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Neues aus Spanien

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September 2024

Menorquinische Talayots - Steinerne Zeugen einer prähistorischen Kultur

Auf der 45. Jahrestagung des Komitees der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) wurden die prähistorischen Talayot-Stätten auf der Insel Menorca im vergangenen Jahr zum Weltkulturerbe erklärt. Damit verfügt Spanien über insgesamt 50 Welterbestätten und steht weltweit an fünfter Stelle. Dazu gehören u.a. die Moschee von Córdoba, die Alhambra, der Generalife und der Albaicín in Granada, die Kathedrale von Burgos, die Altstadt von Santiago de Compostela, die Artenvielfalt von Ibiza und Werke von Gaudí.

Balearen
Turespaña

Einzigartige prähistorische Überreste

Menorca ist vor allem wegen seiner schönen Buchten bekannt. Doch die Insel hält weit mehr Schätze für Neugierige bereit. Dazu gehören megalithische Konstruktionen aus Stein, die über die ganze Insel verteilt sind. Die sogenannten Talayots, Taulas oder Navetas auf Menorca wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, da sie eine der höchsten Dichten an prähistorischen archäologischen Stätten in einem bewohnten Gebiet der Welt aufweisen. Menorca zählt nicht weniger als 1.600 prähistorische Monumente. Die meisten archäologischen Überreste stehen unter freiem Himmel und sind in die Naturlandschaft integriert.

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Aussergewöhnliche 
archäologische Fundstätten auf den Balearen

Türkisblaues Wasser, grüne Mittelmeerflora und jahrtausendealtes, graues Gestein. Die talayotische Kultur fügt sich in die Farbpalette Menorcas ein und verleiht ihr einen Hauch von Exklusivität, der ihre Anziehungskraft noch erhöht. Die prähistorischen Monumente wurden vorwiegend im 9. Jh. v. Chr. von den ersten Bewohnern Menorcas errichtet. Die kolossalen Bauten waren für rituelle Handlungen, als Begräbnisstätten und als Symbol der Einheit bestimmt.

Sie wurden aus großen Steinblöcken ohne Mörtel errichtet und zeugen von der sogenannten "zyklopischen Architektur.” Typisch für diesen Baustil sind runde Häuser, von Säulen getragene Dächer und künstliche, Hypogäen genannte Höhlen. Die Bauten lassen Rückschlüsse über die prähistorischen Inselkulturen der Region zu. Ihre räumliche Verteilung weist auf hierarchische Gesellschaften hin, die Blickachsen auf soziale Netzwerke und die astronomischen Ausrichtungen auf ein religiöses Bedeutungssystem. Das menorquinische Welterbe umfasst neun Gebiete, die etwa fünf Prozent der Insel ausmachen und auf denen sich 280 Talayot-Fundstätten befinden.

Wenn man die Talayots betrachten will, muss man den Blick gen Himmel richten, denn die Steintürme ragen bis zu fünf Meter in die Höhe. Sie dienten als Festung und Aussichtspunkte.

 

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Turespaña

Die Taulas waren Heiligtümer, in denen unter anderem Fruchtbarkeitsrituale gefeiert und Tieropfer erbracht wurden. Das Feuer spielte bei diesen Ritualen eine äußerst wichtige Rolle. Ein weiteres Bauwerk, das nur auf Menorca zu finden ist, sind die Navetas, Sammelgräber, die aus mittelgroßen Steinen errichtet wurden. An der Steilküste und den Felsschluchten der Insel sind zudem Totenhöhlen bzw. Begräbnisstätten aufzufinden. Diese sind jedoch im Vergleich zu den anderen Monumente schwer zu erreichen. Auf der Route zwischen Maó und Ciutadella, die das Innere Menorcas von Ost nach West durchquert, hat man Gelegenheit, einige   der bestbewahrten Talaiot-Überreste zu entdecken. Dazu gehören die Siedlung Trepucó (2 Kilometer von Mahón entfernt), die megalithische Grabstätte Biniai Nou (5 Kilometer von Mahón entfernt); die Taula von Torralba d'en Salord (zwischen Mahón und Alaior), die Siedlung Talatí de Dalt, die Begräbnisstätte Calescoves, die Naveta des Tudons (Ciutadella) und die Taula von Torretrencada (Ciutadella). Um mehr über berühmtesten prähistorischen Talaiot-Fundstätten zu erfahren, werden auch geführten Besichtigungen angeboten.

 

Mehr Information:

Talayots Menorca | spain.info

Menorcatalayotica.info

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