100 Jahre – Chillida, der „Dichter des Raums“
„An die Toleranz“, „Lob an den Horizont“, „Suche nach dem Licht“, „Weg zum Frieden“. So poetisch lauten die Namen der Kunstwerke eines der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Eduardo Chillida aus dem baskischen San Sebastián – Donostia wäre am 10. Januar dieses Jahres 100 Jahre alt geworden.
„Der Poet des Raums“, wie sein Sohn und Präsident der Stiftung Eduardo Chillida y Pilar Belzunce, seinen Vater kürzlich nannte, starb am 19. August 2002 ebenfalls in seiner Heimatstadt San Sebastián.
Mit der Installation seines Werkes – „Lugar de Encuentros IV“ im Museum Chillida Leku im baskischen Hernani und einer Ausstellung in Österreich fällt in diesem Frühling der Startschuss für das umfangreiche Kulturprogramm mit internationalen Ausstellungen, Musik- und Lehrveranstaltungen, Vorträgen und Publikationen, das die Stiftung Eduardo Chillida – Pilar Belzunce für den Verlauf dieses Jahres bis 2025 aus Anlass des Jubiläums organisiert. Mit dem Programm soll nicht nur die Erinnerung an die unvergleichlichen Werke des Künstlers, sondern auch seine sozialen Werte und sein Weltverständnis, das er immer in seinen Werken zum Ausdruck brachte, wachgehalten und an zukünftige Generationen weitergegeben werden.
Chillida, der sich selbst als einen „Baum mit Wurzeln in einem Land, aber mit zur Welt hin geöffneten Ästen“ bezeichnet hat, war für seine Weltoffenheit bekannt. Seine Werke sind in zahlreichen Ländern, auch in Deutschland, unter anderem in Berlin, Bonn, Düsseldorf, Münster oder München zu entdecken. Noch bis Oktober 2024 ist im Museum Würth im baden-württembergischen Künzelsau eine Ausstellung mit Werken von Eduardo Chillida und Antony Caro zu sehen. Berühmt wurde der Künstler vor allem durch die riesigen Skulpturen aus verschiedenen Materialien, die insbesondere durch ihre raumgreifenden Strukturen auffallen.

Am 10. Januar 1924 wurde Eduardo als einer von drei Söhnen des Militärangehörigen Pedro Chillida Aramburu und Carmen Juantegui Eguren geboren. In Madrid begann er eine Ausbildung zum Architekten und machte sich daneben einen Namen als Torwart des Fußballteams Real Sociedad seiner Heimatstadt, eine Leidenschaft, die er nach einer Knieverletzung aufgeben musste. 1947 begann er im Circulo de Bellas Artes in Madrid zu zeichnen und erlernte die Bildhauerei in der Werkstatt von José Martínez Repullés, einem Freund der Familie. 1948 folgte eine Zeit des künstlerischen Schaffens in Paris und die Begegnung mit dem Maler Pablo Palazuelo, der zum engen Freund und Förderer im Laufe seiner künstlerischen Ausbildung werden sollte. In Paris entdeckte er seine Liebe zur Kunst der griechischen Antike und 1950 wählte die Galerie Maeght seine Werke Torso und Metamorphose für eine Ausstellung. Im gleichen Jahr heiratete Eduardo Chillida seine Frau Pilar Belzunce. 1951, nach der Geburt des ersten von insgesamt acht Kindern, kehrte das Paar ins Baskenland nach Hernani zurück.
In Hernani richtete er sich eine Werkstatt mit eigener Schmiede ein und begann mit seinen ersten Arbeiten aus Eisen, später unter der Verwendung von Werkzeugen, wie Äxten oder Spaten aus der ländlichen Umgebung für seine Skulpturen. Seine erste Collage „Windkamm I“, heute im Reína Sofía Kunstzentrum in Madrid zu bewundern, entstand. Erst 1977 wurden die berühmten „Windkämme“ – „Peine de los Vientos“ am Meeresufer in San Sebastián installiert.

1954 gab es die erste eigene Ausstellung in Madrid und Eduardo Chillida wurde beauftragt mit der Gestaltung der Eingangstore der Basilika von Aranzazú im baskischen Oñati. Ausstellungen in der Kunsthalle Bern und in Paris folgten und 1958 fertigte der Künstler 18 Skulpturen für den spanischen Pavillon auf der XXIX Biennale von Venedig, wo er den Großen Internationalen Preis für Bildhauerei erhielt. Zum Ende der 50er Jahre sind seine Werke in Venedig, Pittsburgh, Chicago, Minneapolis, im Guggenheim Museum New York und auf der Documenta in Kassel zu sehen. 1960 wurde ihm der Kandinsky Preis verliehen, 1961 entstand seine erste große Skulptur aus Holz für das Museum of Fine Arts in Houston. 1965 begann Chillida mit den Arbeiten aus Alabaster, ein Jahr später aus Granit. Er erhielt im gleichen Jahr den Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein Westfallen und war mit Ausstellungen in Duisburg und München, ein Jahr später in Bochum, Nürnberg, Düsseldorf und der Akademie der Künste in Berlin vertreten.

Ende der 60er Jahre traf er den Philosophen Martin Heidegger, für dessen Buch „Die Kunst und der Raum“ er sieben Litho-Collagen fertigte. Seitdem und während der 70er, 80er und 90er Jahre entstanden zahlreiche seiner beeindruckenden Skulpturen, die in vielen Ländern Europas, in Spanien und den USA ihren Platz fanden. Weltweit befinden sich seine Arbeiten, Skulpturen, Collagen, Zeichnungen, Gravuren, Werke auf Acryl oder Filz in den berühmtesten Kunstzentren und Museen. Unzählige internationale Ausstellungen und renommierte Auszeichnungen vom Prinz-von-Asturien-Preis bis zum Kaiserpreis in Japan hoben das Ansehen des beliebten unermüdlich schaffenden Künstlers, der 1987 in Deutschland mit dem Bundesverdienstpreis geehrt wurde. Sein soziales Engagement, sein Engagement für Menschlichkeit, unsere Umwelt, Frieden und Freiheit brachte er immer wieder in seinen Arbeiten und öffentlichen Auftritten zum Ausdruck. Bekannte Literaten wie der Mexikaner Octavio Paz oder der Philosoph Martin Heidegger verewigten die Kunst Chillidas in ihren eigenen Werken.
Im Jahr 2000 wurde in der deutschen Hauptstadt seine Skulptur Berlin zur Erinnerung an die deutsche Wiedervereinigung vor dem Kanzleramt installiert. Im gleichen Jahr eröffnete das Museum Chillida Leku in Hernani, wo sich heute auch sein Grab und das seiner Frau unter dem „Cruz del Vacío – Kreuz der Leere“, der letzten Arbeit Eduardos, beschirmt von einem Magnolienbaum befindet.

Hier in diesem einzigartigen Museum, das der Künstler selbst gemeinsam mit seiner Frau schuf, lässt es sich am besten eintauchen in die Welt und das Werk des Eduardo Chillida. In der herrlichen sattgrünen Parklandschaft mit den Skulpturen Chillidas befindet sich der Caserio de Zabalaga, eines der typischen baskischen Bauernhäuser, das der Künstler im Jahr 1984 erworben hatte. In seinen Innenräumen befindet sich heute der zweite Teil des Museums neben dem Außenbereich des Skulpturenparks. Chillida Leku ist ein wunderbarer Ort (=leku), der ein unbeschreibliches Ambiente von Frieden und Harmonie widerspiegelt.

Nicht weit von San Sebastián, der eleganten und lebensfrohen Küstenstadt mit dem berühmten Windkamm an den herrlichen Stränden entfernt, verdient Chillida Leku nicht nur in diesem Jubiläumsjahr unbedingt einen Besuch. Wer aber dieses oder nächstes Jahr einen Besuch im Baskenland oder Spanien plant, den erwarten daneben eine ganze Reihe von Ausstellungen zu den Werken von Chillida, u.a. auf Menorca, wo der Künstler viele Sommerurlaube mit seiner Familie verbrachte oder in Valladolid, der Stadt aus der einer seiner besten Freunde, der Dichter Jorge Guillén stammte, dem Chillida seine in der Stadt zu sehende Skulptur „Lo profundo es el aire“ – „So tiefgründig ist die Luft“ widmete.
Im Baskenland selbst locken Ausstellungen zum Werk des Künstlers in San Sebastián, Bilbao, Vitoria-Gasteiz, Getaria und Hernani. Daneben gibt es Musik- und Tanzveranstaltungen, unter anderem die „Recorridos Musicales“, musikalische Rundgänge mit, an den Werken Chillidas inspirierten Kompositionen entlang seiner Skulpturen in San Sebastián und in Chillida Leku.
Alle Informationen zum Leben und Werk des Künstlers und dem umfangreichen Programm zum Jubiläumsjahr für 2024 und 2025 unter:
Eduardo Chillida 100 years | Eduardo Chillida sowie https://www.spain.info/de/chillida-100/
