Voller Eleganz: Die Madamas e Galáns von Cobres in Galicien

Neues Aus Spanien

Turismo de Galicia

Februar 2025

Karneval mit Geschichte

Eine Reise zu Spaniens schönsten traditionellen Karnevalsspektakel

Zum Karneval nach Spanien: Da geht es je nach Region zu lateinamerikanischen Rhythmen und frühlingshaften Temperaturen auf die Kanaren; zu mit Schafsmänteln bekleideten Gesellen, die mit Kuhglocken läutend durch die Straßen der Dörfer am Fuß der Pyrenäen in Navarra stürmen, zu lärmenden Generälen und seltsamen Gesellen mit bunten Tiermasken nach Galicien bis zu den berühmten Chören von Cádiz, die um die besten satirischen Gesänge des Jahres wetteifern. 

 

Karneval am Fuss der Pyrenäen

Wir beginnen unsere Reise zum Karneval nach Spanien in den Dörfern am Fuß der Pyrenäen im Norden des Landes in Navarra. Die Traditionen des Karnevals hier reichen zurück auf uralte Riten zur Feier der Wintersonnenwende und sind eng verbunden mit der Erde und den ländlichen Traditionen der Region.

Nicht an den Tagen vor Aschermittwoch, sondern bereits alljährlich am Montag und Dienstag vor dem letzten Sonntag im Januar feiern die Menschen in den Dörfern Ituren und Zubieta im Pyrenäental von Malerreka ihren Karneval, dessen Hauptfiguren die Joaldunak sind. Sogenannte Zanpantzar, Gruppen von Einwohnern aus beiden Dörfern verkleiden sich als Joaldunak mit spitzen Hüten, die mit Bändern und einem Stück Rosshaar versehen sind, tragen Schafsmäntel und Sandalen. 

Der Karneval von Ituren und Zubieta in den Pyrenäen Navarras
Francis Vaquero - Turismo de Navarra

Bei ihrem  Zug durch die beiden Dörfer läuten sie laut die riesigen Kuhglocken, die sie an ihren Gürtel befestigt haben. Sinn des Lärms ist es böse Geister zu verscheuchen. Begleitet werden die Gruppen von weiteren Figuren, wie dem Bären oder „Harza“, wilden Tieren und den Widdern. Am Montag um die Mittagszeit machen sich die Zanpantzar aus Zubieta auf ins Nachbardorf, treffen sich an einer Brücke zwischen den beiden, 3 km entfernt voneinander liegenden Orten.

Gemeinsam mit den Joaldunak aus Ituren führen sie ihren Zug fort und begeben sich mit rhythmischem Geläute entlang der Felder und grünen Berge zum Dorfplatz von Ituren. Neben dem Vertreiben alles Bösen auf diesem Weg soll das Läuten die Erde rund um sie herum aus dem Winterschlaf erwecken. Am nächsten Tag geht es gemeinsam zum Nachbardorf in demselben Ritual.

Die Zanpantzar am Karneval auf dem Weg zwischen den beiden Dörfern Ituren und Zubiete in Navarra
Turespaña

In Lantz, einem weiteren Dorf nördlich von der Hauptstadt Pamplona bestimmt die Figur des Banditen Miel Otxin das alljährliche Karnevalstreiben, das hier an den offiziellen Karnevalstagen vor dem Aschermittwoch gefeiert wird. Miel Otxin repräsentiert die schlechten Geister und so wird er immer am Karnevalsdienstag gefangen, ihm wird der Prozess gemacht und es erfolgt, wie sollte es anders sein, die Todesstrafe für ihn.

 

Die Ursprünge dieser Karnevalstradition sind unbekannt. 1964 drehte der Filmemacher Pio Caro Baroja einen Dokumentarfilm über die Überlieferungen, die sich die älteren Einwohner des Dorfes erzählten. Der Legende nach war Miel Otxin der gefürchtetste jener Banditen, die zu einer Epoche in der Vergangenheit die Einwohner des Dorfes überfielen und ausraubten.

Heute wird er dargestellt von einer etwa drei Meter großen Puppe mit weit ausgestreckten Armen und bekleidet mit einer blauen Hose, buntbedrucktem Hemd und einer roten Schärpe um die Hüften. Auf dem Kopf trägt er einen auffallend geschmückten bunten spitzen Hut. Auf seinem Zug am Dienstagnachmittag durch das Dorf wird er begleitet von weiteren, auffällig gekleideten Wesen. Da ist der gutmütige Ziripot, der sich kaum aufrecht fortbewegen kann, weil er aus dick mit Heu gefüllten Säcken besteht und von einem Pferd, dem Zaldiko, gejagt und immer wieder zu Boden geworfen wird. Das Pferd wiederum wird verfolgt von den Arotzak, Typen mit Hämmern und Zangen.

Diese wilde Meute wird vervollständigt durch die in Felle gekleideten Txatxos, die mit ihren Stöcken und Besen alle in den Straßen jagen.

Buntes Karnevalstreiben rund um den Banditen Miel Otxin in Lantz, Navarra
Getty Images

Der Dienstag stellt den Höhepunkt des Karnevals von Lantz dar mit den volkstümliche Tänzen des Zortziko  und gemeinsamen Essen. Und am Abend wird nach seinem Umzug durch das Dorf die Puppe des Räubers Miel Otxin verurteilt und auf dem aufgebauten Scheiterhaufen den Flammen übergeben.

Das vielleicht „unheimlichste“ Karnevalsspektakel Navarras findet in Altsasu - Alsasua am Karnevalsdienstagabend statt, wenn in der Dämmerung die Momotxorros die Straßen bevölkern. Finstere Gesellen, deren Gesichter unter schwarzem Stoff verborgen sind. Darüber riesige Hörner. Die weißen Laken, die sie einhüllen, sind blutverschmiert, der Rücken bedeckt mit einem Schaffell, darunter eine blaue Hose und schwarze Sandalen. Zwischen im Ort angezündeten Lagerfeuern laufen sie laut brüllend und die Menschen verfolgend hin und her.

Die Momotxorros von Altsasu versetzen am Karneval die Einwohner in Schrecken
Juan José Martínez Herrera - Turismo de Navarra

Es gab sie bereits vor den 1930er Jahren, ehe dieses Fest verloren ging, um in den 80er Jahren wiederbelebt zu werden und um neue Figuren ergänzt. Begleitet wird der wilde Trupp heute von Sorginak, Hexen, einem Ziegenbock und der Figur des Mascaritas, die eine Kopfbedeckung aus glänzendem mit einem Seil und einem Pompon zusammengebundenen Damast trägt. An verschiedenen Stellen bleibt der Trupp stehen und beginnt den wilden Momotxorroen Tanz. Dieses wilde Karnevalsspektakel endet am ersten Samstag nach dem Aschermittwoch. 

Weitere sehenswerte traditionelle Karnevalsspektakel in Navarra finden darüber hinaus in Aoiz und in Goizueta statt. In Aoiz sind die Protagonisten die Cascabobos und Mascaritas, die ebenfalls mit verhüllten Gesichtern und bunten Hüten und Kleidern lärmend und um sich schlagend durch die Ortschaft ziehen.

Informationen: https://www.visitnavarra.es/en/w/carnivals-of-navarre-magic-and-tradition

Lagerfeuer erhellen die Nacht am Karneval von Altsasu - Alsasua
Juan José Martínez Herrera - Turismo de Navarra

Ins magische Dreieck des Karnevals von Galicien

Wir begeben uns von Navarra in den Westen Spaniens nach Galicien ins magische Dreieck des galicischen Karnevals in der Provinz Ourense.

 

Der Ort Laza gehört gemeinsam mit Xinzo de Limia und Verin zum „magischen Dreieck“ des galicischen Karnevals. Das Spektakel beginnt hier schon Wochen vor dem eigentlichen Karneval mit den vier Freitagen der Folions. Dabei handelt es sich um Gruppen, die nachts durch die Straßen streifen und mit verschiedenen Gegenständen trommeln und klopfen, um die bösen Geister zu vertreiben: Ein buntes Treiben, das bis in die Morgenstunden andauert. Am Karnevalssonntag dann übernehmen die “Peliqueiros” das Regiment über die folgenden Tage. Sie sind die charakteristischen Figuren des Karnevals von Laza, ähnlich wie die „Cigarrons“ von Verín.

Karnevalstreiben in Xinzo de Lima
Vicva - Shutterstock

Die Peliqueiros zeigen sich in einem sehr originellen Outfit, einem Kostüm mit kunstvollen Masken und riesigen Dreispitzhüten, die meist von einer Tierfigur geschmückt werden. Sie tragen "chocas", Kuhglocken als Gürtel, eine Jacke und eine Peitsche, die jene zu spüren bekommen, die es wagen, an diesen Tagen ohne Kostüm auszugehen. Die Cigarrons und Peliqueiros dürfen nicht berührt werden, wohl aber beleidigt. Sie haben am Faschingssonntag ihren großen Auftritt und weit mehr als 100 von ihnen versammeln sich zur „Estrea do Peliqueiro". Dann laufen sie durch die Straßen, treiben den ein oder anderen Schabernack mit den Zuschauern am Straßenrand und laden im Anschluss Nachbarn und Besucher zur typischen Bica, einem Kuchen ein. 

Muntere Gesellen: Die Peliqueiros von Laza
C. Frentiu - Turespaña

Ein weiterer großer Tag in Laza ist der "Luns de Entroido", der Faschingsmontag, mit Ritualen wie A Farrapada, einem Gefecht mit in Schlamm getauchten Lappen, einer Xitanada, was eine Prozession mit Eseln ist, oder A Baixada da Morena, bei der eine Art Satyr mit dem Kopf einer Kuh die Frauen jagd, während sein Gefolge Mehl und lebende Ameisen auf die Menge regnen lässt.  

In Verín ist der “Jueves de las Comadres” bekannt und beliebt. Am Donnerstag vor Fasching begehen die Frauen des Ortes eine Lichterprozession und kündigen so den Karneval an. Und am Karnevalsdienstag gibt es die Fariñadas, lustige Mehlschlachten, ein besonderer Spaß für alle.

Zum elegantesten Karneval Galiciens

Den wohl elegantesten Karneval Galiciens feiern die „Madamas e Galáns“ von Vilaboa, Cobres nahe der Ría von Vigo. Der „Entroido de Cobres“ ist eine aus dem 18. Jahrhundert stammende Karnevalstradition, die an höfische Zeremonien erinnert, an denen sich das gesamte Dorf mit Begeisterung beteiligt. Die Kostüme, die Position bei den Tänzen und Umzügen repräsentieren die verschiedenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schichten. 

Eleganz pur: Die Madamas e Galáns am Karneval von Cobres, Galicien
iStock

Am elegantesten gekleidet ganz in weiß, mit bunten Bändern und Schmuck behängt, mit auffallenden kunstvollen Hüten, die bei den Frauen bis zu 7 kg wiegen können, sind die Madamas und Galáns. Sie repräsentieren dadurch die gehobene Schicht. Die Mehrheit und Ende des sozialen Gefüges stellen die Dorfbewohner dar. 

Wunderbar herausgeputzt: Ein Paar aus Cobres unter den Madamas e Galáns
C.Frentiu - Turespaña

Die „Madamas“ und „Galáns“ besuchen an den Karnevalstagen in Begleitung eines Orchesters die verschiedenen Dörfer des Gemeindebezirks und tanzen den „Danza de Cobres“. Der Faschingsdienstag ist der ausgelassenste Tag, den besonders die jugendlichen Einwohner feiern mit ausgelassenen Spielen, wie der „corrida de gallo“ mit symbolträchtigen Ritualen, wie dem „Hahn im Fluss“ oder dem „Hahn am Stock“ und weiteren wichtigen Persönlichkeiten dieses Karnevals, wie den Aufpassern des Hahns, „,los lloronas“ – den „Heulsusen“ oder dem Prediger. Ein herrlicher Karneval voller Tradition und ein echtes Highlight für Augen und Ohren.

Der traditionelle Karnevalstanz "Danza de Cobres"
Turismo de Galicia

In Cacheiras in der Region des Río Ulla erwarten uns die „Xeneraís do Ulla“, „Generäle von Ulla“. In neun Ortschaften ziehen reich geschmückte „Generäle“ hoch zu Pferde durch die Orte und entfachen regelrechte Wortgefechte untereinander. Man imitiert lokale oder auch nationale und internationale Größen, vor allem Politiker, die sich wortreich und sehr zum Spaß der Zuschauer „duellieren“.

Hoch zu Ross wird sich "duelliert" - Die Generäle von Ulla
Turismo de Galicia

Die Idee dieses „Entroido“, dem galicischen Wort für Karneval, der bereits seit 1870 schriftlich erwähnt ist, liegt in der Verspottung des Krieges. Sein historischer Ursprung geht zurück auf die Kämpfe, die, verursacht durch die Invasion der Truppen Napoleons, die Karlistenkriege und als Echo der Revolutionen von 1848, in der Region des Flusses Ulla stattfanden.

Eine Woche lang wird diese Tradition in den verschiedenen Gemeinden gefeiert mit Umzügen, Tänzen und Musik und jenen wortgewaltigen Rededuellen zwischen den Generälen und ihren Truppen, die sich in tollen filmreifen Kostümen hoch zu Pferd gegenüberstehen und die Zuhörer und Zuschauer zu Begeisterungsstürmen verlocken. 

https://www.turismo.gal/que-facer/promocions-para-gozar-agora/o-entroido-en-galicia?langId=de_DE

Wortgewandt: Die Generäle von Ulla
Turismo de Galicia

Cádiz - Ein Karneval der Satire und des Humors

Gewaltige Wortschlachten in Form von Gesang liefern sich auch die „Comparsas“, Chorgruppen in Cádiz. Die satirischen Gesänge, die in einem fast 20 Tage andauernden Wettbewerb von den verschiedenen Gruppen abends im Teatro de Falla der Stadt und tagsüber in den Straßen vorgetragen werden, wurden zum Hauptelement des Karnevals der Stadt. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute enthalten sie Anekdoten aus dem Tagesgeschehen, Kritik an der Politik, Sozial- und Gesellschaftssatire. 

Das Finale, das jeweils am Donnerstag in der Woche vor Beginn des eigentlichen Karnevals im Gran Teatro de Falla stattfindet (in diesem Jahr am 28. Februar), genießt höchstes Ansehen und wird in Fernsehen und Radio übertragen. Im Anschluss beginnt dann auch auf der Straße und auf den Plätzen der Stadt die „Gran Fiesta“.

 

Das Gran Teatro de Falla - einer der wichtigsten Schauplätze des Karnevals von Cádiz
Shutterstock

Der Karneval von Cádiz, der heute als Fest von internationalem Interesse deklariert ist, kam vor allem durch die Kaufleute aus Genua und Venedig als Masken- und Kostümfest in die Hafenstadt. In Form von Maskenbällen hielt das Fest zunächst Einzug in die Festsäle der oberen sozialen Schichten und kam schließlich zum Volk auf die Straße, das in Form von Tänzen und satirischen Gesängen seine Kritik an den oberen Zehntausend und politischen Führern übte. 

So war die heutige Form bereits im 19. Jh. vorgezeichnet. Die Maskenbälle im Theater und in Privathäusern einerseits, und maskierte Gruppen, die singend durch die Straßen zogen, andererseits, waren die hervorstechenden Charakteristiken.

Die bedeutendsten Musikinstrumente, die die lustigen, teilweise sehr bissigen Gesänge begleiten, sind Gitarren, Bandurrias und Mandolinen, sowie Pauken, Trommeln, Flöten und Trillerpfeifen. Die einzelnen Gruppen, je nach Anzahl ihrer Mitglieder nennt man sie „coros – Chöre“, „comparsas“, „Quartette“ oder „chirigotas“ treten einheitlich kostümiert auf.

Der Auftritt einer Chirigota während dem Karneval von Cádiz
Turespaña

Dazu kommen die „inoffiziellen“ Gruppen, die „charangas“, die außerhalb des Wettbewerbs auftreten, durch die Straßen ziehen und ihre Lieder vortragen: Familiengruppen, Freunde, Arbeitskollegen und alle, die aktiv an den großen Umzügen und „Carruseles“ der Chöre in der Innenstadt von Cádiz teilnehmen. Im Rahmen der  „Carruseles“ präsentieren die Gruppen auf Bühnen ihre Lieder am Sonntag und Montag, ebenso in den verschiedenen Tablaos der Stadt kann man sie bewundern.

Ein besonderer Karneval mit viel Satire in Form von Gesang in Cádiz
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Am großen Umzug am Karnevalssonntag nehmen sie alle teil und am darauffolgenden Sonntag folgt die sogenannte „Parade des Humors“ durch den alten Stadtkern. Und auch die Gastronomie kommt bei Karneval in Cádiz nicht zu kurz. So stehen einzelne gastronomische Veranstaltungen voll im Zeichen der typischen Produkte der Hafenstadt. Wie etwa die Pestiñada, bei der Tausende von Honigpfannkuchen plus ein Glas Anisschnaps an die Festteilnehmer verteilt, werden, oder die „Erizada“, das Seeigelessen und die „Ostionada“, bei der die Auster im Mittelpunkt steht, auf dem offiziellen Karnevalsprogramm. 

 

Der grosse Umzug am Karnevalssonntag in Cádiz
Shutterstock (OET Miami)

Die Termine in diesem Jahr sind der 27. Februar bis 09. März. Mehr Infos zum Karneval in Cádiz unter: https://www.andalucia.org/de/karneval-in-cadiz und https://www.spain.info/de/kalender/karnevalsfest-cadiz/

Zum Karneval auf die Kanaren

Von Cádiz aus begeben wir uns auf eine Reise über den Atlantik auf die Kanarischen Inseln, wo die berühmtesten Karnevalsfeiern auf Teneriffa und Gran Canaria stattfinden mit lateinamerikanischem Ambiente, herrlichen Kostümen, Tänzen und Umzügen, die an den Karneval in Rio de Janeiro erinnern. Diese Form des Karnevals kam wohl vor allem dank der Rückkehrer aus den Kolonien auf die Inseln.

Ganz in Weiß am Rosenmontag auf La Palma

An sie erinnern wir uns, als wir am Rosenmontag in Santa Cruz de La Palma von Bord gehen. Denn wir treffen im Hafen der Hauptstadt der Isla Bonita auf ein fröhliches Völkchen, die ganz in ein strahlendes Weiß gekleideten „Heimkehrer“ aus den einstigen Kolonien der Neuen Welt. 

Hier erinnert man sich an jedem Rosenmontag seiner Geschichte und der Vorfahren, die einst auszogen in die Neue Welt,  vor allem nach Kuba und Venezuela in die Karibik, um dort ihr Glück zu machen. 

Ein Meer aus strahlendem Weiß ergießt sich in den Straßen von Santa Cruz de La Palma am Tag der Indianos
Ángeles Acosta - Turismo Canarias

Und die dann wiederkamen in die Heimat, mit prall gefüllten Koffern und Kisten, mit Panamahut, in die weißen Anzüge von kubanischen "Señores“ gekleidet. Diejenigen, die die bis heute gepflegte Tradition des Zigarrendrehens nach La Palma brachten, und die ihrer alten Heimat einen Hauch von  Karibik verliehen. 

Nicht selten befanden sich in ihrem Gefolge Einheimische von der Karibikinsel, die ihnen als Dienstmädchen und Haushaltsgehilfen auch in der alten Heimat dienen sollten. An sie erinnert die über alles verehrte Hauptfigur des Karnevals von La Palma,  „La Negra Tomasa“, die „schwarze Tomasa“. 

Der Rosenmontag beginnt mit einem Spaziergang durch die Straßen der hübschen kleinen Inselhauptstadt Santa Cruz. Langsam füllt sie sich  mit Besuchern, die in den zahlreichen Läden noch schnell ihre weiße Jeans und das blütenweiße T-Shirt oder den weißen Rock mit einem netten Accessoire aufpeppen wollen. Vielleicht eine hübsche Bluse, ein außergewöhnlicher Schal oder eventuell findet sich sogar noch ein Panamahut? 

Dazwischen bleibt Zeit, die vielen elegant gekleideten Einwohner und Einwohnerinnen La Palmas zu bewundern, in ihren eleganten weißen Kleidern mit Rüschen und Volants, aufwendig behängt mit buntem Schmuck. Am Arm von Männern in weißen Anzügen, Zigarrenrauchend und langsam durch die Straßen schlendernd. Mit Kinderwagen aus einer anderen Zeit, in denen ihre Kinder sitzen, ebenfalls in  weißen Kleidchen mit bunten Schleifen im Haar. Alles ist in festlicher Stimmung und alle begeben sich Richtung Kathedrale und Rathaus an die Plaza España, den Hauptplatz der Stadt. Hier begrüßt man sich, stößt mit seinem Mojito an und bewegt sich im Rhythmus kubanischer Klänge, eine riesige, lebensfrohe Woge in Weiß, eingehüllt in einen Nebel von Talk unter Palmen und dem strahlendblauen Himmel.

Am Tag der Indianos in Santa Cruz de La Palma
Ángeles Acosta - Turismo Canarias

Und dann erscheint sie, der „Star“ des Festes, die „Negra Tomasa“, die mit einem Boot ankommend, schon im Hafen von einer Menge frenetisch feiernder „Indianos“ begrüßt worden war. In einem knallbunten Rüschenkleid mit einer riesigen Schleife auf dem Kopf tanzt "sie", die seit Jahren von einem einheimischen älteren Mann der Insel verkörpert wird, mit voluminöser Figur und schwungvollen Hüften die Stufen zur Plaza hinunter und begrüßt ihr Publikum, das sie lautstark willkommen heißt. 

Aber der Tag der Indianos in Santa Cruz de La Palma ist damit noch lange nicht zu Ende. Am Nachmittag, um 17.00 Uhr geht es zurück an den Hafen und man reiht sich entlang der Straßen auf, um den großen Umzug der zurückgekehrten „Indianos“ zu bewundern, die nun mit Kind und Kegel, weißen Sonnenschirmen, Papageien, Unmengen von Koffern und Kisten auf La Palma, ihrer alten Heimat „Einzug halten“. Die Luft ist durchdrungen von weißen Nebelschwaden, jeder hat sein Puderdöschen dabei. 

Am Rosenmontag auf La Palma: Der Umzug der "Indianos", wie die Rückkehrer aus den Kolonien genannt wurden
Ángeles Acosta - Turismo Canarias

Und danach wird natürlich bis tief in die Nacht in den Straßen gefeiert und getanzt. Spätestens jetzt hat sich jeder an das feine weiße Puder in der Luft, dass sich überall im Gesicht, in den Haaren und am Körper verteilt hat, gewöhnt.

https://visitlapalma.es/de/erlebnisse/der-karneval-der-indianos/

Die "Carneros" von Tigaday auf El Hierro

Ein Tag zuvor, am Faschingssonntag auf der kleinen Nachbarinsel El Hierro. An die 30 junge Männer und Jugendliche haben sich in einem Haus am Rand von Tigaday im Gemeindebezirk La Frontera im Westen der Insel versammelt und lassen sich von den älteren Dorfbewohnern beim Anlegen von Masken und Fellen helfen. Den meisten der „Kostüme“ sieht man ihre Jahre an und auch der Geruch, der von den Schaf- und Hammelpelzen ausgeht, ist nicht der beste. Es dauert eine ganze Weile bis alle Felle und Masken angelegt, die Glockenschellen umgebunden und sich die jungen Männer in furchteinflößende Gestalten verwandelt haben. 

Neben den furchterregenden Hammelfiguren, den Carneros, spielen nicht minder angsteinflößende Hirten „Pastores“ und besonders „El Loco“, ihr Anführer, eine Rolle in dem Spektakel, das sich am Karnevalssonntag und –dienstag in den Straßen von Tigaday abspielt. Sie sorgen mit rasselnden Ketten für den Lärm und treiben ihre „Herde“ immer wieder an.

Mittlerweile hat sich in der Ortsmitte eine schaulustige Menge an kleinen und großen Zuschauern und Karnevalisten versammelt. Für einen Augenblick herrscht gespannte Stille, dann ertönt am Ende der Hauptstraße ein Rasseln und das Geläute der Glocken.

Respekteinflössend: Ein Carnero in Tigaday, El Hierro
Victor R Rodriguez Castellano - Turismo Canarias

Dann tauchen sie auf und stürmen heran, die gruseligen Gesellen unter ihren Hammelfellen und Schafpelzen, mit monsterhaften Pelzgesichtern und Hörnern, Fell-Gamaschen an den Händen und Füßen, die Arme und Beine pechschwarz.  Mit Getöse gehen sie zunächst aufeinander los, rammen sich, stoßen sich und verfolgen in der Dorfmitte angekommen, schließlich Jung und Alt am Straßenrand. Schreiend und lachend rennen die Verfolgten davon und es beginnt ein wildes Durcheinander. Wer nicht aufpasst und sich erwischen lässt, trägt ganz schnell ein pechschwarzes Gesicht, schwarze Arme und Beine davon, ja die gesamte Kleidung wird vollgeschmiert mit schwarzer Schuhcreme.

Das Rennen beginnt. Am Faschingssonntag auf El Hierro
Victor R Rodriguez Castellano - Turismo Canarias

Stundenlang dauert dieses Treiben in den Straßen und zwischendurch flüchtet man in eine der Bars, um sich kurz darauf wieder in die Menge zu stürzen.

Die Tradition der Carneros unterscheidet den Karneval auf El Hierro von den meisten anderen Faschingsspektakeln der Kanarischen Inseln. Eine uralte Tradition, von der niemand genau sagen kann, woher sie stammt und wann sie zum ersten Mal auf der Insel auftauchte. Vermutet wird, dass sie zurückgeht auf alte Fruchtbarkeitsriten, Dämonen- und Hexenglauben. Benito Padrón, ein ehemaliger Einwohner von La Frontera und sein Sohn Ramón erweckten sie nach dem Bürgerkrieg zu neuem Leben.

Erwischt. Ein Carnero mit einem "besiegten" Zuschauer auf El Hierro am Faschingssonntag
Victor R Rodriguez Castellano - Turismo Canarias

Heute müssen die jugendlichen „Schafböcke“ mehr als 18 Jahre alt und recht sportlich sein, denn die zahlreichen Felle und Masken, die sie stundenlang tragen, wiegen nicht weniger als um die 20 bis 40 Kilo. Und man rennt viele Stunden in ihnen durch die Straßen bei dem sportlichen Spektakel, bei dem eigentlich alle in ständiger Bewegung sind, ob Zuschauer oder „carnero“.

Beim Einsetzen der Dämmerung nimmt das Spektakel in Frontera ein Ende mit einem letzten fulminanten Ansturm der noch immer nicht müde scheinenden „Carneros“. Und wer bisher noch nicht mit schwarzer Farbe gezeichnet ist, wird es sicher jetzt sein, damit jeder sieht, dass man bei dem unvergesslichen Spektakel dabei gewesen und nicht ungeschoren davon gekommen ist.

Informationen: https://elhierro.travel/de/entdecken/el-hierros-identitaet/

Tänze mit Teufeln und Fischblasen auf Lanzarote

Die maskierten „Teufel von Teguise“, die „Diabletes de Teguise“ mit ihren Ziegenhörnern und Stöcken erschrecken auch auf Lanzarote die am Straßenrand aufgereihten Zuschauer. Es gibt mehrere Annahmen zum Ursprung dieser Tradition. Eine davon besagt, dass sie wohl  zurückgeht auf rituelle Erntetänze der Mahos, der Ureinwohner von Lanzarote. Sie ist mit einer Geschichte von mehr als 600 Jahren eine der ältesten Traditionen der Kanaren, deren weite Ursprünge wohl noch auf dem afrikanischen Kontinent liegen. Die Figur des Teufels erschien in Teguise verkörpert als Ziegenbock, einem alten Symbol für Männlichkeit und Fruchtbarkeit, ähnlich dem „carnero“, dem Widder auf El Hierro und ähnlich der Figur der „Buches“ im Karneval von Arrecife. Noch im 17. Jahrhundert war die Tradition eng verbunden mit dem Fronleichnamsfest auf Lanzarote, bis die Kirche im 18. Jh. die Teilnahme der Diabletes an den religiösen Festlichkeiten verbot und so diese Tradition in die Zeit des Karnevals auf Lanzarote verschoben wurde. Früher trugen die Diabletes Ziegenfelle und Ziegenmasken, zum Wechsel auf den Karneval wechselten sie auch ihre Felle zu Kostümen aus Leinen und die Ziegenmaske wurde zur Maske eines Stiers.

Heute sind sie in weiße Hosen und Hemden gekleidet, bemalt mit Rauten aus schwarzen und roten Streifen und auffallenden roten oder schwarzen Punkten. Dazu kommen Lederriemen mit Schellen und Glocken und eine schwarze Gesichtsmaske, die in den besagten zwei Hörnern endet. Nicht zu vergessen der Stock, mit dem die Zuschauer erschreckt und gejagt werden.

Das ganze Jahr über kann man sie in der Hauptstadt von Arrecife sehen: Die von der einheimischen Künstlerin Evelina Martín in Bronze gegossenen beiden Figuren der „Buches“, der zweiten Traditionsfigur des Karnevals von Lanzarote.

Wieder zum Leben erweckt wurde diese wohl aus dem 19. Jh. stammende Tradition von der Gruppe Parranda de los Buches. Sie verkörpern die Seeleute der Insel, die als Landarbeiter verkleidet in die Hauptstadt kommen mit einer riesigen aufgeblasenen Fischblase, mit der sie symbolisch schlagen und dabei Seemannslieder singen. Auch die Fischblase gilt als Symbol der Fruchtbarkeit.

Die Gruppe der Parranda hat sich 1963 zusammen gefunden, um die alte Tradition, die wie die Carneros auf El Hierro und die Diabletes von Teguise eng mit dem ländlichen Leben und der Figur des Hirten verbunden ist, hier aber seltsamerweise sehr maritime Züge aufweist, wieder zum Leben zu erwecken.

Informationen: https://turismolanzarote.com/de/erkennst-du-mich-mit-maske/

 

Wer Lust auf den Karneval in Spanien hat, hier weitere erlebenswerte Events: 

https://www.spain.info/de/top/karneval-spanien/ 

Charco de San Ginés
Alex Bramwell - Lex Thoonen - Turismo Canarias