein Wettbewerb um die originellsten „Júas“ ausgeschrieben ist.
Oder in Vejer de la Frontera im Hinterland der Costa de la Luz, wo während der „Candelá de San Juan“ Strohpuppen, die „Juanillos“ und „Juanillas“ dem Feuer übergeben werden.
In Tarragona dagegen, an der Costa Dorada, sorgen auch Knallkörper für die Geräuschkulisse. Traditionsgemäß werden die Lagerfeuer in der katalanischen Stadt mit der „Llama del Canigó“ angezündet, einer Fackel, die auf dem Gipfel des Canigó in den Pyrenäen entzündet wurde.
Vom 5. bis 8. Juli findet darüber hinaus in Tarragona ein internationaler Feuerwerks-Wettbewerb statt, ein Spektakel, das in der ersten Juliwoche den Himmel über der alten Römerstadt erleuchtet.

In Bermeo an der Biskayaküste schreiben die Bewohner Botschaften auf ein Stück Papier, alles Schlechte des vergangenen Jahres zu verbrennen und Glück für die kommenden Monate zu wünschen.
Und ein Stück weiter entlang der Kantabrischen Küste feiert Laredo in Kantabrien mit einem großen Lagerfeuer an der Playa de Salvé, die "Sanjuaneros" aus Laredo offerieren gebratene Sardinen und veranstalten einen alljährlichen Umzug durch den Ort an den Strand, wo ein traditionelles Fußbad dem Symbol der Reinigung auch hier Rechnung trägt.

Redet man über die vielen Feierlichkeiten und Besonderheiten des Johannisfestes, so darf ein Sprung über das Mittelmeer auf die Baleareninsel Menorca nicht fehlen. In der ehemaligen Hauptstadt Ciutadella sind neben dem Feuer besonders die Pferde und Reiter die Hauptakteure des mehrere Tage andauernden Festes. Den Anfang macht am Sonntag vor den eigentlichen Festtagen (23. und 24. Juni) der "Homo des Be", der Mann mit dem Lamm, der mit Schafsfellen bekleidet und mit einem lebenden Lamm auf seinen Schultern vom Palast des "Caixer Senyor", wo Flötenklänge das Fest einläuten, durch die Straßen des wunderschönen Städtchens zieht und Johannes den Täufer repräsentieren soll. Am 23. und 24. Juni folgen dann wiederum auf das Flötenspiel am Palast die spektakulären Pferderennen und -vorführungen in den Altstadtstraßen.

Eine nicht unbedeutende Rolle spielen auch Haselnüsse an diesem Fest. Sie werden traditionsgemäß während der Festtage geworfen, zurückgehend wohl auf eine Tradition, dass Männer früher den Frauen, die sie umwarben, eine Handvoll Haselnüsse zugeworfen haben.
https://www.spain.info/de/reiseziel/ciutadella-menorca/

Auch in Laguardia in der Rioja Alavesa im Baskenland spielt nicht nur das Feuer eine Rolle am Johannistag. Das Städtchen feiert in diesen Tagen sein Patronatsfest zu Ehren von San Juan und San Pedro. Hier sind es vor allem die Tänzergruppen, angeführt von der Figur des Cachimorro, und die feierliche Übergabe der Stadtflagge, ein Encierro, Stierlauf durch die Straßen und am Ende das Begräbnis eines Weinfasses wichtige Elemente des Festes.
Information: https://www.laguardia-alava.com/de/freizeit-und-kultur/feiertage/san-juan-und-san-pedro

Egal, wo man die Tage um die Sommersonnenwende in Spanien verbringen mag, es lohnt sich überall, sich den Bewohnern anzuschließen und im Widerschein des Feuers mitzufeiern und den Sommer willkommen zu heißen.